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So gut wie totgeritten: Über das Für und Wider eines fünften Landkreis-Gymnasiums in Petershausen diskutierten (v.l.) Wolfgang Stadler, Georg Franz Seitz, Sebastian Leiß, Alexandra Rosenberger und Christian Schlick. Die Moderation lag in den Händen von Bastian Brummer. 

Podiumsdiskussion in Petershausen

Wegen Standort-Streit um fünftes Landkreis-Gymnasium: Kritik an der Schulpolitik des Landrats

Eine Podiumsdiskussion zum geplanten fünften Gymnasium im Landkreis haben die Überparteiliche Bürgervereinigung Petershausen (ÜBP) und die Freien Wähler Dachau (FWD) im Petershausener Sportheim Olympia veranstaltet. Dabei gab es vor allem Kritik an Landrat Stefan Löwl.

Eigentlich ist das Thema fünftes Landkreisgymnasium so gut wie „totgeritten“. Hatte doch das Kultusministerium bereits die Genehmigung für den Standort Röhrmoos erteilt. Damit wischte es den Kreistagsbeschluss zugunsten von Bergkirchen wegen der dort nicht ausreichenden Schülerzahlen vom Tisch (wir berichteten ausführlich). Doch da ist bekanntlich auch noch der Vorschlag von SPD-Kreisrat und Petershausens zweitem Bürgermeister Wolfgang Stadler, der das fünfte Gymnasium in interkommunaler Zusammenarbeit landkreisübergreifend in Petershausen bauen lassen will. Sein Begehr, so Stadler, sei im Kreistag „auf der Basis falscher Zahlen“ abgelehnt worden. Nur die FWD hatte Stadlers Vorschlag aufgegriffen.

An der Podiumsdiskussion, die von FWD und ÜBP gemeinsam organisiert wurde, nahmen neben Stadler der Petershauser ÜBP-Bürgermeisterkandidat Georg Franz Seitz, FWD-Kreisrat Sebastian Leiß, Alexandra Rosenberger aus Petershausen sowie Christian Schlick aus Weichs, der am Gymnasium Olching lehrt, teil. Moderiert wurde der Abend von Journalist Bastian Brummer aus Weichs.

Sie alle waren sich eingangs einig, dass sich das Ministerium wohl vor der Kommunalwahl im März 2020 nicht mehr umstimmen lassen wird. Ferdinand Kloiber aus dem Publikum warf der Gemeinde Petershausen jedoch vor, diese habe eine viel zu schlechte Lobbyarbeit für ein fünftes Gymnasium in Zusammenarbeit mit den Landkreisen Pfaffenhofen an der Ilm und Freising betrieben. Dagegen wehrte sich Stadler vehement: „Wir haben alle Zahlen geliefert!“ Schützenhilfe bekam er von Andrea Stang, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler im Gemeinderat: „Bürgermeister Marcel Fath wurde von Landrat Stefan Löwl zurückgepfiffen, denn diese Verhandlungen seien nicht seine Sache.“ Laut Löwls Aussage im Kreistag seien die anderen Landräte nicht an einem gemeinsamen, interkommunalen Gymnasium interessiert.

Das ärgerte Seitz: „Jeder spricht von CO2-Einsparung und kurzen Wegen. Der Landkreis hat aktuell 155 000 Einwohner und wird in zehn Jahren 200 000 haben, denn er ist der momentan am stärksten wachsende Landkreis in Bayern, ja vielleicht in ganz Deutschland.“ Daher werde ein fünftes Gymnasium nicht ausreichen – und auch Pfaffenhofen brauche ein weiteres. „Warum nicht mit uns in Petershausen?“ In Fahrenzhausen und Gerolsbach bestehe genauso wie in Jetzendorf durchaus Interesse an kürzeren Wegen. Das gleiche gelte für Hohenkammer im Landkreis Freising.

Von ihrem „langen Schulweg von einer halben Stunde einfach nach Dachau“ berichtete Alexandra Rosenberger, die einst das Ignaz-Taschner-Gymnasium besucht hatte. Jetzt wohne sie woanders und genieße die 15 Minuten Weg zur Uni. „Das ist mehr Lebensqualität.“

Stadler schimpfte: „Der Kas is bissn. Das fünfte Gymnasium kommt nach Röhrmoos. Landräte sind Feudalherren und wollen keine Gastschulbeiträge zahlen.“ Gegen Petershausen habe man mit Einwohnerzahlen argumentiert, die angeblich 2035 niedriger als heute liegen sollen – und das bei neuen Baugebieten wie der Rosenstraße, so Stadler. Dabei lebten im Umkreis von bis zu zehn Kilometern um Petershausen 30 000 Menschen. Und: Während woanders nicht einmal ein Grundstück für die neue Schule existiere, behauptete Stadler, hätte man in Petershausen in fußläufiger Entfernung vom Verkehrsknoten Bahnhof eines gehabt.

Sebastian Leiß warf Landrat Löwl vor, bei der Entscheidung unnötigen Zeitdruck aufgebaut zu haben. „Da wird immer von interkommunaler Zusammenarbeit gesprochen, aber wenn’s konkret wird, wird doch wieder nur Kirchturmpolitik betrieben.“

Gymnasiallehrer Schlick teilte mit, dass die Schülerzahlen an seiner Schule zurückgegangen seien, als im rund 15 Kilometer entfernten Freiham ein neues Gymnasium entstanden sei. Überhaupt sei das Budget seiner Schule gekürzt worden.

FWD-Kreis- und Stadtrat Dr. Edgar Forster, der im Publikum saß, meinte, die Landräte aus Freising und Pfaffenhofen an der Ilm sähen dem Ende ihrer Amtszeit entgegen. Deshalb würden sie sich in der Frage einer interkommunalen Zusammenarbeit mit Dachau für ein Gymnasium in Petershausen nicht festlegen wollen.

Sollte in Petershausen kein Gymnasium gebaut werden, so Leiß, dann solle man vielleicht auch an eine Fach- oder Berufsoberschule im Ort denken. Reinhard-Dietmar Sponder

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