Fußballmannschaft
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So ging’s los beim SV Petershausen: die Fußballmannschaft im Gründungsjahr 1920. 

Ängste nach dem Jubiläumsjahr

SV-Petershausen: Vereinschef Hubert Doetsch blickt besorgt in die Zukunft des 100-jährigen Vereins

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Letztes Jahr hätte das 100-jährige Jubiläum des SV Petershausen stattgefunden, doch von Feierlaune ist nichts zu spüren. Stattdessen werden es immer weniger Mitglieder.

Petershausen – Verwaiste Sportflächen, erste Mitgliederaustritte und ein Vorstand, der sich um die Zukunft des Vereinssports sorgt: Eigentlich hätte 2020 beim Sportverein Petershausen ein heiteres Jahr der Feiern und Aktionen werden sollen. Schließlich blickte der 1920 gegründete Verein auf eine 100-jährige erfolgreiche Geschichte zurück.

Die 72-seitige Festschrift war im Frühjahr auch schon gedruckt, ein Jubiläumswochenende für alle Generationen geplant. Doch dann kam Corona. Ob die Feier nun im kommenden Sommer nachgeholt wird, entscheidet der Vorstand im Februar oder März. „Mein Bauchgefühl sagt eher Nein, nicht dass unser Fest ein Superspreader-Event wird“, sagt Vorsitzender Hubert Doetsch.

Aber tatsächlich bewegen ihn aktuell andere Themen: „Wichtig wäre, zu wissen, wann wir wieder Sport anbieten können“, sagt Doetsch. Seit Monaten ruht der Betrieb, selbst Tennis im Freien ist nicht möglich, die ersten der 1150 Mitglieder verlassen den Verein. „Wir haben schon 100 Kündigungen erhalten.“ Vor allem die Abteilungen Turnen und Badminton seien betroffen, „Fußball und Tennis dagegen nicht“.

Hundert Mitglieder haben schon gekündigt – SV-Vorsitzender Hubert Doetsch ist besorgt.

Die Mitgliederbeiträge für 2021 hat der Verein jetzt erst einmal nicht wie üblich in der ersten Januarwoche über die Bank eingezogen. Vorsitzender Doetsch möchte warten, bis der Sportbetrieb zumindest im Freien wieder losgeht. „Zwei, drei Monate können wir noch überleben.“ Dann werde es knapp. Vor allem, falls noch mehr Mitglieder austreten. „Wir sind finanziell ein grundsolider Verein, aber wenn auf Dauer 20 Prozent der Einnahmen wegbrechen, wird es eng.“

Der SV-Vorstand hofft auf die Solidarität der Mitglieder. Denn natürlich wird weniger Wasser und Strom verbraucht, wenn Sportler nicht duschen und das Flutlicht dunkel bleibt. Aber es gibt viele Fixkosten. „Der Platz muss gepflegt werden, auch wenn keiner spielt.“

Auch ein eigentlich für 2021 geplanter Stabwechsel an der Vereinsspitze muss angesichts der aktuell schwierigen Situation wohl noch warten. Zwar wollte sich Doetsch, seit 2007 im Amt, heuer zurückziehen, an einen Nachfolger übergeben. Angesichts der Pandemie wird es aber heuer wohl nicht klappen. Auch ganz grundsätzlich sei es fraglich, ob sich noch jemand finde, der ehrenamtlich die Verantwortung übernehmen wolle für eine Bilanzsumme von 650 000 Euro und dafür persönlich haftet. Ganz abgesehen von den vielen Organisations- und Koordinationsaufgaben eines Vorsitzenden.

Das erste Sportgelände lag an der Münchner Straße, schräg gegenüber der alten Schule – heutiges Rathaus. Das Bild stammt aus den Nachkriegsjahren.

Doetsch plant deshalb eine Satzungsänderung, damit beim SV analog wie etwa bei den großen Dachauer Vereine auch bezahlte Vorstände oder Geschäftsführer tätig werden können. Doch für so eine Novellierung braucht es erst einmal wieder eine Mitgliederversammlung. Auch die ist 2020 ausgefallen und für 2021 unsicher. Also bleibt Doetsch erst einmal im Amt. Und macht sich weitergehende Gedanken. Ein Sportverein, das sei eben mehr als Training. „Das Typische am Vereinsleben ist die Geselligkeit, die Gemeinschaft, aber die sozialen Kontakte fehlen jetzt.“ Je länger die Pandemie dauert und damit auch der Lockdown im Sport, desto eher werden sich Mitglieder umorientieren, sich vielleicht gar nicht mehr aufraffen können für sportliche Aktivitäten im Verein.

Anderen Organisationen könnte es ähnlich gehen. Am Ende könnte langfristig der gesellschaftliche Zusammenhalt leiden, der von den Vereinen geprägt werde. Das, so Doetsch, „sind mögliche Kollateralschäden von Corona, an die denkt man nicht.“

Rückblick - 100 Jahre SV Petershausen 

Auch wenn nicht feststeht, ob das 2020 ausgefallene Jubiläumsfest heuer noch nachgeholt wird: Auf eine beeindruckende Geschichte kann der Sportverein Petershausen (SVP) auch ohne Feierlichkeiten zurückblicken. Im Jahr 1920 haben 21 Männer den Verein als Fußballklub gegründet, um gegen die Mannschaften aus den umliegenden Gemeinden antreten zu können. Gleich das erste Spiel gegen die ebenfalls im selben Jahr neu ins Leben gerufene Spielvereinigung Hebertshausen ging mit 1:4 verloren. Eine Niederlage, die sich aber nicht als schlechtes Omen erwies. Denn der SV Petershausen hat seitdem einen enormen Aufschwung erlebt. Wo anfangs zwei Dutzend Männer kickten, treiben heute 1150 Petershauser jeden Alters Sport, trainieren in ihrer Freizeit, ringen in Ligen um Punkte, Auf- und Abstieg, nehmen an überregionalen Wettkämpfen teil. Neben der traditionellen Fußballabteilung, bis in die 1950er Jahre die einzige Sportart im SV Petershausen, gibt es heute mit Badminton, Stockschützen, Tennis, Tischtennis, Turnen/Fitness/Leichtathletik, Volleyball, Rad- und Skisport acht weitere Sparten, dazu einen Tanzkreis und eine Karateschule. Die mitgliederstärkste Abteilung ist mit 550 Sportlern, davon 337 Kinder, der Bereich Turnen.

Die Anfänge des SV Petershausen waren bescheiden: An der Münchner Straße, etwa dort, wo heute die Wohnsiedlung Mooswiesen liegt, wurde der erste Sportplatz gebaut, 1960 ein neuer Sportplatz mit Umkleiden und Duschräumen an der Jahnstraße errichtet, 1977 das neue Sportzentrum eröffnet. Am heutigen Standort an der Moosfeldstraße präsentiert sich der SV jetzt mit Sportheim, Fußballstadion und Trainingsfeldern, sechs Tennisplätzen, davon zwei Allwetteranlagen mit Flutlicht, einer Beachanlage und einer Leichtathletikanlage mit 400 Meter-Laufbahn, einer der wenigen im Umkreis. Integriert in die seitlich offene Stockschützenhalle liegt die kleine Sporthalle. Tatsächlich, das sagt der Vereinsvorsitzende Hubert Doetsch nicht ohne Stolz, „eines der schönsten Sportgelände im Umkreis“. ps

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