Ein Mann geht in einem Pflegeheim
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In einem Altenheim. (Symbolbild)

Erst eine Angehörige stoppt den Terror

Sexueller Missbrauch im Altenheim: Mann (78) vergewaltigt mehrere Mitbewohnerinnen

  • Angela Walser
    vonAngela Walser
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Ein 78-jähriger Mann hat in einem Altenheim mehrere Mitbewohnerinnen monatelang missbraucht und vergewaltigt. Erst die Angehörige eines Opfers brachte den Fall zu Tage.

Petershausen – Sexuelle Gewalt in Altenheimen ist ein Tabuthema. Was in den Jahren 2019 und 2020 in einer Pflegeeinrichtung eines Hauses in Petershausen durch einen dementen Mitbewohner (78) geschah, ließ sich nicht totschweigen. Drei betagte Frauen im Alter von 68, 71 und 81 Jahren wurden monatelang von ihm sexuell missbraucht. Gestern begann der Prozess gegen den 78-Jährigen – allerdings ohne ihn. Der Mann ist laut Gutachter verhandlungsunfähig.

Vergewaltigung im Altenheim: Mann (78) missbraucht Mitbewohnerinnen

Die Antragsschrift gegen den Rentner listet 27 Fälle auf. Demnach waren ihm die drei Frauen in ihren Zimmern, im Wohnzimmer aber auch auf dem Gang zum Opfer gefallen. Sie konnten sich nicht gegen ihn zur Wehr setzen, einige konnten noch nicht einmal mehr um Hilfe rufen. Eine der Frauen, die zur Fortbewegung auf einen Rollator angewiesen war, wurde viermal vergewaltigt. Eine Angehörige hatte schließlich Strafanzeige gestellt.

Prozess wegen Missbrauch im Altenheim: Angehörige eines Opfers erstattete Anzeige

Die Pflegekräfte hatten, so die Aussage, den 78-Jährigen bewusst stets im Blick, doch bei einem Personalschlüssel von drei Pflegekräften auf rund 30 Patienten konnten die Mitarbeiter den Mann nicht rund um die Uhr im Auge behalten. Nach dem Bekanntwerden der Vorfälle war in dem Heim zwar ermittelt worden, doch laut Staatsanwaltschaft traf die Mitarbeiter keine Schuld. Als der 78-Jährige in ein psychiatrisches Krankenhaus eingeliefert wurde, legten sich die sexuellen Übergriffe schlagartig, obwohl dort auch Frauen untergebracht waren. „Er war wohl auf drei, vier Bewohnerinnen fixiert“, vermutete der ehemalige Betreuer des Mannes.

Bis die sexuellen Übergriffe losgingen, war sein Mandant der „nette alte Mann“ gewesen. Er sei lange verhaltensunauffällig geblieben. Seiner sexuellen Affinität waren die Pflegekräfte mit Pornoheften am Abend begegnet. Dann aber begann der Mann die Kleidung anderer Mitbewohner zu zerstören. Er urinierte und hinterließ seinen Stuhlgang, wo immer ihm danach war und er ejakulierte auch auf die Wäsche anderer. Schließlich sei er auch aggressiv geworden. Eines Nachts entdeckte ihn eine Pflegerin mit verschiedenen Küchenmessern und einer Schere unter der Decke. Der traurige Höhepunkt waren dann die sexuellen Übergriffe. Neben seiner Demenz wurde bei dem 78-Jährigen auch schizophrene Persönlichkeitsveränderung diagnostiziert. Aufgrund dessen gilt es als unwahrscheinlich, dass der Mann das Unrecht seiner Taten verstehen könne. Die Staatsanwaltschaft sieht deshalb von einer Gefängnisstrafe ab und frodert, den Mann auf unbestimmte Zeit in einem psychiatrischen Krankenhaus unterzubringen. Der Prozess dauert an.

Einen ähnlichen Skandal gab es zuletzt in einem Pflegeheim am Schliersee. Ein Bewohner der dortigen Seniorenresidenz soll eine Mitbewohnerin vergewaltigt und schwer verletzt haben. Die Frau starb. Ob ihre Verletzungen daran Schuld sind, ist offen.

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