Frauenleichen in Petershausen

Ist der Wetterexperte ein Doppelmörder? „Er war mir ein bisschen unheimlich“

In der Nachbarschaft galt er als „ruhige Erscheinung“, als „unauffällig“ und eher „in sich gekehrt“. Jahrelang hatte Thomas M. (53, Name geändert) als Meteorologe gearbeitet.

Update 14.45 Uhr: Wetterexperte sitzt in Stadelheim in U-Haft

Wie die Redaktion der Dachauer Nachrichten recherchieren konnte, sitzt der Tatverdächtige nun in der Justizvollzugsanstalt Stadelheim in U-Haft. Er wird nun von einem Rechtsanwalt betreut und verweigert jede Aussage zu dem Fall. Von der Polizei hieß es, dass nun die akribische Ermittlungsarbeit beginne. 

Der Fall mit dem Wetterexperten erinnert an weitere erschütternde Schlagzeilen über bekannte Meteorologen. Im Jahr 2015 nahm sich der Wetterexperte Ben Wettervogel (ZDF-Morgenmagazin) mit nur 53 Jahren das Leben. Der bekannteste Wetterexperte des deutschen Fernsehens, Jörg Kachelmann, lieferte sich einen jahrelangen Prozess-Marathon gegen seine Ex-Geliebte, die Bild-Zeitung und Alice Schwarzer. Der Tatverdächtige im Petershausen Fall soll unter anderem für eine große bayerische Zeitung sowie im TV und Hörfunk gearbeitet haben. 

Update 12.25 Uhr: Der Tatverdächtige schweigt weiter

Petershausen - Der 53-jährige Mann, der nach dem Mord an zwei Frauen in Petershausen in Untersuchungshaft sitzt, hat sich noch nicht zu den Vorwürfen geäußert. Der Tatverdächtige schweige weiterhin, sagte ein Polizeisprecher am Mittwoch berichtet die dpa. Am Vortag hatte ein Ermittlungsrichter U-Haft gegen den Mann angeordnet.

Er arbeitete als Wetterexperte für Hörfunk und Fernsehen

In der Nachbarschaft galt er als „ruhige Erscheinung“, als „unauffällig“ und eher „in sich gekehrt“. Jahrelang hatte Thomas M. (53, Name geändert) als Meteorologe gearbeitet.

Laut eigenen Angaben lieferte er früher sogar Wettergutachten für Funk und Fernsehen. Doch nun gilt der Mann aus Petershausen auch als Täter in einem Gewaltverbrechen. Thomas M. wurde wegen der Tötung zweier Frauen aus Dachau (beide 40) festgenommen. Die Staatsanwaltschaft München II stellte Haftantrag wegen zweifachen Mordes. Die Opfer waren in der Wohnung des Mannes gefunden worden.

Irgendwann geriet das Leben von Thomas M. aus den Fugen. Er wurde psychisch krank. Depressiv. Um seine Depression zu besiegen, besuchte er seit Längerem die sozialpsychiatrische Tagesstätte der Dachauer Caritas. Handwerkliche Projekte sollten seinem Tag Struktur und ihm ein sicheres soziales Umfeld verschaffen.

Wohnung kam „als mögliche Kontaktadresse“ infrage

Teil dieses Umfelds waren wohl auch die zwei 40-jährigen Dachauer­innen. Die Frauen, die nicht miteinander verwandt waren, wurden am Samstag von der Mutter einer der beiden in München als vermisst gemeldet. Die Wohnung von Thomas M. kam in den Ermittlungen laut Polizei „als eine mögliche Kontaktadresse“ infrage.

Beim Öffnen der Wohnung machten die Beamten am Montagnachmittag die grausige Entdeckung: Die beiden Dachauerinnen waren tot, sie wurden offenbar ermordet. Laut Peter Grießer, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord in Ingolstadt, ergab die Obduktion der Leichen „unter anderem eine Gewalteinwirkung gegen den Hals“.

Der Verdächtige, der noch in der Wohnung festgenommen worden war, schweigt zu den Tatvorwürfen. Zu Motiv oder Ablauf des Verbrechens wollte die Polizei zunächst nichts sagen. Fest steht, dass der Fundort der Opfer auch Tatort war. Und: Die beiden Dachauer­innen starben wohl am Wochenende.

„Manchmal war er mir ein bisschen unheimlich“

Die Spurensicherung war noch bis Dienstag-Nachmittag vor Ort in der kleinen Wohnung gegenüber des Petershausener S-Bahnhofs. Das Mehrfamilienhaus gehört der Kongregation der Franziskanerinnen von Schönbrunn, die im Kreis Dachau zahlreiche Einrichtungen und Wohngruppen für Behinderte betreibt. Laut einer Sprecherin waren die Wohnungen in M.’s Wohnhaus nicht von Patienten belegt, sondern waren „normal vermietet“.

Ob Thomas M. in Untersuchungshaft genommen oder in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird, stand Dienstag-Nachmittag noch nicht fest. Eine Mitarbeiterin der Caritas-Tagesstätte, die M. besuchte, sagte den Dachauer Nachrichten: „Manchmal war er mir ein bisschen unheimlich.“ Oft sei schon eine Stunde Arbeit zu viel für ihn gewesen. Einen Mord aber habe dem Mann keiner der Kollegen zugetraut. 

gm/mas/zip/Weg/mag

Rubriklistenbild: © Jacob Mell/red

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