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Geben sich kämpferisch: Barbara Jacob vom Helferkreis Asyl Petershausen und Azizi Mustafa, der wieder nach Afghanistan abgeschoben werden soll.

Jungem Flüchtling droht Abschiebung nach Afghanistan

Perfekt integriert, dennoch nicht willkommen

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Einen Schulabschluss und einen Ausbildungsvertrag in der Tasche, trotzdem soll der Asylbewerber Azizi Mustafa das Land verlassen. Der Helferkreis Petershausen und Mustafas Arbeitgeber kämpfen für ihn.

Petershausen – Er ist das Musterbeispiel eines gut integrierten Asylbewerbers. Der 20-jährige Azizi Mustafa, der in Petershausen lebt, beherrscht die deutsche Sprache, hat einen guten Mittelschulabschluss hingelegt und für September bereits einen Ausbildungsvertrag für den Rewe-Markt in Hohenkammer in der Tasche. Trotzdem soll er das Land wieder verlassen. Denn Mustafa kommt aus Afghanistan – einem Land, das von der Bundesregierung zumindest teilweise als sicher eingestuft wurde.

Deshalb erhielt der 20-Jährige Anfang des Jahres seinen Abschiebebescheid. Seinen Schulabschluss durfte er im Sommer noch fertig machen, doch jetzt steht er auf der Liste jener Asylbwerber, die wieder zurück in ihr Heimatland müssen. Dabei würde er auch in Deutschland dringend gebraucht! Nikolaus Materna, Inhaber des Rewe in Hohenkammer, hat händeringend nach einem Auszubildenden gesucht. Und er meinte, ihn mit Azizi Mustafa gefunden zu haben. Für ihn wäre die Abschiebung ein herber Verlust. Materna will sich deshalb für den Verbleib seines angehenden Azubis einsetzen.

Auch Barbara Jacob vom Helferkreis Asyl aus Petershausen will den Bescheid nicht einfach so hinnehmen. „Ich bin entsetzt über mein eigenes Land“, sagt sie zu der geplanten Abschiebung. Sie beklagt eine „völlig widersinnige Politik“. Einerseits würden dringend Azubis gesucht, andererseits würden arbeitswillige, junge Asylbewerber mit Ausbildungsstelle zurückgeschickt.

Deshalb setzt sie jetzt sämtliche Hebel in Bewegung, um dem jungen Asylbewerber doch noch die Chance auf eine Ausbildung und den Verbleib in Deutschland zu ermöglichen – und wenn sie dabei mit dem Landrat selbst sprechen muss. Denn am Landratsamt haben sie sich bereits die Zähne ausgebissen. Dort hätten sie nur die Antwort erhalten, dass dies nun mal die Gesetzeslage sei. Und, so Barbara Jacob: „Wir können ja nicht gegen die Gesetze verstoßen.“

Ähnlich argumentiert auch das Landratsamt Dachau in der Sache. „Wenn es gesetzliche Spielräume gibt, nutzen wir diese großzügig“, betont ein Sprecher. Am Ende aber müssten „rechtsstaatliche Ergebnisse eingehalten werden“. Die Zuständigkeit in dem Fall gehe außerdem gerade an die Regierung von Oberbayern über.

Mustafa ist es im Moment allerdings egal, welche Behörde nun für ihn zuständig ist. Für den jungen Mann geht es bei der ganzen Sache nämlich um wesentlich mehr als nur die Auslegung des Gesetzbuches. Er fürchtet bei einer Rückkehr nach Afghanistan um sein Leben. „Ich habe Probleme mit der Taliban“, berichtet er. In Afghanistan habe er eine Wohnung seines Onkels betreut. Als es einmal Ärger mit der Zahlungsbereitschaft eines Mieters gab, verständigte Mustafa die Polizei. Die fand aber nicht nur den Mieter, sondern auch eine Pistole und eine Kalaschnikow in der Wohnung. Es stellte sich heraus, dass der Mieter zu den Taliban gehörte.

Der wanderte zwar ins Gefängnis, kam nach wenigen Tagen aber wieder frei. Nur kurz darauf erkundigten sich Unbekannte in Mustafas Heimatort nach ihm und wo er wohne – die Taliban hatten ihn im Visier! Die Familie legte ihr Geld zusammen und schickte den damals erst 17-Jährigen auf den langen Fluchtweg bis nach Deutschland – nur wenige Monate, nachdem Mustafa einen guten Schulabschluss in Afghanistan gemacht hatte.

Beweisen kann Mustafa diese Vorgänge nicht. Papiere dazu gibt es nicht. „In Afghanistan wird alles noch mündlich geregelt“, erklärt der Asylbewerber. Sein Traum von einem neuen und sicheren Leben in Deutschland steht nach dem Abschiebebescheid nun auf der Kippe. Ob der Einsatz seines Arbeitgebers und des Helferkreises Erfolg haben wird, steht noch in den Sternen...

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