Vorsicht Glatteis! Die Zugänge zu den Bahnhöfen im Landkreis sind gefährlich. foto: kn „Ein Subunternehmen kümmert sich um die Bahnhöfe. Es ist verpflichtet, die Reinigung der Bahnhöfe nachzuweisen.“Eine Bahnsprecherin

Schwerer Unfall an vereistem S-Bahnhof

„Das ist allgemeines Lebensrisiko“

Nicht nur am Vierkirchner Bahnhof stellen die vereisten Treppen (wir berichteten) eine Gefahr dar. In Petershausen stürzte am vergangenen Montag ein 54-Jähriger und zog sich schwere Verletzungen zu.

Petershausen – Der Pipinsrieder Wolfgang Henkel pendelt jeden Morgen mit der S-Bahn von Petershausen nach München. Auch am vergangenen Montagmorgen stieg er um 7.30 Uhr die Treppen zur Unterführung hinab, um zum Gleis zu gelangen. Besser gesagt, musste er sich aufgrund der vereisten Stufen am Geländer hinunterhangeln: „Ich hab die Gefahr sofort erkannt. Auf den ersten Stufen konnte ich sie auch noch einigermaßen bannen“, erinnert er sich. Auf der letzten Treppe aber passierte es dann: Durch eine Eisplatte, die durch eine dünne Schneedecke nicht zu erkennen gewesen sei, stürzte der Angestellte und zog sich einen Arm- sowie Beinbruch zu. Zu allem Übel riss er sich auch noch sämtliche Bänder im Sprunggelenk. Hilfe eilte sofort herbei.

Einer nachfolgenden Frau erging es ähnlich. Für sie endete es aber glimpflicher. „Die Frau stürzte, rappelte sich aber sofort wieder auf und konnte weitergehen“, schildert Henkel. Die „fünf Zentimeter an gefrorenem Matsch“, wie der Pendler den Bodenbelag beschreibt, stoßen bei ihm auf absolutes Unverständnis. Vor allem deshalb, weil das ganze Wochenende Zeit zum Schnee- und Eisräumen gewesen wäre. Der 54-Jährige besinnt sich: „Früher habe ich öfter Arbeiter angetroffen. In der letzten Zeit allerdings kaum mehr.“

Warum ein so stark frequentierter Bahnhof, wie der Petershausener, den auch viele Pendler aus dem Pfaffenhofener Landkreis nutzen, nicht eisfrei gemacht wird, wollten wir von der Deutschen Bahn wissen. Man müsse nochmals nachfragen, woran es am besagten Wochentag gelegen habe, so die Antwort einer Sprecherin. Und: „Alle Bahnhöfe werden Schritt für Schritt abgearbeitet.“ Auch Fragen, ob mögliche Personaleinsparungen an den gefährlichen Verhältnissen der Bahnhöfe Schuld seien beziehungsweise andere Bahnhöfe in Sachen Räumung eine höhere Priorität genießen würden, verneinte die Sprecherin. Überhaupt sei die Bahn nicht direkt zuständig für die Zustände: „Ein Subunternehmen kümmert sich um die Bahnhöfe. Das beauftragte Unternehmen führt Protokoll und ist verpflichtet, die ordnungsgemäße Räumung aller Bahnhöfe nachzuweisen.“ Angesprochen auf den folgenschweren Sturz des Mannes und ob er entschädigt werde, wies die DB-Vertreterin wortkarg auf die Versicherung des Bahn-Reisenden, aber auch auf das „allgemeine Lebensrisiko“ hin, das in solch einer Situation vorläge.

Wolfgang Henkel will das so nicht stehen lassen und kündigt schon jetzt rechtliche Schritte gegen die Bahn an. Allein um seine Person selbst gehe es ihm dabei allerdings nicht. Bezwecken will er damit vor allem auch eine Besserung der Räumarbeiten an den Bahnhöfen, um andere Fahrgäste und Pendler vor seinem Schicksal zu bewahren und deren „allgemeines Lebensrisiko“ auf dem Weg zur Arbeit zu verringern.

Manfred Sedlbauer

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