Ein Feldweg, auf der Seite ein Waldstück.
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Mitten im Forst: Der beantragte Kiesabbau sorgte für heftige Diskussionen.

Wichtiger Rohstoff

Bauausschuss Petershausen: Kiesgrube im Wald genehmigt

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Die Region wächst, Sand und Kies wird deshalb als Rohstoff gebraucht. Doch nicht überall, wo neue Kiesgruben erschlossen werden sollen, stößt das auf Akzeptanz.

Petershausen/Jetzendorf – Gegen ein Vorhaben zum Kiesabbau im Nachbarort Hohenkammer direkt an der Grenze zum Petershausener Ortsteil Weißling hat der Gemeinderat im vorigen Jahr klar Stellung bezogen. Hohe Staub- und Lärmbelastungen für die Anwohner wie auch steigende Verkehrszahlen im gesamten Ort gaben den Ausschlag für das Veto.

Nun lag dem Bauausschuss des Gemeinderats erneut ein Antrag vor. Diesmal für den Abbau von Kiessand in Petershausen. Auf einer Fläche von 10 900 Quadratmetern soll im Wald Richtung Jetzendorf der Abbau erfolgen, etwa zwei Kilometer nordwestlich vom Ort, mitten im Forst.

Auch bei diesem Projekt gibt es nun Für und Wider. Denn die Fläche war im Flächennutzungsplan Windkraft (FNP), den die Gemeinden des Landkreises einmal zusammen angestrebt haben, als Standort für ein Windrad vorgesehen. Weil dieser FNP jedoch 2016 eingestellt wurde, ist dies rechtlich heute ohne Bedeutung.

Auch die Verkehrsbelastung durch diese Kiesgrube erscheint überschaubar. Denn etwa 80 000 Kubikmeter Kiessand sollen über einen Zeitraum von zehn bis 15 Jahren abgebaut werden. Um diese Mengen abzutransportieren, ergeben sich maximal 8000 Hin- und Rückfahrten – über zehn Jahre gerechnet. „Das sind fünf bis zehn Lkw-Fahrten pro Tag, ein Teil Fahrzeuge wird nicht durch Petershausen, sondern Richtung Jetzendorf fahren, das ist kein Argument“, erläutert Bürgermeister Marcel Fath (FW).

Kritisch sieht der Bürgermeister mit seiner Verwaltung dagegen die Verkehrserschließung der Kiesgrube. Lkw müssten über einen Forstweg fahren, an einer schwer einsehbaren Einmündung in die Kreisstraße DAH 1 einbiegen. „Eine der gefährlichsten Stellen überhaupt, da passieren immer wieder Unfälle“, sagt Fath.

Doch genau wie die Umweltverträglichkeit des Vorhabens muss auch die Verkehrserschließung das Landratsamt als zuständige Behörde prüfen. Die Gemeinde kann auf diese neuralgischen Punkte nur aufmerksam machen.

SPD-Gemeinderat Wolfgang Stadler hat trotzdem mit Nein gestimmt, wie er erklärt. Wegen der gefährlichen Einmündung. Und auch wenn der FNP-Windkraft keine Rechtskraft erlangt hat, möchte Stadler das Areal freihalten „als Potenzialfläche für ein Windrad“. Die 10-H-Regelung, die mit dem Gebot großer Abstandsflächen aktuell Windkraftanlagen fast unmöglich macht in Bayern, „muss ja nicht ewig bleiben“.

Gegen die Kiesgrube hat sich im Bauausschuss auch Alexander Heisler (Grüne) ausgesprochen. Neben Verkehrsbelastung und gefährlicher Zufahrt stört den Grünen-Fraktionssprecher der massive Eingriff in die Natur, „das völlig falsche Signal“.

Anders die CSU, die „aus pragmatischen Gründen“ zugestimmt hat, wie Gemeinderat Josef Gerer erklärt. Wenn Sand und Kies in der Gemeinde gefördert werde, sei ein Transport von weiter entfernten Förderstätten nicht mehr nötig. „Dann spart das Kohlendioxid.“ Zudem werde die Kiesgrube mitten im Wald liegen. Anders als in Weißling, störe dort der Abbau die Bürger nicht.

Auch die Freien Wähler waren – mit Ausnahme von Andrea Stang – mehrheitlich für das Vorhaben. Unter anderem, weil der aktuell ökologisch wenig wertvolle Fichtenbestand nach dem Kiesabbau als Mischwald aufgeforstet werden soll, wie Karina Hechtl (FW) erklärt. „Wir bekommen mehr, als wir jetzt haben.“

Mit drei Gegenstimmen hat der Bauausschuss das Vorhaben schließlich gebilligt. Allerdings mit dem klaren Hinweis ans Landratsamt, die Verkehrserschließung zu prüfen. Denn die Gemeinderäte halten einen Ausbau der kaum einsehbaren und engen Einmündung in die Kreisstraße für zwingend notwendig.

ps

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