Hauptsach’ Boarisch – Maria und Karl Pest lieben ihren Dialekt und sammeln bekannte Werke auf Bayerisch. foto: cb

Die Odyssee der bayerischen Ilias

Indersdorf - Karl Pest liebt Bayerisch. Vor acht Jahren hat er ein paar Zeitungsausschnitte ins Münchner Metropoltheater getragen: Die boarische Ilias. Ein Schauspieler war begeistert und hat ein erfolgreiches Stück daraus gemacht. Einmal zeigt er es in Indersdorf - als Dankeschön.

Alles hat mit ein paar vergilbten Zeitungsschnipseln und einem Theaterbesuch angefangen. Rausgekommen ist ein erfolgreiches Stück im Münchner Metropoltheater.

Hans Pest (71) sitzt an seinem Wohnzimmertisch in Indersdorf - vor ihm Bücher, Hefte, CDs. Alles auf Bayerisch. Faust. Die Odyssee. Die Bibel. Pest liebt seinen Dialekt. Deshalb ist er auch vor drei Jahren mit seiner Frau Maria ins Münchner Metropoltheater gefahren. Die Lesung, die die beiden besuchten - natürlich auf Bayerisch. Es war die Odyssee. Präsentiert von dem Münchner Schauspieler Rüdiger Hacker. Und die Pests sind nicht mit leeren Händen gekommen. Bei schummrigem Licht und einem Bier zeigt der Indersdorfer dem Schauspieler seine vergilbten Zeitungsschnipsel. Er hat sie vor acht Jahren von einem Freund bekommen und aufbewahrt. Es ist der Text von der Ilias - auf bayerisch.

„Ich wollt ihm den Text zeigen, weil ich dachte, er könnte das Werk ebenfalls auf die Bühne bringen“, sagt Karl Pest jetzt an seinem Wohnzimmertisch. Und das hat Rüdiger Hacker. 2012 lädt er das Indersdorfer Ehepaar zur Premiere ein. Sogar in dem Cover der Ilias-CD auf dem Wohnzimmertisch steht das Gschichterl vom Kennenlernen von Pest und Hacker. „Es hat sich eine richtige Brieffreundschaft zwischen uns entwickelt“, sagt Pest.

Doch die Geschichte mit der bayerischen Ilias gab ihm auch ein Rätsel auf. Ein Rätsel, das er einfach nicht lösen kann. Denn keiner kennt den, der die bayerische Ilias geschrieben hat. Pest weiß nur, wie der Autor heißt: Hans Jörg Schuster. Doch der Mann ist wie ein Phantom. Keiner weiß, ob er noch lebt oder ob er Verwandte hat. Der Münchner Maler, Holzschneider und Mundartdichter hat eine große Leidenschaft: die griechische Mythologie. Bereits 1961 hat er den „bayerischen Herkules“ verfasst. Und wegen seiner Ilias ist er jetzt ein gesuchter Mann. Hacker „legt schon fleißig Tantiemen zurück. Das Stück läuft gut“, sagt Pest.

Und jetzt verirrt sich die boarische Ilias nach Indersdorf. Rüdiger Hacker wollte sich bei dem Ehepaar bedanken und das Stück in ihre Heimat bringen. Jetzt will er damit gleichzeitig etwas Gutes tun. Für die Opfer der Hochwasserkatastrophe. „Die Einnahmen aus dem Ticketverkauf gehen an die Hochwasserhilfe Deggendorf“, sagt Pest. Der kümmerte sich mit seiner Frau um einen geeigneten Raum und mit der vhs um einen Veranstalter. „Die Zuschauer erwartet wirklich etwas besonderes“, sagt Maria Pest. Bei der Lesung mit Musik präsentieren Rüdiger Hacker und Maria Hafner die boarische Ilias mit den Holzschnitten von dem Mann, den keiner finden kann - Hans Jörg Schuster. Das Ehepaar Pest freut sich, dass jetzt nicht nur die Indersorfer über den Mundartschmaus lachen können, sondern damit auch noch helfen.

Christiane Breitenberger

(Kartenbestellungen nimmt die vhs Indersdorf (0 81 36 / 93 88 35) entgegen. Der Vorverkauf beginnt am 1. Juli. Tickets kosten 17 Euro - der Erlös geht an die Hochwasserhilfe Deggendorf. Beginn ist am Dienstag, 16. Juli, um 20 Uhr beim Doll in Ried. Einlass ist ab 18.30 Uhr.)

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