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Denkmalgeschützt und eingerüstet: das Petershausener Rathaus.

Petershausen

Rathaus wird für zehn Jahre fit gemacht

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Der marode Zustand des Petershausener Rathauses ist bekannt und auch deutlich sichtbar: Ein Gerüst sichert schon seit 2016 das denkmalgeschützte Gebäude, weil jederzeit Dachziegel herabstürzen könnten. Zudem regnet es ein, die Statik des Dachs ist laut Gutachten nur noch für drei Jahre verlässlich. Auch am Brandschutz mangelt es in dem Haus, das 1914 als Schule errichtet worden ist.

So gibt es beispielsweise im Sitzungssaal keinen zweiten Fluchtweg, im Notfall müssten Gemeinderäte und Gäste durchs Fenster über ein Baugerüst flüchten. Fest steht deshalb: „Ohne Maßnahmen geht es nicht mehr.“ Das erklärte Bürgermeister Marcel Fath (FW) am Donnerstag den Gemeinderäten im Bauausschuss. Jetzt soll eine provisorische Sanierung zumindest vorübergehend Abhilfe schaffen.

Eine umfassende Kernsanierung des gut 100 Jahre alten Baudenkmals wäre nicht nur kostspielig. Während der auf zwei bis drei Jahre veranschlagten Bauphase müsste die Gemeindeverwaltung auch ausziehen. Bevor die Gemeinde so ein Mammutprojekt startet, muss daher eindeutig geklärt sein, wie das Gebäude zukünftig genutzt wird.

Doch genau darüber ist sich der Gemeinderat bisher nicht einig. Die CSU-Fraktion hatte in der Vergangenheit dafür plädiert, das Rathaus solle Gemeindeverwaltung bleiben. Bürgermeister Fath sähe lieber ein modernes Rathaus anderswo, würde die heutige Gemeindeverwaltung dann als Bürgerhaus nutzen.

Als Ausweg aus dem Dilemma kauft sich die Gemeinde jetzt Zeit. Mit einer überschaubaren Summe will man das Rathaus so ertüchtigen, dass es auf weitere zehn bis zwölf Jahre nutzbar bleibt. „Diese Maßnahmen geben uns Luft für ein Jahrzehnt“, erklärte der Bürgermeister. In dieser Frist soll eine Entscheidung getroffen werden über die Zukunft des Gebäudes.

Ein abgestimmtes Konzept an Sofortmaßnahmen stellte Architekt Ludwig Mittl den Gemeinderäten vor. Vorgesehen ist zunächst eine interne Neuorganisation von Räumen: Da der Sitzungssaal im Obergeschoss keinen Fluchtweg hat, zieht der Versammlungsraum ins aktuelle Bürgerbüro im Erdgeschoss. Die Servicezentrale des Rathauses wiederum bleibt wegen der Barrierefreiheit im Parterre, zieht in den vormals als „Mäuseburg“ zur Kinderbetreuung genutzten Raum. Im ehemaligen Sitzungssaal entstehen dann drei neue Büros.

Auch am maroden Dach muss dringend etwas gemacht werden. Die Biberschwanzziegel sind schadhaft, aber auch so schwer, dass die Statik des Dachs nur mehr für drei Jahre zugelassen ist. Architekt Mittl schlägt vor, die Dachziegel übergangsweise durch leichtere Betonplatten zu ersetzen, um den Dachstuhl zu entlasten.

Um den Brandschutzvorschriften zu genügen, müssen auch alle Innentüren erneuert oder ertüchtigt werden. Mittl hofft, dass sich die Originale aus der Bauzeit „aufrüsten“ lassen, zumal gerade die Türen dem Denkmalamt besonders am Herzen liegen. Insgesamt setzt das Konzept auf Maßnahmen, bei denen möglichst viel Baumaterial wiederverwendet wird. „So sparen wir Geld und Ressourcen“, betonte der Bürgermeister.

Tatsächlich bleiben die Kosten im Rahmen. Architekt Mittl kalkuliert mit 254 000 Euro, allein 100 000 Euro für den Austausch der Dacheindeckung. Weil aber nach der Maßnahme die Gerüste nicht mehr notwendig sind, spart die Gemeinde auf zehn Jahre 177 000 Euro. Mit diesem Betrag ist allein die Miete der Schutzgitter für diesen Zeitraum veranschlagt.

Allerdings: Noch ist das Konzept nicht in trockenen Tüchern. Denn natürlich ist das Amt für Denkmalschutz beteiligt. Eine „Vorhabensbeschreibung“ geht schriftlich an diese Behörde zur Prüfung. Das könnte einige Monate dauern, weiß Mittl. Immerhin: Einige unkritische Arbeiten, die keinen Einfluss auf den Denkmalschutz haben, laufen bereits. So wird in zwei Wochen bereits das Bürgeramt intern umziehen.

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