Dritte Bürgermeisterin: Marcel Fath bei der Vereidigung von Hilde Weßner (CSU).

Petershausener Bürgermeister wirbt bei konstituierender Sitzung um Zusammenhalt

„Schwamm drüber, wir haben schwierige Zeiten vor uns!“

Es bleibt spannend im Petershausener Gemeinderat. Denn auch bei der konstituierenden Sitzung des Gremiums kam es zu kontroversen Diskussionen

Petershausen – Auch zur konstituierenden Sitzung trat der Gemeinderat Petershausen jetzt am Donnerstag nicht im Sitzungssaal, sondern in der Schulturnhalle zusammen. Extra große Tische standen dort im Halbrund für ausreichend Abstand. Da die Kommunalpolitiker, darunter sieben Neulinge, sich frei platzieren konnten, saßen nicht alle Fraktionen zusammen. Eine Sitzordnung, die recht gut spiegelt, dass dieser Gemeinderat mit den jetzt sechs, statt bisher drei Parteien seinen Arbeitsmodus noch finden muss.

Bürgermeister Marcel Fath (FW), der bei der Stichwahl mit großer Mehrheit im Amt bestätigt worden ist, bot allen nach vielen Kontroversen in der vorigen Amtsperiode und hitzigem Wahlkampf jetzt einen Neustart an. „Schwamm drüber, wir haben schwierige Zeiten vor uns. Lassen Sie uns vertrauensvoll zusammenarbeiten. Das ist meine Bitte und mein Angebot.“

Ob der Appell des Rathauschefs angekommen ist, wird sich zeigen. Im Vorfeld der Sitzung war aber offenbar von Konsens und Miteinander noch wenig zu spüren. In den beiden vorbereitenden Treffen konnten sich die Fraktionen in einigen Fragen nicht einigen, wie Fath berichtete.

Und um fast jeden Posten bewarben sich in der Sitzung mehrere Kandidaten. Gleich zu Beginn sorgten bei der Wahl zum zweiten Bürgermeister die vorbereiteten Stimmzettel für Debatten. Auf den Papieren waren alle Ratsmitglieder aufgelistet, „aber ich stelle mich gar nicht zur Wahl“, monierte Gerhard Weber (CSU). Schließlich wurden die Zettel doch akzeptiert.

Als CSU-Bewerberin wurde Hildegard Weßner (CSU) vorgeschlagen, die „das notwendige Gespür und die Nähe für unsere Mitbürger“ mitbringe, so Fraktionssprecher Günter Fuchs. Auch Wolfgang Stadler (SPD), der den Stellvertreterposten bereits seit 24 Jahren ausübt, trat wieder an. Er verfüge über „langjährige Erfahrung und Kenntnisse aller Gemeindebelange“, sagte Bernhard Franke (SPD).

Vor sechs Jahren war Stadler ebenfalls gegen einen CSU-Kandidaten angetreten, damals war es Josef Gerer (CSU). Diesmal benannten die Grünen mit Lydia Thiel eine weitere Bewerberin. Aber Stadler erhielt sofort mit elf Stimmen eine wenn auch knappe Mehrheit im zwanzigköpfigen Gremium und bleibt so zweiter Bürgermeister.

Die unterlegenen Bewerberinnen kandidierten ums Amt des dritten Bürgermeisters. Hier schickten die Freien Wähler noch Margarete Scherbaum ins Rennen. Da Scherbaum und Weßner zunächst je neun Stimmen erhielten, war eine Stichwahl nötig. Doch dieses Amt bleibt bei der CSU: Hilde Weßner erhielt elf Stimmen und ist nun dritte Bürgermeisterin.

Kontroverse Ansichten spiegelten sich in weiteren Beschlüssen. Nur mit knapper Mehrheit gegen CSU, Grünen und Überparteilicher Bürgergemeinschaft (ÜBP) passierte die Satzung zur Regelung von Fragen des örtlichen Gemeindeverfassungsrechts. Umstritten war laut Bürgermeister die Zahl der Sitze in den großen Ausschüssen wie etwa dem Bauausschuss, die nun auf Vorschlag der Verwaltung bei acht bleibt. CSU und Grüne hatten sich zehn gewünscht.

Mehrheitlich genehmigt wurde die neue Geschäftsordnung, aber auch gegen dieses Regelwerk stimmten sechs Gemeinderäte, darunter die CSU-Fraktion.

Uneins waren sich die Räte zudem in der Frage, ob und wie ein Ferienausschuss eingerichtet werden soll, den es in Petershausen bisher nicht gibt. Unerwartete Bedeutung hat so ein Gremium aktuell in der Corona-Pandemie, weil – auch auf Anraten der Staatsregierung – vielerorts in den vergangenen Wochen Ferienausschüsse statt der vollständigen Gremien tagten. Doch den Vorschlag der Verwaltung, so ein Gremium zu installieren und den Haupt- und Finanzausschuss mit dieser Aufgabe zu betrauen, lehnte eine Mehrheit ab. Einen Ferienausschuss begrüße er, aber als eigenes Gremium, erklärte Gerhard Weber (CSU). Darüber wird der Gemeinderat demnächst beraten.

Dagegen bleiben die bisherigen Fachausschüsse bestehen, im jeweils achtköpfigen Bau-, Werk- und Hauptausschuss erhalten auf Basis der Wahlergebnisse Freie Wähler drei, CSU zwei, Grüne, SPD und die neue Ausschussgemeinschaft von FDP und ÜBP je einen Sitz.

Nachdem ursprüngliche Pläne von Martin Seemüller (ÜBP), sich der CSU-Fraktion anzuschließen, für Unmut gesorgt hatten, ist die jetzt beschlossene Zusammenarbeit von Jürgen Junghans (FDP) und Martin Seemüller (ÜBP) in einer Ausschussgemeinschaft kein Thema.

Als dann nach einem dreistündigen Abstimmunngsmarathon alle Gemeinderatsposten neu besetzt waren (siehe auch Kasten), präsentierte Bürgermeister Marcel Fath (FW) den Gemeinderäten kleine Proviant-Tüten mit fair gehandelten Produkten. „Als Stärkung nach langen Sitzungen.“ Petra Schafflik

Jugendreferenten: Susanne Strauß (Grüne), Martin Seemüller (ÜBP); Umwelt- und Energiereferent: Ernst Nold (FW); Seniorenbeauftragte: Andrea Stang (FW).

Haupt- und Finanzausschuss: Günter Fuchs (CSU), Gerhard Weber (CSU), Susanne Strauß (Grüne), Stefan Fischer, Hans Scherer, Margarete Scherbaum (alle FW), Bernhard Franke (SPD), Martin Seemüller (ÜBP).

Bau- und Umweltausschuss: Stefan Ebner (CSU), Josef Gerer (CSU), Karina Hechtl (FW), Ernst Nold (FW), Andrea Stang (FW), Alexander Heisler (Grüne), Wolfgang Stadler (SPD), Martin Seemüller (ÜBP).

Werkausschuss: Michael Schwappacher (CSU), Hilde Weßner (CSU), Alexander Heisler (Grüne), Stefan Fischer (FW), Hans Scherer (FW), Margarete Scherbaum (FW), Iris Kirchfeld (SPD), Jürgen Junghans (FDP).

Rechnungsprüfungsausschuss: Günter Fuchs (CSU, Vorsitzender), Hilde Weßner (CSU), Lydia Thiel (Grüne), Karina Hechtl (FW), Hans Scherer (FW), Bernhard Franke (SPD), Jürgen Junghans (FDP);

Sozialausschuss (6): Günter Fuchs (CSU), Michael Schwappacher (CSU), Susanne Strauß (Grüne), Stefan Fischer (FW), Margarete Scherbaum (FW), Iris Kirchfeld (SPD).

Kommunalunternehmen: Josef Gerer (CSU), Ernst Nold (FW), Andrea Stang (FW), Wolfgang Stadler (SPD), externe Experten: Hubert Doetsch, Martin Streibl, Florian Meidinger, Jörg Wunsch.

Verbandsrat im Zweckverband Grund- und Mittelschule Markt Indersdorf: Marcel Fath (FW, Bürgermeister, Gerhard Weber (CSU).

Bürgerstiftung: Josef Gerer (CSU), Bernhard Franke (SPD), Margarete Scherbaum (FW).

Volkshochschule: Karina Hechtl (FW).

Agenda-21-Gruppe: Alexander Heisler (Grüne), Andrea Stang (FW), Iris Kirchfeld (SPD).

ps

PETRA SCHAFFLIK

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