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Per Klick in den Kuhstall: Hofbesitzer Josef Kari aus Piflitz hat eine Web-Cam in seinem Stall installiert, um die Milchviehhaltung transparenter zu machen. Seine Nichte Christina (11) ist die Erste, die sich in den Kuhstall klickt.

"Haben nichts zu verstecken"

Live-Bilder: Milchbauer hängt Webcam in Kuhstall

Piflitz - Eine Webcam, die Live-Bilder ins Internet überträgt? Nichts Neues. Außer wenn sie in einem Kuhstall hängt. Der Stall des Bauern Kari aus Piflitz (Kreis Dachau) ist seit Montag online - um Milcherzeugung transparenter zu machen.

Lisa liegt am Boden und sonnt sich. Als es ihr zu heiß wird, steht sie auf, geht ein paar Meter und stellt sich zu Abkühlung unter die Dusche. Anschließend lässt Lisa sich massieren. Dass sie dabei gefilmt wird, stört sie nicht im geringsten. Lisa ist eine von rund 100 Kühen in einem modernen Stall in dem kleinen Örtchen Piflitz bei Petershausen (Landkreis Dachau). Und was in diesem Stall passiert, ist neuerdings online zu sehen. Denn eine Webcam filmt 24 Stunden am Tag und überträgt alles ins Internet. Bayernweit ein einmaliges Projekt.

„Wir haben nichts zu verstecken“, sagt Landwirt und Milchviehhalter Josef Kari, der den Blick in seinen Kuhstall gerne gewährt. „Es geht darum, realistische Bilder aus der Tierhaltung zu zeigen“, ergänzt der oberbayerische Bauernpräsident Anton Kreitmair, der beim Startschuss für die erste Kuhstall-Webcam Bayerns mit dabei war.

Josef Karis Betrieb ist ein modernes Unternehmen. Die Milchviehhaltung betreibt der 31-Jährige zusammen mit seinen Eltern Berta und Josef senior. Nachdem Josef Kari junior seinen Landwirtschaftstechniker absolviert hat, wollte er neue Wege gehen. Den bisherigen Betrieb mit knapp 35 Kühen stockte er auf und baute einen neuen, modernen Stall, der 2011 fertig wurde. „Beim Bauen ging es uns darum, dass es den Tieren so gut wie möglich geht“, sagt Josef Karis. Der Stall ist hell, luftig und geräumig und fast zehn Meter hoch. „Ich kann mich noch an Ställe aus den 1970er Jahren erinnern, die schwarze Wände, tiefe Decken und zu kleine Fenster hatten“, sagte Albert Füracker, der Vorsitzende des Agrarausschusses des Bayerischen Landtags. Dem Vorurteil, dass es sich heutzutage bei großen Betrieben und steigenden Tierzahlen um eine nicht artgerechte Haltung handelt, will der Bayernverband mit so einem Einblick in einen großen Stall entgegenwirken. Von „Tier-Komfort“ und einer „Premiumlösung“ spricht Kreitmair, wenn er in Karis Stall steht.

Hier geht es zur Kuhstall-Webcam

In der Tat scheint es den Tieren dort gut zu gehen. An einem heißen Tag wie gestern sind die Außenwände nach unten gefahren, so dass die Kühe den freien Blick nach draußen genießen. Die Temperatur ist deutlich niedriger als außerhalb des Stalles. Die Kühe können sich frei bewegen und haben Liegeboxen. In zwei Duschen, aus denen permanent fein das Wasser sprüht, können sich die Tiere abkühlen. Sie können 24 Stunden lang Futter-, Mais-, Grassilage und Stroh fressen. Im vollautomatischen Melkstand bekommen die Kühe zusätzlich Kraftfutter. Mehrmals am Tag gehen die Kühe selbstständig in den Melkstand. Für das Wohlbefinden der Tiere sind rotierende Massagebürsten im Stall montiert. Eine richtiger Wellnessbereich. Sechs Mal täglich reinigt ein so genannter Spaltenroboter den Stall.

„Die Bevölkerung hat den Bezug zur Landwirtschaft etwas verloren“, sagt Bezirkspräsident Kreitmair. Mit der Webcam soll jeder wieder die Möglichkeit bekommen, einen Blick in einen Kuhstall der heutigen Zeit werfen zu können. Es geht um mehr Transparenz. Lisa und ihre Artgenossen fühlen sich davon nicht gestört. Sie genießen weiter ihr Wellnessprogramm und lassen sich ganz nebenbei melken – wann immer es ihnen passt.

Übertragen werden die Bilder auf der Internetseite des bayerischen Bayernverbandes www.BayerischerBauernVerband.de/Dachau

Von Christian Chymyn

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