Hang, vorne Hecke
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Auf diesem hang soll der Solarpark entstehen

Freiflächen-Solaranlage wird im Petershausener Ortsteil Ziegelberg rundweg abgelehnt

„Es gibt erbitterten Widerstand“

  • Petra Schafflik
    VonPetra Schafflik
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Petershausen/Ziegelberg – Hinter den letzten Häusern von Ziegelberg steht neben dem Bolzplatz unter Bäumen die kleine Sankt-Josef-Kapelle. Der Blick geht den Hang hinunter über Felder und Wälder. Doch dort, wo jetzt noch Mais wächst, könnten schon 2022 Solarmodule glänzen. Auf einer Fläche von etwa 20 Hektar möchte das Unternehmen GP Joule eine Freiflächen-Solaranlage errichten.

Der Gemeinderat Petershausen hat im April einstimmig die Aufstellung eines Bebauungsplans für das Vorhaben beschlossen. Aber von den Anwohnern aus Ziegelberg kommt jetzt Protest gegen die Freiflächenanlage, die direkt an ihr Wohngebiet angrenzen soll. Nicht aus Prinzip, sondern weil sie den Standort schlicht für ungeeignet halten, wie Hans Schießl und Helmut Leyerer sagen.

Schießl und Leyerer koordinieren den Protest. So gut wie alle Anwohner in Ziegelberg seien gegen das Vorhaben. „Es gibt erbitterten Widerstand“, sagt Schießl.

Denn der Solarpark sei „aus ökologischen wie klimapolitischen Gründen abzulehnen.“ Ziegelberg liegt auf einem Hügel, umgeben von Ackerland und Wäldern. Die geplante Solaranlage soll dort auf einer Hangfläche entstehen, die bisher landwirtschaftlich genutzt wird. „Das ist bestes Ackerland“, sagt Hans Schießl. Bei Lebensmitteln werde mehr Regionalität gefordert, deshalb sollten auf guten Böden wie hier weiter heimische Nahrungs- oder Futtermittel erzeugt werden. „Solaranlagen können auf Feldern entstehen, wo nichts gedeiht, oder auf Brachland.“

So würden es sowohl das Bundesministerium wie auch das Bayerische Landesministerium für Ernährung und Landwirtschaft sehen. „Die Errichtung einer Photovoltaikanlage auf der Fläche widerspricht diesen Vorgaben.“

Auch um das künftige Kleinklima um ihr Wohngebiet sorgen sich die Anwohner. Bei sommerlich hohen Temperaturen werde die Luft über dem Solarpark eine Hitzeglocke bilden, die bei den üblichen Westwinden nur Richtung Ziegelberg wandern könne. Der Frischluftkorridor, der genau von Westen zwischen den Wäldern den Hang heraufläuft, wäre unterbrochen, Ziegelberg belastet.

Durch die Temperaturunterschiede könnten auch starke Winde und Böen entstehen, „mit der Gefahr von Windhosen ist zu rechnen“, sagt Helmut Leyerer. Schon jetzt wehe der Wind durch die besondere Lage oben am Hügel oft heftiger als in Petershausen selbst.

Mit dem geplanten Solarpark werde auch das natürliche Landschaftsbild zerstört. Eine dichte Hecke rund um die Freiflächenanlage ist zwar als Sichtschutz geplant. Aber wegen der Hanglage könnte die Bepflanzung gar nicht so hoch wachsen, dass die Anlage nicht doch weithin sichtbar bliebe. Gefürchtet wird von den Anwohnern deshalb auch die Blendwirkung der Solarmodule.

Helmut Leyerer (links) und Hans Schießl kämpfen gegen das Vorhaben

Was die Bürger noch ärgert: Als sie vor 25 Jahren ihre Häuser dort am Ortsrand errichtet haben, mussten sie für teures Geld den Boden abgraben, ihre Häuser tiefer ins Erdreich hineinbauen, damit die Wohnsiedlung von außerhalb möglichst unsichtbar bleibt. Das sei Auflage des Landratsamts gewesen, genau wie die Prämisse, dass westlich des Ortes nichts mehr gebaut werden darf. Auch diesen Vorgaben widerspreche jetzt der geplante Solarpark.

Ganz unabhängig vom Projekt kritisieren die Ziegelberger, dass sie erst aus der Zeitung vom geplanten Solarpark erfahren haben. Und zwar nachdem der Gemeinderat bereits den Beschluss gefasst hatte. Sauer sei man, besonders auf die drei Gemeinderäte aus dem Ort, die ihre Nachbarn nicht vorab einbezogen, sondern erst nach der Ratssitzung informiert hätten.

Die nächsten Schritte stehen für die Ziegelberger schon fest: Argumente und Fakten sind zusammengetragen, im Bebauungsplanverfahren, das wohl nach der Sommerpause weiter im Gemeinderat beraten wird, wollen die Bürger ihre Bedenken offiziell einbringen. Und wenn alles nichts hilft, so Schießl und Leyerer, „werden wir auch gerichtlich gegen das Projekt vorgehen.“

PETRA SCHAFFLIK

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