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Wird heute 60 Jahre alt: Josef Mayer, Seelsorger am Petersberg. 

Zum 60. Geburtstag des Geistlichen Direktors am Petersberg

Pfarrer Josef Mayer sieht seine Aufgabe darin, zu helfen

Eigentlich kann Pfarrer Josef Mayer doppelt feiern: Seit 20 Jahren ist er geistlicher Direktor des Petersbergs, und am heutigen Montag wird er 60 Jahre alt. Die große Feier fällt wegen Corona aus. Doch der Geistliche kann selbst dieser Situation etwas abgewinnen.

VON SABINE SCHÄFER

Petersberg – Pfarrer Josef Mayer lacht gern und ist ein durch und durch positiver Mensch. „Ich bin dankbar, auf was ich zurückschauen kann, und froh, dass ich so lang schon mit vielen lieben Leuten arbeiten konnte“, lautet sein Fazit zum neuen Lebensjahrzehnt.

Der runde Geburtstag macht ihm keine Angst. „Ich bin Realist. Einzelne Dinge spüre ich zwar, aber ich kann mich auch darauf einlassen, mir einmal helfen zu lassen“, sagt der Geistliche ganz pragmatisch. Genauso hat er auch sein Leben angepackt. Geboren in Schwabmünchen als ältestes von drei Kindern einer Landwirtsfamilie, hat er mit Bruder und Schwester früh anpacken müssen, auf dem Feld und im Stall. Die 35 Kühe der Familie hat er alle beim Namen gekannt, hat gewusst, wie viel Milch jede gibt und welche gerade hinkt, wenn er sie von der Weide zurückgetrieben hat. Naheliegend war da der erste Berufswunsch: Tierarzt. Dafür muss man jedoch Abitur haben. Und das hätte er erst einmal nur im Internat in Kempten machen können. Da wollte er aber nicht hin.

Mayers Glück war, dass wenig später ein Gymnasium in Schwabmünchen eröffnete. Dafür musste er ein Schuljahr wiederholen und war sozusagen „Spätabiturient“. Es folgten 15 Monate bei der Bundeswehr und darauf das Studium.

Mathematik und Theologie ist es schließlich geworden, mit dem zweiten Berufswunsch, Lehrer zu werden. Nach der Lehramtszwischenprüfung setzte der junge Mann einen Diplom-Studiengang Theologie obendrauf. Während der Studienzeit ging er für das Freijahr nach Nazareth – „dort, wo der echte Dialog der Religionen stattfindet“, schwärmt Mayer noch heute.

Der Rest ist schnell zusammengefasst: ein Pastoraljahr in Laufen an der Salzach, danach Kaplan in München-Obersendling, bis dort plötzlich der leitende Pfarrer erkrankte und er sich in der Rolle eines Pfarradministrators wiederfand. Dabei habe er viel gelernt, erzählt Mayer: Gelassenheit und die Notwendigkeit, Hilfe anzunehmen und Arbeit zu delegieren. In dieser Zeit habe er mit zu einem Pfarrheim-Neubau beigetragen.

Mit 29 Jahren Priesterweihe, mit 32 die nächste Kaplanstelle in Gilching, zwei Jahre später war er Jugendpfarrer im Landkreis Ebersberg und Diözesan-Landjugendpfarrer. Der katholischen Landjugendbewegung war er ohnehin quasi von Kindesbeinen an verbunden. Schließlich der Ruf an den Petersberg, den er schon aus dem Jahr 1995 kannte, als die Katholische Landvolkshochschule kurzzeitig auf der Kippe stand und er sich unter anderem wegen dem Pfingsttreffen dem Motto anschloss: „Der Petersberg darf nicht sterben“.

„Ich war nie der klassische Pfarrer. Sonst ginge es mir nicht so gut“, so Josef Mayers Antwort auf die Frage, ob es Momente gebe, in denen er nicht Pfarrer sein möchte. Er sei kein Verwalter. Seine Berufung sei die Seelsorge. „Wenn ich das nicht für mich gefunden hätte, wäre ich vielleicht auch Therapeut geworden.“

Selbst der Corona-Pandemie kann der Geistliche etwas Positives abgewinnen. Corona sei die „intensive Anfrage an unseren Lebensstil und ob der Mensch lernt, das Wunder der Heimat zu begreifen. Das ist zukunftsentscheidend für unseren Planeten Erde“, ist Mayer überzeugt.

Seine eigene Zukunft hat er sich in jungen Jahren wohl überlegt. Auch die Frage nach einer eigenen Familie. Es habe schon eine Phase gegeben, „wo ich mal Familie wollte“. Aber über die Familienarbeit als Priester habe er Segen und Herausforderung kennengelernt. Als Onkel für die jeweils drei Kinder seiner Geschwister sei er ohnehin sehr gefragt, und auch als Patenonkel von Freunden.

Er sehe seine Aufgabe mehr darin, zu helfen, wenn er gebraucht wird. Darum mag er ja seinen Beruf und die Aufgabe des Exerzitienleiters am Petersberg so gern: „Weil ich ganz viel mit Menschen in Berührung komme und helfen kann, zu dem zu kommen, was die jeweiligen Menschen eigentlich ausmacht.“

Mayer ist sehr froh und dankbar für alle Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, die er am Petersberg erleben durfte. Sie hätten entscheidenden Anteil, dass der Weg der KLVHS Petersberg so erfolgreich bewältigt werden konnte. Der Petersberg – „ein Ort, wo Seelsorge pur herrscht, auch in den Coronawochen“, betont Pfarrer Mayer.

Die Pandemie macht ihm nun aber einen Strich durch die Rechnung. „Aus dem Reinfeiern – ich bin um 0.30 Uhr geboren – wird nichts. Das hat der Himmel aufgelöst.“ Das Geld, das er für seine Feier ausgegeben hätte, werde er nun spenden – vor allem dorthin, „wo die Not viel größer ist als bei uns“.

Corona-Pandemie
verhindert die
Geburtstagsfeier

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