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Mit gesenktem Kopf hörte der Täter zu.

Mann ersticht Ex-Frau – Bub muss zusehen

München/Petershausen – Vor den Augen eines Siebenjährigen hat ein Kosovare (62) in Petershausen seine Ex-Frau erstochen. Seit gestern muss er sich vor dem Landgericht München II verantworten. Sein Verteidiger räumte für ihn die Tötung ein. Die Anklage lautet jedoch auf Mord.

Der Angeklagte hatte seiner Frau (43) immer wieder gedroht. Wenn sie sich jemals mit einem anderen Mann einlassen würde, müsste sie mit dem Schlimmsten rechnen. Die 43-Jährige setzte sich über seine Drohungen hinweg, ließ sich scheiden und heiratete einen anderen Kosovaren. Ihren Mut musste sie mit dem Leben bezahlen. Im Juli vergangenen Jahres lauerte der Angeklagte ihr im dunklen Hinterhof ihrer Wohnung auf. Die 43-Jährige kam gerade mit ihrem neuen Ehemann und dessen Sohn von einem Verwandtenbesuch aus Karlsfeld (Kreis Dachau) zurück. Das Kind, dessen Mutter an Krebs gestorben war, hatte glücklich seine Hand in die ihrige geschoben. Rundum zufrieden gingen die beiden zum Haus, während der Papa noch das Auto abstellte.

Plötzlich stand der Ex-Ehemann vor ihr. Er zückte ein Messer und holte aus. Die 43-Jährige riss sich von der Kinderhand los. Sie versuchte noch, dem Buben die Augen zuzuhalten, da stach der Täter zu. Mit einem Stöhnlaut sackte die Frau zusammen. Der Vater schrie nach dem Kind, währenddessen stach der 62-Jährige ein zweites Mal zu. Vater und Sohn flüchteten, den dritten Stich bekamen sie nicht mehr mit. Die Frau verblutete noch am Tatort. „Wir wollten ein neues Leben beginnen“, sagte der 41-Jährige mit monotoner Stimme. „Sie war sehr gut, sehr sanft zu meinem Sohn, er hing an ihr“, ließ er den Dolmetscher übersetzen.

Er hatte nie damit gerechnet, dass von dem 62-Jährigen irgendeine Gefahr ausgehen könnte. Seine Frau hatte ihm erzählt, dass ihr Ex-Mann 500 Kilometer weit entfernt wohnen würde – stattdessen lebte er weiterhin in Petershausen. Seine Frau hatte ihm auch erzählt, dass die Trennung wegen des unerfüllten Kinderwunsches erfolgt war. Dabei hatte der Angeklagte aus erster Ehe bereits fünf Kinder.

Von den Drohungen wusste der neue Ehemann der 43-Jährigen nichts. Mittlerweile aber lebt er in Angst und Schrecken vor der Familie des Angeklagten. Denn die liegt im heftigen Streit mit der Familie der Getöteten. Bis zum Urteil haben beide Clans eine Waffenruhe beschlossen. Das zumindest ging aus der Briefkontrolle des Angeklagten hervor. Doch was nach dem 22. März passiert – dann soll das Urteil fallen – vermochte gestern im Gericht niemand vorauszusagen. Der Witwer zumindest ließ über seine Anwältin die Entfernung des Angeklagten während seiner Vernehmung beantragen. Das Schwurgericht kam dieser Bitte nach.

Scheinbar emotionslos berichtete der Vater über die Attacke – so als wolle er die Bilder in seinem Kopf nicht mehr an sich heranlassen. Er hatte praktisch den gesamten Übergriff mit anschauen müssen. „Es dauerte nur Sekunden“, erinnerte er sich. Eingreifen konnte er nicht, weil er sein Kind in Sicherheit bringen musste. Sowohl der Kleine als auch er befinden sich seit dem Vorfall in Therapie. Beide leben in der Wohnung der Getöteten.

Die Verbindung der beiden frisch gebackenen Eheleute hatte die Schwester der Getöteten im Kosovo eingefädelt. Nach dem Krebstod seiner Frau machte sie den 41-Jährigen mit ihrer in Deutschland lebenden Schwester bekannt. Das Paar heiratete. Erst einen Tag vor der Tat war der Vater mit seinem Buben am Flughafen München gelandet. „Meine Frau erwartete uns“, erinnerte er sich. Am Tag darauf stand der erste Verwandtenbesuch beim Onkel der Frau an. Der Prozess wird heute fortgesetzt.

Angela Walser

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