Ein Hauch von Open Air: Sängerin Samantha Schreiner trat bei der Demo auf.
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Ein Hauch von Open Air: Sängerin Samantha Schreiner trat bei der Demo auf.

Rund 40 Personen kamen

Demonstration: Jugendkultur und Jugendarbeit im Abseits?

Rund 40 Personen kamen am Freitagabend in Petershausen zu einer Demonstration zusammen. Sie haben sich für die Bedeutung von Jugendkultur und -arbeit eingesetzt.

  • Am Freitagabend kamen rund 40 Menschen in Petershausen zu einer Demonstration zusammen.
  • Sie setzten sich für die Bedeutung von Jugendkultur und Jugendarbeit während der Corona-Krise ein.
  • Zum Abschluss traten noch ein paar Live-Acts aus dem Landkreis auf. 

Petershausen – Kaum schwebten am frühen Freitagabend die ersten Gitarren-Klänge über die Wiese hinter dem Jugendzentrum Petershausen, kamen hinter schwarzen Wolken ein paar Sonnenstrahlen hervor. Ein passendes Symbol für eine ungewöhnliche Demonstration, zu der die Petershausener Jugendarbeiter eingeladen hatten, um Aufmerksamkeit zu schaffen – für die Bedeutung von Jugendkultur und Jugendarbeit gerade in Zeiten der Corona-Pandemie.

Einen stärkeren Fokus der Politik auf die Bedürfnisse der Jugend, mehr Möglichkeiten für Begegnung und kulturellen Aktivitäten, diese Forderungen unterstützten mit ihrer Präsenz an die 40 Teilnehmer aus allen Generationen, die sich vor der improvisierten Bühne am JUZ einfanden. Alle erlebten, diszipliniert auf Abstand, mit den Live-Acts von Sängerin Samantha Schreiner und den Gitarristen Ben Meyer und Christian Langer von der Vierkirchner Band Kandinsky zum Abschluss der politischen Kundgebung noch einen Hauch von Open-Air-Feeling.

Das „Sicherheitsteam“ musste nicht aktiv werden, alle Teilnehmer waren brav.

Petershausens Bürgermeister Marcel Fath unterstützt die Appelle der Jugend

Ein schöner Moment, der, so Gemeindejugendpfleger Olaf Schräder, auch Auftakt sein könnte für einen jugendkulturellen Sommer in Petershausen. Zu lange sind in der Corona-Pandemie die Interessen der Jugend unter den Tisch gefallen. „Die Politik diskutiert über Golfplätze, Gastronomie oder Schule, aber über eines fast gar nicht, über die Jugend“, kritisierte auch Bürgermeister Marcel Fath (FW), der die Appelle der Jugend unterstützt. Die Spuren seien konkret im Ort sichtbar. „Je mehr Müll an besonderen Hotspots, desto schlechter geht es unserer Jugend.“ Die jungen Leute bräuchten Gelegenheiten, „sich wieder zu begegnen, ganz legal und mit Abstand.“

Wenn jetzt kommende Woche die Jugendzentren wieder öffnen, sagt Fath: „Toll, was so eine kleine Demo in Petershausen bewirkt, noch bevor sie überhaupt stattgefunden hat. Aber ich hoffe, da geht noch viel mehr.“ Als Bürgermeister wolle er sich „dafür starkmachen“.

Konkrete Begegnung ist wichtig für die Entwicklung der Persönlichkeit

Wie essenziell die konkrete Begegnung für die Entwicklung der Persönlichkeit sind, legte Jugendarbeiter Felix Beckert dar. Nur in der direkten Interaktion erlernten junge Leute wichtige Fähigkeiten wie Empathie und Solidarität, erklärte der studierte Sozialwissenschaftler. Wie massiv die aktuellen Beschränkungen der Corona-Pandemie als Einschränkung der Lebensqualität gerade von jungen Menschen erlebt werden, belege auch eine Studie der Uni Erfurt. „Die physische Nähe zu vertrauten Menschen fehlt.“ Begegnungen, in denen Jugendliche ihre Kräfte messen, Konflikte austragen, ihre Meinung festigen und Grenzen austesten können, „werden ihnen komplett verwehrt.“ Die Jugend habe sich bisher solidarisch verhalten, sich an die Regeln gehalten. „Aber Kultur mit Maske und Abstand muss für alle möglich sein.“

Auch Olaf Schräder, stellvertretender Geschäftsführer im überkommunal aktiven Zweckverband Jugendarbeit und Gemeindejugendpfleger in Petershausen, betonte mit eindringlichen Worten die Bedeutung von Jugendarbeit. „Wir schaffen Erlebnisse, geben Denkanstöße, begleiten unterstützen und schaffen Sicherheit.“ Auch Schräder forderte, wieder echten Kontakt zu ermöglichen.

Grünen des Petershauser Gemeinderat kamen vollzählig zur Demo

Das findet auch Demo-Teilnehmer wie Kamal Abdo, der alleine lebt. „Seit zweieinhalb Monaten sitze ich zu Hause und kann niemanden treffen, die Jugendkultur fehlt.“

Die Grünen-Fraktion des Gemeinderats ist vollzählig erschienen. Jugendreferentin Susanne Strauß (Grüne) beklagt, „dass bis jetzt nur das Pflichtprogramm Schule im Blick ist, aber es gibt mehr als fachliche Bildung.“

Extra aus Hebertshausen ist der zwölfjährige Tobi Staub mit seiner Mutter Kathi zur Demo gekommen. „Weil ich die Idee gut finde, da die Jugend keine Lobby hat.“ Viel werde über die Öffnung der Kitas diskutiert und dass Kinder andere Kinder bräuchten, sagt Kathi Staub. Aber dass Jugendliche noch viel dringender Kontakte außerhalb der Familie bräuchten, davon höre man nichts. „Aber die Peergroup (Anm. d. Red: eine Gruppe mit großem Einfluss, der sich ein Individuum zugehörig fühlt/Quelle: Wikipedia) können Eltern nicht ersetzen.“

„Kultur braucht Jugend und Jugend braucht Kultur“

Einfach aus Solidarität sind Christa Jürgensonn und Herwig Feichtinger gekommen, beide im Ort in verschiedenen Projekten engagiert. „Kultur braucht Jugend und Jugend braucht Kultur“, sagt Jürgensonn.

Wie Jugendkultur in Zeiten von Corona aussehen könnte, dafür gab die Demo ein schönes Beispiel. Das „Sicherheitsteam“ in seinen witzigen Tierkostümen musste jedenfalls nicht einmal aktiv werden. So ähnlich könnten weitere Open-Air-Konzerte diesen Sommer ablaufen, hofft Jugendarbeiter Olaf Schräder. „Wir würden uns freuen, was auf die Beine zu stellen.“

Petra Schafflik

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