Mann mit Schnauzer
+
Er errechnet selbst täglich die Sieben-Tage-Inzidenz: Herwig Feichtinger aus Petershausen.

Herwig Feichtinger aus Petershausen veröffentlicht täglich Corona-Daten

Der Mann der Zahlen

Petershausen – Am späten Nachmittag sitzt Herwig Feichtinger am Computer, berechnet die aktuelle Sieben-Tage-Inzidenz für den Landkreis, veröffentlicht dann alle aktuellen Corona-Daten für Petershausen und den Landkreis in seinem News-Portal www.petershausen-mobil.de. Tag für Tag geht das so, seit dem 3. März 2020. Damals startete der 68-jährige Petershausener auf der von ihm betreuten Online-Nachrichtenseite die Veröffentlichung täglicher Corona-Daten.

„Es zeichnete sich schon ab, dass diese Pandemie länger dauern wird.“

Feichtinger, der lange als Software-Entwickler tätig war, als Geschäftsführer das Software-Unternehmen Shamrock in Petershausen leitete und deshalb „eine gewisse Nähe zu Zahlen“ hat, legte los. Um den Petershausenern die Möglichkeit zu geben, die Corona-Situation einschätzen und einordnen zu können, liefert er seitdem täglich aktuelle Daten. Seine Quellen sind die gängigen Behörden und Ämter, wie Dachauer Landratsamt, Robert-Koch-Institut (RKI), Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), Weltgesundheitsorganisation (WHO). Anfangs war diese Corona-Seite der Service für die Leser, Fakten und Zahlen aus unterschiedlichen Quellen zusammenzutragen und kompakt auf einen Blick zu präsentieren.

Inzwischen aber liefert der Petershausener täglich selbst eine interessante Zahl, die es nirgendwo sonst mehr frei zugänglich gibt: Die Sieben-Tage-Inzidenz für den Landkreis, berechnet aus den tagesaktuellen Zahlen des Landratsamts. Die Kalkulation des Werts „ist kein Hexenwerk“, sagt Feichtinger. Summe der Infektionswerte aus sieben Tagen, geteilt durch die Einwohnerzahl mal 100 000, fertig. Doch die Kreisbehörde, die lange diesen Wert täglich selbst bekannt gab, stellte die Veröffentlichung bekanntlich zum 1. Dezember ein. Weil die Sieben-Tage-Inzidenz des Landratsamts, von RKI und LGL jeden Tag erheblich voneinander abgewichen sind. Und eine nachvollziehbare Erklärung dafür fehlt. Da aber alle behördlichen Corona-Maßnahmen sich am RKI-Wert orientieren, verzichtet das Landratsamt auf die Bekanntgabe des eigenen Werts. Unverständlich, findet das nicht nur Feichtinger, der seitdem täglich selber rechnet.

Als Mann der Zahlen hat der Petershausener auch versucht, der Ursache für die teils erheblichen Unterschiede auf den Grund zu gehen. Vergeblich. Mit Meldeverzögerungen allein ließen sich die erheblichen Differenzen nicht begründen. „Auch nachträgliche Korrekturen können so deutliche Abweichungen nicht erklären.“ Da gebe es wohl regelmäßig technische Probleme, mutmaßt Feichtinger. Interessant findet er, dass die RKI-Werte immer deutlich unter dem Wert lagen, der aus den tatsächlichen Infektionszahlen vor Ort berechnet wird. „Wiederholt war der RKI-Wert um 150, die von mir berechnete Zahl schon jenseits der 200er-Marke.“ Seit zwei Tagen ist es andersrum. Jetzt liegt der RKI-Wert höher. Eine Diskrepanz, die sich ähnlich auch in anderen Landkreisen zeige. Für die persönliche Einschätzung der tatsächlichen Corona-Situation vor Ort hält Feichtinger seine Kalkulation deshalb für hilfreich. Anhand dieses Werts „kann jeder selbst beurteilen, wie er sich verhält.“

Dass seine tägliche Rechnerei nicht nur ein persönlicher Spleen ist, zeigten zum Jahreswechsel eine Reihe positiver Rückmeldungen. „Leser haben sich bedankt für meine Arbeit.“ Herwig Feichtinger rechnet weiter. „Damit die Leute das ganze Bild sehen.“ PETRA SCHAFFLIK

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare