Kirche
+
Neben dem frisch renovierten Turm sind abblätternde Farbe und Putzschäden am Kirchenschiff der Frauenkirche umso deutlicher erkennbar. Geld für die Fassadensanierung soll deshalb im Haushalt 2021 der Gemeinde eingestellt werden.

Gotteshaus in Kollbach muss saniert werden – Gemeinde ist Eigentümer, Nutzung unklar

Das Dilemma um die Frauenkirche

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
    schließen

Petershausen – Soll die Gemeinde Petershausen weitere 220 000 Euro investieren, um die Fassade der denkmalgeschützten Frauenkirche in Kollbach zu sanieren? Die Meinungen im Gemeinderat gehen auseinander.

Ums Geld geht es bei dem Disput weniger als vielmehr ums Prinzip. Denn die rechtliche Situation ist ungewöhnlich: Das barocke Gebäude gehört der Gemeinde, die auch alleine für den Erhalt zuständig ist. Und tatsächlich wurden seit 2016 bereits 330 000 Euro investiert, um die historische Bausubstanz vor dem Verfall zu bewahren. Doch die Verfügungsgewalt über das geweihte Gotteshaus liegt allein beim Pfarrverband. Ein Umstand, der seit langem für Debatten im Gemeinderat sorgt. Und im vorigen Jahr dazu geführt hat, dass im Haushaltsentwurf eingeplante Gelder für die Fassadensanierung bei der Etatdebatte im Gemeinderat gestrichen wurden.

Nun unternahm Bürgermeister Marcel Fath (FW) mit Blick auf den Haushalt 2021 einen neuen Anlauf. Da der Kirchturm bereits frisch geweißelt ist, sollte eine Fassadenrenovierung am Gebäude zeitnah erfolgen, erklärte der Rathauschef. Nur so werden Turm und Kirchenschiff künftig optisch aus einem Guss erscheinen. Die Diskussion, „welche Rolle die Kirche in Zukunft bei der Nutzung spielen soll“, gelte es noch zu führen, das ist dem Rathauschef klar. Aber vorsorglich solle jetzt das Sanierungsbudget eingeplant werden, um handlungsfähig zu sein.

Ein Vorschlag, gegen den sich sofort Widerspruch aus Faths eigener Fraktion regte. Solange die künftige Nutzung nicht geklärt sei, „tut mir jeder Euro leid“, sagte Hans Scherer. Für „undenkbar“ halte er es, dass die Frauenkirche weiter als Kirche bestehen bleibe. „Denn Kollbach hat eine katholische Kirche“, so Scherer. Gemeint ist die Pfarrkirche Sankt Martin, die seit vielen Jahren für alle liturgischen Feiern im 820-Seelen-Dorf Kollbach genutzt wird.

Tatsächlich gebe es die Aussage von Pfarrer Peter Dietz, „die Kirche braucht dieses Kirchengebäude nicht“, erinnerte auch Margarete Scherbaum (FW). Vor jedem weiteren Sanierungsschritt müsse geklärt sein, dass die Kirche „allen Bürgern zur kulturellen Nutzung zur Verfügung steht“, forderte auch Bernhard Franke (SPD). Es handle sich um ein gemeindliches Gebäude, „da lasse ich mir von der Kirche nicht reinreden“.

Anders sieht es die CSU-Fraktion. Nachdem schon viel Geld in das historische Gebäude gesteckt wurde, sollte die Gemeinde nun „wenigstens die Außenhülle fertig machen“, warb Hildegard Weßner. Auch Susanne Strauß (Grüne) plädierte dafür, das Geld in den Etat einzustellen. „Sonst schieben wir das ewig vor uns her.“

Grundsätzlicher wurde Gerhard Weber (CSU), der seinen Gemeinderatskollegen „mangelndes Geschichtsbewusstsein“ vorhielt: „Wir haben nicht so viele historische Gebäude.“ Was die künftige Nutzung angeht, erinnerte Weßner an die Zusage von Pfarrer Dietz, weltliche kulturelle Nutzung und andere Konfessionen zuzulassen.

Tatsächlich hatte sich der Seelsorger 2019 bei einer Bürgerveranstaltung zum Thema aufgeschlossen gezeigt für eine breite Öffnung der Frauenkirche. Doch diese Haltung sei „personenabhängig“, gibt Rathauschef Fath zu bedenken. Unausgesprochen im Raum steht daher der Gedanke einer Profanisierung der Kirche, die aus dem Gotteshaus einen weltlichen Bau machen würde.

Auf jeden Fall möchte der Bürgermeister, so kündigte er an, „in diesem Jahr einvernehmlich über die künftige Nutzung entschieden haben“. Jetzt sprachen die Gemeinderäte im Finanzausschuss erst einmal mehrheitlich eine Empfehlung an den Gemeinderat aus, Geld für die Fassadensanierung in den Haushalt einzustellen. Gegenstimmen kamen von Hans Scherer, Margarete Scherbaum (beide FW) und Bernhard Franke (SPD).

Wie die Frauenkirche in den Gemeindebesitz kam

Die Kirche Mariä Geburt in Kollbach, die gemeinhin als Frauenkirche bezeichnet wird, wurde 1288 wohl noch im romanischen Stil errichtet, 1675 dann umgebaut und barockisiert. Über längere Zeit war dieses Gotteshaus Ziel einer Wallfahrt zur Gottesmutter Maria. In der Säkularisation 1803 sollte das Kirchlein, das heute auf der Denkmalliste steht, abgerissen werden. Gerettet haben es damals Kollbacher Bauern, die das Gebäude vorgeblich als Unterstellhalle für landwirtschaftliche Geräte kauften. Auf diese Weise geriet die Kirche in Gemeindebesitz. Als in der Gebietsreform im Jahr 1978 das zuvor eigenständige Dorf Kollbach dann nach Petershausen eingemeindet wurde, kam die Frauenkirche quasi als Mitgift mit. Die Gemeinde Petershausen ist nach wie vor für den Erhalt des Bauwerks zuständig. Dabei wurde akuter Handlungsbedarf durch ein Gutachten im Jahr 2015 erkennbar. Feuchte Dachbalken, Risse im Mauerwerk, Schimmelbefall, Algenwuchs, aufsteigende Feuchte an den Wänden und ein Holzwurmbefall wurden von den Experten aufgelistet. Seitdem hat man in einem mehrphasigen Sanierungskonzept bereits den Schädling erfolgreich bekämpft, das Gebäude trockengelegt und den Turm renoviert. Offen sind allerdings noch Fenster, Innenraum und Außenfassade. ps

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare