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Auf diesen Flächen nordöstlich des evangelischen Gemeindezentrums wird das Neubaugebiet Rosenstraße mit 250 Wohnungen und Gewerbeeinheiten entstehen.

Stellungnahme des Energieforums zu Neubaugebiet Rosensiedlung in Petershausen

Gegen Pellets, für Solarthermie

  • Petra Schafflik
    VonPetra Schafflik
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Petershausen – Katastrophale Waldbrände in verschiedenen Regionen der Welt, Hitzerekorde in Südeuropa, Überflutungen in Westdeutschland: Ereignisse der vergangenen Wochen, die konkret die Auswirkungen des Klimawandels vor Augen führen. Umso wichtiger, gerade Neubauprojekte wie die geplante Rosensiedlung in Petershausen so energiesparend und klimaschonend wie möglich zu konzipieren.

Das jedenfalls finden die fachkundigen Bürger, die im Energieforum Petershausen engagiert sind. Dieses Gremium ist 2013 im Zuge des Klimaleitbilds Petershausen gegründet worden, mit dem Ziel, die Gemeinde in Fragen von erneuerbaren Energien und Klimaschutz zu beraten.

Für die Rosensiedlung, die mit etwa 250 Wohnungen auf zentralen Flächen nordöstlich des evangelischen Gemeindezentrums entstehen wird, gibt es bereits einen Energienutzungsplan. Erstellt hat diese Studie das Institut für Energietechnik (IfE) der Technischen Hochschule Amberg/Weiden im Auftrag der Gemeinde. Im Frühjahr wurden die Ergebnisse im Gemeinderat präsentiert (wir berichteten). Doch den Mitstreitern des ehrenamtlich arbeitenden Energieforums geht dieses Konzept nicht weit genug, wie Sprecher Herwig Feichtinger im Gespräch mit den Dachauer Nachrichten erklärt.

Das Energieforum hat deshalb eine 16-seitige Stellungnahme erarbeitet. „Wir wollen, dass in der künftigen Rosensiedlung wirklich alle Optionen ausgeschöpft werden“, erklärt Feichtinger. Der Energienutzungsplan des IfE werde aber „den aktuellen Anforderungen nicht gerecht“. Die Stellungnahme des Energieforums, die Dieter Lange und Herwig Feichtinger aus einem längeren Abstimmungsprozess mit den fachkundigen Mitgliedern des Energieforums erarbeitet haben, ist ein umfangreiches, teilweise sehr konkret durchgerechnetes Konzept, das jetzt Bürgermeister Marcel Fath (FW) und die Fraktionen des Gemeinderats erhielten.

Da im Bauleitverfahren für die Rosensiedlung gerade die erste öffentliche Auslegung läuft, wurde das Konzept auch im Bauamt offiziell als Stellungnahme zum Planungsverfahren eingereicht. Die Prämisse des Energieforums ist eindeutig: Ein Neubaugebiet, das aus Gründen der Nachhaltigkeit mindestens 80 bis 100 Jahre lang lebenswerten Wohnraum bereitstellen sollte, muss die bestmögliche Ausstattung mitbekommen, um für eine klimatisch schwierige Zukunft gerüstet zu sein. Daher sollen alle Gebäude maximal energiesparend nach dem sogenannten KfW-40-plus Standard gebaut werden, so die Forderung.

Im vorliegenden Energienutzungsplan ist der weniger ambitionierte KfW-55-Standard hinterlegt. Der „bessere“ Standard, der am Ende zwei Drittel an Heizbedarf einsparen könnte, lasse sich dank hoher Fördermittel aber ohne große Mehrkosten erreichen, so Feichtinger.

Weiter plädiert das Energieforum dafür, auf Holzpellets als Energieträger zu verzichten, „das ist nicht mehr zeitgemäß“. Dafür schlagen die ehrenamtlichen Energieexperten die „kalte Nahwärme“ vor. Bei der Bauweise plädieren sie dafür, nicht nur die Wärmedämmung, sondern auch die Speicherfähigkeit des Baumaterials im Blick zu haben. Das Energieforum spricht sich deshalb gegen Holzbaubauten und für gedämmte Kalksandstein-Wände aus: „So kann man im Sommer auf eine Klimaanlage verzichten und spart im Winter Heizenergie.“

Die vom IfE vorgeschlagene Photovoltaik auf allen Dächern „ist gut, aber uns zu wenig“. Vorgeschlagen werden zusätzlich senkrecht an der Fassade montierte Solarthermie-Kollektoren, um für die Warmwassererzeugung „CO2-neutrale und kostenlose Energie“ zu nutzen. Die Stellungnahme des Energieforums soll nun ins Bebauungsplanverfahren einfließen. Doch viele Vorschläge – wie Photovoltaik, Solarthermie oder auch die Art der Heizung – lassen sich im Baurecht nicht regeln, das weiß auch Feichtinger. Da aber der Gemeinde in der künftigen Rosensiedlung rund ein Drittel der Flächen gehört, möchte das Energieforum den Gemeinderat überzeugen und für seine Vorschläge gewinnen. „Dann setzen wir auf eine Art Leiteffekt.“

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