Frau in einem Laden
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Keine frische Hefe mehr gibt es ab heute bei Irmgard Strobl. Sie schließt ihren Tante-Emma-Laden für immer.

Sie geht in den Ruhestand

Irmgard Strobl sperrt ihren Kramer Bauer für immer zu

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Wenn Irmgard Strobl morgen (31.12.) den Laden zu sperrt, dann ist der Kramer Bauer in Petershausen Geschichte. Denn mit dem Jahreswechsel hört sie auf.

Petershausen – Die Kunden reagieren unterschiedlich, erzählt Irmgard Strobl. Die einen bedauern, dass der kleine Tante-Emma-Laden zu macht, die meisten haben aber Verständnis. Besonders vermissen werden vielleicht die Schüler den Kramer Bauer. „Für die Kinder habe ich ja immer die gemischten Tüten gemacht“, erzählt Irmgard Strobl. Diese kleinen Wundertütchen, gefüllt mit gerade so vielen Cola-Fläschchen, Gummischlangen, weißen Mäusen oder sauren Gurken, wie es das Taschengeld der kleinen Kunden hergibt, die wird es in Zukunft im Ort wohl so individuell kaum noch geben.

Der Kramer Bauer hat in Petershausen eine lange, über hundertjährige Geschichte. Denn schon Irmgard Strobls Großmutter Maria betrieb ab 1906 ein kleines Geschäft an der Kirchstraße, allerdings noch in einem anderen Gebäude. Im Jahr darauf heiratete sie Gottfried Bauer, und noch im gleichen Jahr kam Sohn Gottfried junior zur Welt. In das jetzige Geschäftshaus an der Kirchstraße 18, das bis dahin Schule gewesen war, zog der Laden 1913 um. Damals wurde als neues, größeres Schulhaus das Gebäude errichtet, in dem heute die Gemeindeverwaltung ihren Sitz hat.

Das ursprüngliche, alte Schulhaus gegenüber der Kirche wurde von der Gemeinde versteigert. Maria und Gottfried Bauer haben mitgeboten und konnten das Gebäude erwerben. Sie eröffneten dort dann eine Schneiderei und einen Kolonialwarenladen, wie derartige Geschäfte hießen. „Selbstbedienung gab es da noch nicht, man wurde an der Ladentheke bedient“, berichtet Strobls Tochter Dagmar Schmid.

Auch die erste Tankstelle im Ort gab es beim Kramer Bauer, den 1954 dann Irmgards Eltern Therese und Gottfried Bauer übernahmen. Damit Kundschaft aus benachbarten Gemeindeteilen wie Sollern gleich nach dem Gottesdienst einkaufen konnten, wurde auch am Sonntag geöffnet. Und was Unverpacktläden heute wieder als modernen Trend anbieten, war damals gang und gäbe: Zucker, Mehl, Salz oder Essig wurde offen und in mitgebrachten Behältnissen verkauft. In diesem Geschäft ist Irmgard Strobl als Kind aufgewachsen, hat nach der Wirtschaftsschule dort gearbeitet und den Laden später übernommen.

Die Alteingesessenen blieben dem Tante-Emma-Laden lange treu, „aber junge Leute gehen nicht in ein kleines Geschäft, sondern in den Supermarkt“, sagt Irmgard Strobl. Auch wenn man auf der 56 Quadratmeter kleinen Ladenfläche alles gefunden hat, was das Herz begehrt. Von Kinderspielsachen über Damen- und Herrenunterwäsche auf Bestellung und in Übergröße, Stoffen und Nähzubehör bis zu Lebensmitteln wie Brot, Obst, Gemüse, Konserven, Getränken und Eis. Und das jeden Tag, eine Woche Urlaub im Jahr, mehr gab es nicht. „Um Viertel nach sechs Uhr früh sperre ich auf, nur am Mittwochnachmittag ist zu.“

Doch mit diesem streng getakteten Alltag einer Ladeninhaberin ist nun Schluss. Konkrete Pläne hat Irmgard Strobl noch nicht gemacht. Erst einmal wird sie in aller Ruhe das Geschäft ausräumen. „Wir lassen es langsam angehen.“ Ob und wie es mit den Geschäftsräumen weitergeht, dazu gibt es noch keine Pläne. Für ihre persönliche Zukunft möchte Strobl einfach genießen, dass sie jetzt gemeinsam mit ihrem Mann mehr Zeit hat. „Und auch einmal wegfahren, wenn es wieder geht.“

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