Die stark befahrene Münchner Straße wird durch die Umgehung laut Untersuchung nicht zusätzlich belastet.

Ostumfahrung von Dachau: Karlsfeld stimmt grundsätzlich zu

Karlsfeld - Dachau will die Nord-Ost-Umfahrung der Stadt, Karlsfeld will sie nicht. Auf diesen einfachen Nenner ließ sich die Diskussion um das gigantische Straßenbauvorhaben bislang bringen. Doch nun lieferte eine Untersuchung überraschende Ergebnisse. Und schon ist der zuvor so einige Karlsfelder Gemeinderat entzweit.

Wenn die Stadt Dachau die Umgehungsstraße bekommt, wird der Verkehr geballt auf die ohnehin schon überbelastete Gemeinde Karlsfeld treffen. Dieses Szenario war Konsens im Karlsfelder Gemeinderat, weshalb sich alle Fraktionen bei jeder Gelegenheit lautstark gegen das Projekt aussprachen.

In der Sitzung am Donnerstagabend war nun Dr. Christoph Hessel zu Gast, ein Fachmann für Verkehrsplanung und Verkehrssteuerung. Er hat untersucht, wie sich die Ostumfahrung Dachaus - der erste Abschnitt der Nord-Ost-Umfahrung - auf Karlsfeld auswirken würde. Sein Fazit: Die Ostumfahrung bringt keine deutliche Verkehrsmehrung“ auf der Münchner Straße und der Bajuwarenstraße, in der Rothschwaige wäre gar eine geringfügige Entlastung die Folge. Hessel geht noch weiter: Unter gewissen Voraussetzungen wäre die Umgehung für Karlsfeld „sogar von großem Nutzen“.

Unabdingbar ist laut Hessel, dass die Autobahnanschlussstelle Oberschleißheim ausgebaut und damit leistungsfähiger wird. Gleichzeitig riet er, dass Karlsfeld die Durchlässigkeit von Bajuwarenstraße und Münchner Straße verringern solle, etwa durch Tempolimits.

Der Karlsfelder Gemeinderat darf eine Stellungnahme zum Umgehungsprojekt abgeben, verhindern kann die Gemeinde den Bau nicht, wie Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) betonte: „Wir haben gar nichts zu entscheiden!“

Aber auch über die Stellungnahme musste abgestimmt werden. Hier hatte die CSU samt Bürgermeister sowie Anton Flügel von den Freien Wählern die Mehrheit. Offiziell wird Karlsfeld dem Umfahrungsprojekt zustimmen, allerdings nur unter Voraussetzungen: Die Umfahrung muss zu einer Verringerung des Durchgangsverkehrs führen, gleichzeitig muss die Anschlussstelle Oberschleißheim ausgebaut werden. Und schließlich sei dafür zu sorgen, dass der „Eingriff in Natur und Landschaft“ möglichst gering gehalten wird.

Das ist nicht zu machen, sagen Kritiker der Umgehungsstraße, die östlich von Dachau auch durch ein geschütztes FFH-Gebiet verläuft. Für Bündnis-Gemeinderat Adrian Heim Grund genug, das Projekt abzulehnen: „Umweltschutz hört nicht an Gemeindegrenzen auf.“

SPD-Fraktionschef Reinhard Pobel sagte, er könne nicht zustimmen, weil „er keine Verbesserung für Karlsfeld sehe“, sollte die Ostumgehung gebaut werden. „Und bis zum Ausbau der Anschlussstelle Oberschleißheim können noch Jahre vergehen.“

Pobels Aussage, dass Karlsfeld die Dachauer Umgehung über die Kreisumlage mitbezahle, konnte Wolfgang Offenbeck (CSU) entkräften, zumindest was den östlichen Abschnitt betrifft: „Die Ostumfahrung wird von Dachau allein getragen, das Finanzierungsargument stimmt nicht.“ (mm)

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Das Geheimnis weichen Wassers
Wasser ist kostbar und Karlsfelder Wasser ist obendrein noch weich. Das liegt an mehreren Faktoren und an Leuten, deren Leidenschaft die Arbeit ist
Das Geheimnis weichen Wassers
„Gemütlichkeit ist schlicht nicht möglich“ - So geht es den Wirten im Landkreis nach der Öffnung
Endlich wieder eine frisch gezapfte Halbe im Biergarten genießen, einen deftigen Schweinsbraten oder ein feines Fischgericht im gemütlichen Lokal: Alles wieder möglich, …
„Gemütlichkeit ist schlicht nicht möglich“ - So geht es den Wirten im Landkreis nach der Öffnung
Dachauer Freibad: Keine Öffnung per Eilverfügung
Die Dachauer CSU forderte eine Öffnung per Eilentscheidung, die  Bäderreferentin im Stadtrat, Ingrid Sedlbauer, fordert: Sommer daheim - nicht ohne unser Freibad. Doch …
Dachauer Freibad: Keine Öffnung per Eilverfügung
Hoher Preis: EU zeichnet Ignaz-Taschner-Gymnasium aus
Das Ignaz-Taschner-Gymnasium hat für seinen hochwertigen Unterricht über die Europäische Union als erste deutsche Schule den Jan Amos Comenius Preis der EU-Kommission …
Hoher Preis: EU zeichnet Ignaz-Taschner-Gymnasium aus

Kommentare