+
Der Schlüssel passt: Josef Gerer leitet den Freundeskreis, der die Restaurierung der 800 Jahre alten Frauenkirche begleitet.

Kollbacher Kirche wird restauriert

Frauenkirche soll geweihtes Gotteshaus bleiben

Die Frauenkirche in Kollbach soll weiter renoviert werden – und ein geweihtes Gotteshaus bleiben. Das war der einmütige Tenor bei einer Diskussionsveranstaltung.

Kollbach – Der Altar ist komplett mit Holz umhüllt. Auch in der Mitte des rund 800 Jahre alten Kirchenraumes steht ein großer Holzkasten, in dem ein Teil der denkmalgeschützten Ausstattung lagert. An den Wänden ist der Putz teilweise abgetragen. Momentan macht die Frauenkirche in Kollbach einen eher tristen Eindruck. Einzige Ausnahme ist der Turm, der bereits restauriert und mit einem Kupferdach versehen wurde. Direkt nach der Renovierung nannten es viele „das goldene Dach von Kollbach“, weil das neue Kupferblech in der Sonne glänzte. Mittlerweile ist es etwas oxidiert, aber der kleine Kirchturm ist schon am Ortseingang zu sehen.

Eigentlich wollte der Denkmalschutz, dass der Turm wie bisher mit Schindeln verkleidet wird, erzählt Josef Gerer. Er ist Vorsitzender des Freundeskreises, der sich für die Erhaltung der Kirche einsetzt. Aber im Archiv fanden sich rund 70 Jahre alte Fotos – und die zeigten den Turm mit Blechdach. Da mussten die Denkmalschützer ja sagen zum Kupfergehäuse.

Bereits in den 1970er Jahren ist die kleine Frauenkirche restauriert worden, allerdings nur unzureichend, wie Josef Gerer bemerkt. Vor gut einem Jahrzehnt war dann unübersehbar, dass die Kirche zunehmend verfiel. Die Grundmauern waren grün vor Schimmel, man konnte das Gebäude fast nur noch mit Atemmaske betreten.

Die Gemeinde Petershausen, der die Kirche gehört, ließ ein Gutachten für eine mögliche Restaurierung in Auftrag geben – und machte erstmal einen Rückzieher. „Wie das Gutachten gekommen ist, sind wir alle vor Schreck im Erdboden versunken“, erzählt Gerer. Rund 850 000 Euro sollten die Baumaßnahmen kosten – zu viel für die Gemeinde. Man einigte sich auf Arbeiten, die unbedingt nötig sind, und verteilte die dafür veranschlagten rund 250 000 Euro auf mehrere Jahre. Mittlerweile sind die Kosten bereits auf über 300 000 Euro gestiegen.

Und das Geld wurde dringend gebraucht: Es regnete durch die Decke, die Kirche war vom Holzbock befallen und die Fundamente waren durchfeuchtet. Mit einem Sand-Ton-Gemisch, das eigens aus Norddeutschland geliefert wurde, soll das Gemäuer künftig trocken bleiben.

Doch Josef Gerer und der Freundeskreis haben eine klare Forderung an die Gemeinde: Die Renovierungsarbeiten müssen weitergehen, sonst ist das Geld ihrer Meinung nach umsonst ausgegeben worden. Auch der Außenputz müsse jetzt zügig restauriert werden, ansonsten dringe wieder Feuchtigkeit ein.

Doch bevor weitere Gelder freigegeben werden, will Bürgermeister Marcel Fath erst die zukünftige Nutzung der Kirche geklärt wissen. Und da scheiden sich die Geister. Einige Mitglieder des Gemeinderats sprechen sich für eine Entweihung der Kirche aus, um auch anderweitige Nutzungen, beispielsweise Konzerte oder Lesungen, zu ermöglichen. Doch das ist offenbar gar nicht notwendig. Der Petershausener Pfarrer Peter Dietz hat bereits klargestellt, dass sich die Pfarrei durchaus vorstellen kann, das Gotteshaus beispielsweise für kulturelle Veranstaltungen zu öffnen. Wie Josef Gerer erklärte, wäre die Pfarrgemeinde auch bereit, dies in einem Vertrag schriftlich zu bestätigen.

Nicht nur deswegen stieß die Forderung nach einer Entweihung unter den Anwesenden auf deutlichen Widerstand. Eine solche baurechtliche Änderung muss das Landratsamt genehmigen, und die ist an Auflagen gebunden, beispielsweise Toiletten oder Parkplätze. Und für die sei rund um die Kirche kein Platz. Außerdem würde das Interesse an einer entweihten Kirche schnell abflauen, kritisierte Renate Berberich von der Geschichtswerkstatt Kollbach. Und dann, so ergänzte Josef Gerer, würde nichts mehr in der Kirche stattfinden. Die Entscheidung, ob eine Entweihung beim Ordinariat in München beantragt wird, liegt allerdings beim Gemeinderat. Und wie dort eine Abstimmung ausgehen könnte, ist unklar.

Doch vielen Bewohnern von Kollbach liegt ihre alte Frauenkirche am Herzen. „Ich bin ein gebürtiger Kollbacher, und für uns ist das ein Kleinod“, erzählt zum Beispiel Paul Fuß, der die Diskussion an diesem Abend verfolgt hat. „Die Kirche ist das Herzstück von Kollbach. Und man sollte nicht vergessen, dass sie der Muttergottes geweiht ist“, betonte auch Christine Rotbauer, die dem Pfarrgemeinderat angehört.   

Auch die beiden anwesenden Bürgermeisterkandidaten fanden deutliche Worte. „Für mich kommt eine Entweihung gar nicht in Frage“, versicherte Georg Franz Seitz, der für eine Bürgervereinigung ins Rennen geht. CSU-Kandidat Günter Fuchs nannte eine Entweihung sogar einen „Frevel“. Damit würde man dem Gebäude seinen Charakter nehmen. Und Ortschronistin Renate Berberich ergänzte, dass es gar nicht nötig sei, die Kirche zu entweihen. Schließlich sei der Pfarrer ja bereit, das Gebäude auch für andere Veranstaltungen zu öffnen. Eine weitere Besucherin brachte die allgemeine Stimmung auf den Punkt: „Viele Petershausenern ist gar nicht bewusst, um was es hier geht.“

og

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Es ging wahnsinnig schnell“: 21-Jähriger nach Volksfest-Besuch brutal attackiert
Christians Auge ist zugeschwollen, das Lid dunkelviolett verfärbt. Ein Abend, der feuchtfröhlich begonnen hatte, endete für den 21-Jährigen dramatisch.
„Es ging wahnsinnig schnell“: 21-Jähriger nach Volksfest-Besuch brutal attackiert
Dachauer Altstadt: Parfümerie Weinzierl renoviert Ladenräume komplett
Wenn Schwiegertochter und Schwiegermama zusammenarbeiten, dann kann es manchmal krachen. Bei Edith (27) und Claudia Hornung (57) war das bislang nicht so. Letztere führt …
Dachauer Altstadt: Parfümerie Weinzierl renoviert Ladenräume komplett
Dachauer „Chaoscityriders“ zurück vom Abenteuer ihres Lebens
Als „Chaoscityriders“ haben vier junge Dachauer an einer Charity-Rallye rund um die Ostsee teilgenommen. Dabei sammelten sie Spenden in Höhe von 31 157,30 Euro, die nun …
Dachauer „Chaoscityriders“ zurück vom Abenteuer ihres Lebens
Tennisspieler feiern Jubiläum zwei Tage lang
Die Tennisabteilung des TSV 1865 Dachau hat ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Unter anderem mit einem Empfang und einem Schleiferlturnier, das allerdings vom Pech …
Tennisspieler feiern Jubiläum zwei Tage lang

Kommentare