junger Mann mit Hut
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Jugendpfleger Olaf Schräder ist viel im Ort unterwegs, um in Kontakt zu bleiben mit den Jugendlichen

Unterwegs mit Olaf Schräder – Jugendarbeit in Petershausen während der Pandemie

„Soziale Arbeit lebt vom direkten Kontakt“

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Petershausen – Die Lampen sind demontiert, jede Kante ist mit Malerkrepp säuberlich abgeklebt, Farbeimer und Pinsel stehen bereit. Wie ein Stillleben wirkt derzeit das Petershausener Jugendzentrum (Juz). Die für die Wintermonate geplanten Renovierungsarbeiten, die Gemeindejugendpfleger Olaf Schräder mit den jungen Leuten gemeinsam durchführen wollte, sind mitten in den Vorbereitungen vom Lockdown gestoppt worden. Seitdem ist das Juz nun geschlossen. Wer trotzdem erfahren möchte, wie es den Jugendlichen geht, kann Olaf Schräder zu Fuß durch den Ort begleiten.

VON PETRA SCHAFFLIK

Nachdem das Jugendzentrum als Anlaufstelle und Treffpunkt wegfällt, versucht der Sozialpädagoge jungen Leuten im Freien zu begegnen und in Kontakt zu bleiben. „Wie geht’s?“ lautet dann die erste Frage. Und so unterschiedlich die Lebenssituationen sein mögen, die Antworten ähneln sich.

„Es ist schlimm, weil man eigentlich gar nichts machen kann“, sagt ein junger Mann, der sich gerade mit einem Freund getroffen hat. Jetzt sitzen die beiden am Rand des Fußball- und Basketballfelds, das gerade von kickenden Kindern belagert wird. Ein anderer Jugendlicher holt seinen Basketball aus dem Rucksack. Viel mehr, als zusammen mit einem Freund ein paar Körbe zu werfen, ist momentan nicht drin.

Die beiden Gymnasiasten werden von ihren Schulen mit Arbeit eingedeckt. „Jeden Tag bis 16 Uhr Online-Unterricht und danach noch Arbeitsaufträge, da ist man beschäftigt.“ Doch nicht alle kommen mit dem Homeschooling gut zurecht. Zwei Achtklässler, die als Zuschauer dazukommen, sagen, am meisten fehle ihnen die Schule. „Denn beim Online-Unterricht wird nicht alles so gut erklärt.“ Auch gebe es zu Hause zu viel Ablenkung. Die beiden sorgen sich um ihren Abschluss. „Wir lernen dieses Jahr gefühlt nichts.“ Auch Aktivitäten in der Freizeit fehlen. „Ein Fußballturnier“ wünscht sich einer der Jungs. Wie so vieles, geht auch das natürlich im Moment nicht.

Das Jugendzentrum sollte gemeinsam renoviert werden, doch der Lockdown stoppte die Arbeiten

Die Pädagogen der gemeindlichen Jugendarbeit, die in Petershausen vom Zweckverband Jugendarbeit koordiniert wird, haben durchaus digitale Angebote entwickelt. Nur springen die jungen Leute nicht so drauf an, berichtet Olaf Schräder. „Soziale Arbeit lebt vom direkten, persönlichen Kontakt.“ Über gemeinsame Aktivitäten entsteht das notwendige Vertrauen, damit junge Frauen und Männer bei Problemen oder in einer Krise dann auch das Gespräch suchen. Jugendliche, mit denen die Pädagogen über das Juz schon in engem Kontakt stehen, melden sich auch jetzt. „Alle haben meine Telefonnummer.“ Allerdings kommen solche Anrufe nur bei größeren Problemen, „wenn es wirklich Gesprächsbedarf gibt.“

Jüngere, die gerade erst ins Juz-Alter hineinwachsen oder neue Cliquen können die Sozialarbeiter aber aktuell kaum kennenlernen. Auch was Jugendarbeit im Kern ausmacht, nämlich den jungen Leuten die Möglichkeit zu eröffnen für eigene Projekte und Aktionen, „das geht alles momentan nicht.“

Schräder will deshalb die kommenden Wochen weiter als Streetworker unterwegs sein. Immerhin gehört zum Renovierungsplan für das Jugendzentrum eine Überdachung, die angebaut werden soll. So eine geschützte Freifläche könnte sich bald als Joker erweisen. Sollten die Corona-Auflagen gelockert werden, dürften Freiluftaktivitäten noch am ehesten machbar sein. Ideen gibt es schon, wie Open-Air-Kino oder Grillen – natürlich mit Abstand.

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