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Vielen Widrigkeiten zum Trotz: Der Gesangverein Petershausen hatte Bestand, über Jahrzehnte hinweg.

Jubiläum

Männer, begeistert von edler Sangeskunst

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Als der Gesangverein Petershausen 1909 gegründet wird, erreicht der erste Mensch den Nordpol, der Ballsportverein Borussia Dortmund wird gegründet und Wilhelm II. ist deutscher Kaiser. Vieles hat sich seitdem verändert, und auch der Männerchor ist mit der Zeit gegangen.

Petershausen – Manfred Seemüller (62) gibt zu: „Ja klar, der Name Männergesangverein klingt ein bisschen altbacken.“ Seit über 30 Jahren singt er im Gesangverein Petershausen. Bis heute ist dieser ein Männerchor. 1909, also vor 110 Jahren, wurde er gegründet – daher der historische Name. Das Jubiläum wird in einigen Wochen gefeiert, mit einem großen Konzert in der Mehrzweckhalle Petershausen.

Mit 17 Petershausenern und dem Arzt Dr. Max Maier begann die Geschichte des Gesangvereins am 14. November 1909. Die Gründungsmitglieder teilten die „Begeisterung für die edle Sangeskunst“, steht in der Chronik des ältesten Kulturvereins in Petershausen. Schnell fanden sich 44 Mitglieder, und 1910 fand im Januar das erste Faschingskonzert statt.

Das zweite folgte im Frühjahr und war für den guten Zweck. In der Ankündigung stand: „Der Gesang-Verein Petershausen erlaubt sich hiermit Eurer Hochwohlgeboren zu seiner am 29. Mai abends um 7 Uhr in der Fuchs’schen Gastwirtschaft zu Petershausen stattfindenden musikalischen Unterhaltung zum Besten der neuerrichteten Kleinkinder-Bewahranstalt Petershausen freundlichst einzuladen.“ Damals wurde eine Art Kindergarten im Ort gebaut, und der Erlös aus dem Konzert floss in das Projekt.

In den Folgejahren etablierten sich im Gesangverein auch ein Frauenchor, gemischter Chor, Vereinskapelle und sogar eine Theatergruppe: „Aber der Männerchor war stets die tragende Säule“, und so solle es auch bleiben, sagt Manfred Seemüller, er ist seit 19 Jahren Vorsitzender: „Wir sind nicht frauenfeindlich“, aber in der Satzung steht, dass im Verein „sangesfreudige Männer“ zusammenkommen: „Außerdem haben fast alle Männerchöre im Landkreis aufgehört – das werden wir nicht.“

Denn der Verein habe immer wieder Herausforderungen gemeistert, etwa im Zweiten Weltkrieg: „Damals mussten viele von unseren Sängern als Soldaten in den Krieg.“ Das Vereinsleben stand ein paar Jahre fast still: „Aber einige Sänger haben in dieser Zeit noch auf Geburtstagen oder kleineren Feiern gesungen.“

1949 ergriff Josef Walter die Initiative und trommelte wieder einige Sänger zusammen, unter anderem Ernst Hermann und Ferdinand Kloiber, sie sangen bis ins hohe Alter im Männerchor, erinnert sich Seemüller: „Sie waren beide 1. Tenöre, also die Frauenschwärme, weil sie immer vorne dran standen.“ Der erste Aufritt des wiederbelebten Chores war bei der Einweihung der Kirchenglocken – ein Neubeginn.

In den Folgejahren war Konrad Geisenhofer ein Anker für die männlichen Sänger, Geisenhofer war über 33 Jahre lang von 1958 bis 1991 Chorleiter. Von ihm übernahm Alexander Amorth bis 2006 und anschließend Karl Kühbandner.

Heute dirigiert Konzertpianistin und Chorleiterin Anna Winkler-Nam – eine Südkoreanerin und eine Frau – die 22 Sänger. Sie sind zwischen 45 und 81 Jahren alt, der jüngste ist Marco Hübner, der älteste Josef Sellmair. Seemüller verrät: „Die Anna macht das wirklich gut mit uns. Da murrt keiner, wenn sie sagt: ,Versuch doch mal ein bisschen höher zu singen‘, sie macht das wahrscheinlich mit ihrem asiatischen Charme.“

Das Repertoire des Gesangvereins ist auch alles andere als altbacken und reicht vom bayerischen oder kärtnerischen Volkslied über Schubert, Schumann, Mozart und Schlagern bis zu lateinischen Messen und Gospel.

Chorprobe ist jeden Freitag in der Sportgaststätte Petershausen, dafür dankt Manfred Seemüller den Ehefrauen der Sänger, denn: „Es ist nicht selbstverständlich, dass Frauen am Freitagabend auf ihren Mann verzichten.“ Seine Gattin habe allerdings nichts gegen die Chorprobe, denn: „Da hat sie mal die alleinige Gewalt über die Fernbedienung.“

Oft muss sie auch länger auf Manfred Seemüller warten, denn: „Nach der Probe setzen wir uns noch zusammen und diskutieren zum Beispiel über die Kommunalpolitik oder soziale Probleme.“ Die eigene politische Einstellung spiele dabei keine Rolle, und es gibt ein ungeschriebenes Gesetz: „Was am Freitag vor Mitternacht geredet wird, ist am nächsten Tag wieder vergessen.“ Die Gemeinschaft ist ihnen wichtig, das zeigt auch die gemeinsame Vereinshymne „Fein sein, beieinander bleib’n“.

Das soll auch in Zukunft so bleiben, und Seemüller hofft auf neue „Sänger, Sänger, Sänger“, denn in der heutigen Zeit welche zu finden, sei gar nicht so leicht: „Das Problem ist, dass sich niemand mehr langfristig an einen Verein binden will.“ Doch er bleibt positiv und wünscht sich, „dass wir noch vielen Menschen mit unserem Programm einen schönen Abend bereiten können“.

Das Jubiläumskonzert beginnt am Samstag, 9. November, um 20 Uhr in der Mehrzweckhalle Petershausen. Mit dabei sind der Gesangverein, der Gemischte Chor, die Zwischentöne, das Kammerorchester Petershausen, und sogar der befreundete Männerchor Geinsheim aus Rheinland-Pfalz kommt zu Besuch. Karten für fünf Euro (Kinder bis 14 Jahre) und 8 Euro (Erwachsene) gibt es im Vorverkauf bei der Drogerie Hecht und im Kreativ Schreibhandel Petershausen sowie an der Abendkasse. Einlass ist bereits um 19 Uhr.

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