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Petershausens Ortsmitte soll schöner und attraktiver werden durch mehr Grün und fußgängerfreundliche Wege. 

Gemeinderat billigt Planung

Teil zwei der Ortskernsanierung von Petershausen kann starten

Es war ein langer Weg, aber jetzt ist die Ortskernsanierung in trockenen Tüchern. Und dazu haben auch die Anlieger viele Vorschläge geliefert.

Die Ortsmitte soll attraktiver und grüner werden. Grünes Licht hat der Gemeinderat daher einstimmig für die Fortsetzung der Ortskernsanierung gegeben. Mit barrierefreien, durchgängigen Gehwegen und mehr Begrünung soll die Bahnhofstraße vom Beginn (ab Sparkasse) bis zum Kreisel in Zusammenarbeit mit der Städtebauförderung neu gestaltet werden.

Abschnitt eins wurde vom Bahnhof bis zum neu gebauten Kreisel vor Jahren realisiert. „Wir haben eine Weltreise hinter uns“, kommentierte Bürgermeister Marcel Fath (Freie Wähler) die Ortskernsanierung bei der jüngsten Gemeinderatssitzung. Schon 2015 bis 2016 hätten Vorgespräche mit den Anliegern zu einer möglichen Planung und Gestaltung der Ortskernsanierung stattgefunden. Ziel der Ortskernsanierung sei, die Bahnhofstraße mehr zu begrünen, die Gehwege barrierefrei direkt entlang der Häuser und Geschäfte und Parkplätze an der Straße anzulegen.

Die Anregungen und Bedenken seien an Gerhard Hajer von der „Planungsgruppe Strasser“ in Traunstein zur Erarbeitung möglicher Planungsvarianten weitergeleitet worden.

In einem Bürgerworkshop im Oktober 2016 sei aber die klare Rückmeldung von den Eigentümern gekommen, dass sie nicht zur Abtretung von Grundstücksflächen zur Umsetzung der Ortskernsanierung bereit seien. Ein großer Hinderungsgrund sei die damalige Straßenausbaubeitragssatzung gewesen. Danach hätten sich die Anlieger und die Hinterlieger an den Kosten beteiligen müssen. Da sich ein erheblicher Teil der Gehwege und auch ein Teil des Straßenraums in Privatbesitz befinden, sei die Mitwirkung der Eigentümer erforderlich, so Fath. Für eine Sanierung muss die Gemeinde über die Flächen dinglich gesichert verfügen können.

Bewegung kam erst nach der Abschaffung der Straßenausbaubeitragssatzung in die Verhandlungen mit den Eigentümern. Die Gespräche wurden Ende 2018 bis April 2019 wieder aufgenommen, erklärte der Bürgermeister. Die Bereitschaft, bei der Ortskernsanierung mitzuwirken, sei bei fast allen Anliegern deutlich gestiegen, da sie keine Kostenbeteiligung mehr befürchten müssen.

Die Vorplanungsvariante, bei der die Wünsche der Anlieger eingearbeitet wurden, hat Planer Hajer den Gemeinderäten jetzt vorgestellt. Danach wird die Problemzone bei der Apotheke, bei der der Gehweg für ältere Menschen mit Rollator oder Eltern mit Kinderwagen nicht geeignet ist, barrierefrei gestaltet. Die senkrechten Parkplätze werden bei der Apotheke in Längsparkplätze umgewandelt, wobei fünf Plätze wegfallen. Die Parkplätze von Blumengeschäft, Eisdiele und Bäckerei, wo Parkbuchten angelegt werden, bleiben. Nicht umgesetzt werden konnte das Konzept beim Anwesen Stampfl und beim Pub, da die Eigentümer nicht mitmachen. Dort fallen die jetzigen Parkmöglichkeiten weg.

Als Gehwegbelag werden wie bei den Gehwegen zum Bahnhof gut begehbare Betonpflastersteine verlegt. Die Fahrbahn wird asphaltiert. Begrünt werden soll die Bahnhofstraße mit Grünstreifen und Bäumen. Zu den wegfallenden Parkplätzen beim Stampfl-Anwesen meinte Wolfgang Stadler (SPD), dass die Geschäfte doch eine bestimmte Anzahl an Parkplätzen nachweisen müssten. Laut Fath sind die Nutzungen aber uralt und hätten somit Bestandschutz.

Dass die Fußgänger Priorität hätten und Bäume gepflanzt würden, die im Sommer gegen Hitze wichtig seien, findet Andrea Stang (FW) sehr positiv. Da jetzt schon zeitweise zu wenig Parkplätze vorhanden sind, sollte für die Mitarbeiter in den Büros und Geschäften eine neue Parklösung gefunden werden. Fath kann sich hier Langzeitparkmieten auf den P&R-Plätzen hinter dem Landhandel Braumiller vorstellen. In fünf Minuten seien von dort alle umliegenden Geschäfte zu erreichen. Im Gegenzug würden einige P&R- Plätze wegfallen.

Sorgen bereitet Josef Gerer (CSU) die geplante Fahrbahnverengung von 7,90 auf sechs Meter. Viele landwirtschaftliche Fahrzeuge und LKWs würden auf der Bahnhofstraße fahren. „Wie soll das funktionieren?“ Jetzt sei die acht Meter breite Straße bei beidseitigem Parken auch nur sechs Meter breit, erklärte der Planer. Zwei Busse oder LKWs kämen bei 5,90 Metern Breite langsam aneinander vorbei. „Wir wollen ja etwas für die Leute machen, die zu Fuß unterwegs sind“, so Hajer. Und Priorität sollte auch sein, das Areal attraktiver zu gestalten. Sorgen machen sich Ernst Nold (FW) und Gerer, dass die beengte Situation für Radfahrer zu gefährlich wird. Stang, die viel radelt, hielt ihre Erfahrung entgegen, dass die Radfahrer nicht auf beengten, sondern eher auf den breiteren Strecken wie in der Jetzendorfer Straße überholt werden. Günter Fuchs (CSU) regte an, dass für Radfahrer ein Streifen auf der Fahrbahn aufgezeichnet werden könnte.

Um den Schwerlastverkehr aus dem Zentrum zu bringen, müsse dringend die Umgehungsstraße gebaut werden, forderte Hildegard Weßner (CSU). Das sieht auch Bürgermeister Fath so: „In den nächsten drei Jahren müssen wir die Regierung und die Mitbürger so weit bringen, dass das Verfahren für die Umgehung in Gang gesetzt wird. Wir müssen die Ortsmitte lebenswert erhalten und es gemeinsam anpacken.“

Nach der sachlichen Diskussion einigten sich die Gemeinderäte darauf, die Planungsvariante mit den Geschäftsleuten zu besprechen und die Bürger zu beteiligen. Eine neue Vorplanung soll danach gemacht und vorgestellt werden. Die Ausschreibung der Maßnahme wird ab Herbst 2020 zur Realisierung ab 2021 angestrebt. Laut Planer betragen die Kosten 1,66 Millionen Euro, wobei 60 Prozent der zuschussfähigen Kosten von der Städtebauförderung beigesteuert werden. Hinzukommen noch die Kosten für die Sanierung der Straßenentwässerung und Wasserleitungen, die sich bei der Kamerabefahrung als desolat herausstellten.

Kein Handlungsbedarf besteht laut Marcel Fath beim Mischwasserkanalnetz, das erst vor einigen Jahren saniert wurde. Cornelia Hartmuth

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