Frau mit langen Haaren
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Moderierte die Veranstaltung: Hildegard Schöpe-Stein.

Petershauser SPD organisiert virtuelle Diskussion: „Coronadiktatur“ oder „Covidioten“

Austausch trotz unterschiedlicher Meinungen

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Petershausen – Seit vor einem Jahr das Corona-Virus erstmals in Deutschland aufgetreten ist, bestimmt die Pandemie unseren Alltag. Maßnahmen zur Eindämmung der Infektionszahlen betreffen alle Bereiche der Gesellschaft, beschränken Freiheiten, sind permanent Thema privater wie öffentlicher Diskussionen. Allerdings wird in den kontroversen Debatten mehr und mehr eine Spaltung der Gesellschaft erkennbar. Diskutiert wurde auch in Petershausen.

21 Teilnehmer loggten sich am Mittwochabend am heimischen Bildschirm ein. Darunter Mitglieder und Freunde der SPD, aber auch Interessierte von außerhalb der Partei. „Es ist lange her, dass wir zu einer Präsenzveranstaltung so viele Gäste begrüßen durften“, sagte Ortsvorsitzende Hildegard Schöpe-Stein, die den Abend moderierte.

Rasch entwickelte sich ein lebhafter Austausch zu Corona-Maßnahmen, deren demokratischer Legitimation und Kommunikations-Blasen. Mit Blick auf die Bundestagswahl sehen einige die Gefahr eines Rechtsrucks. „Eine Beteiligung der Parlamente vor den Corona-Beschlüssen fehlt mir“, monierte Ludger Elmer, ehemaliger stellvertretender Weichser SPD-Ortsvorstand. Auch wenn die Pandemie eine „Stunde der Exekutive“ sei, könnten tatsächlich die Parlamente mehr beteiligt werden, sagte Karl Kühbandner, der mit SPD-Vorstandsmitglied Brigitte Burger die Veranstaltung inhaltlich vorbereitet hat.

Auch die Frage, ob nicht Kollateralschäden in der Wirtschaft, in Familien oder bei der Bildung zu wenig berücksichtig würden, ob von der Politik die richtigen Experten zu Rate gezogen werden, wurde aufgeworfen. Teilnehmer nannten auch den umstrittenen Sucharit Bhakdi, bei dem Brigitte Burger eine klare Grenzlinie zog. Sie verlas ein Telegram-Statement dieses ehemaligen Professors und Mikrobiologen, das Gewalt gegen den Staat legitimiert. „Muss ich dann noch fragen, warum er nicht Experte sein kann?“

Wie aber umgehen mit Menschen, die Corona-Maßnahmen kritisch sehen? „Viele fühlen sich verunglimpft, wenn sie automatisch in die Ecke der Querdenker gestellt werden“, sagte Moderatorin Schöpe-Stein. Nach seiner Beobachtung liege die Diskussionskultur komplett am Boden, „es bleibt kein Platz, dem andern zuzuhören“, sagte Robert Kühbandner, der von Berlin aus mitdiskutierte. Doch bestehe die Gefahr, dass Rechtspopulisten die „Gefühlsgemeinschaft“ der Corona-Kritiker instrumentalisierten für ihre Ideologie, fürchtet Christa Trzcinski. Auch Monika Kühbandner hat „mehr Angst vor einem Rechtsruck als vor Corona“. Und mit Blick auf die anstehende Bundestagswahl sorgt sich Cornelia Stadler, der Wahlkampf könnte „hart und bürgerkriegsartig werden.“

Nicht alle Diskussionsteilnehmer sehen die Situation so pessimistisch. Den jungen Leuten dürfe man da durchaus etwas zutrauen, dafür warb Robert Kühbandner. „Die etablierten Parteien müssten Jugendlichen mal den Weg ebnen.“ Tatsächlich umfassten die Kritiker, die auf die Straße gehen, nur eine sehr laute Minderheit, sagte Gottfried Lehmann. Während der größte Teil der Bevölkerung doch „mit erstaunlicher Geduld und oft auch Mühsal“ die Corona-Maßnahmen mittrüge.

Fazit der zweistündigen Diskussion: „Solche Gesprächsrunden könnten wir in Pandemiezeiten öfter gebrauchen, um unterschiedliche Standpunkte einzubringen,“ sagte Heinrich Fitger, ehemaliger Weichser SPD-Vorsitzender. Eine Fortsetzung ist zumindest nicht ausgeschlossen. Auch Moderatorin Hildegard Schöpe-Stein sagte im Schlusswort: „Wir sollten auf jeden Fall im Gespräch bleiben, auch wenn wir nicht einer Meinung sind.“ Kontroverse Diskussionen, so die SPD-Ortsvorsitzende, „sind anstrengend, aber wichtig sind sie allemal“.

PETRA SCHAFFLIK

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