+
Er bleibt im Amt: Bürgermeister Marcel Fath gestern nach seinem Wahlsieg vor dem Rathaus mit seiner Frau Karina und Tochter Klara.  

Stichwahl in Petershausen

Klare Sache: Marcel Fath bleibt Bürgermeister

Marcel Fath bleibt Bürgermeister der Gemeinde Petershausen. Der Amtsinhaber von den Freien Wählern setzte sich bei der Stichwahl am gestrigen Sonntag gegen Günter Fuchs (CSU) durch. Für Fuchs war es die zweite Stichwahl-Niederlage gegen Fath – und die fiel deutlich aus.

Petershausen – Marcel Fath ist bei der gestrigen Stichwahl als Bürgermeister der Gemeinde Petershausen bestätigt worden. Er erhielt 61,2 Prozent der Stimmen, an den Herausforderer Günter Fuchs (CSU) gingen 38,8 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 72,3 Prozent. Wegen der Corona-Krise war eine Stimmabgabe nur per Briefwahl möglich.

Schon punkt 19 Uhr war gestern klar, dass Fuchs es nicht schaffen würde, den 2014 an Fath verlorenen Chefsessel im Petershauser Rathaus zurückzugewinnen. Zwei von vier Stimmbezirken waren ausgezählt, und er lag schon mit 41,2 zu 58,8 Prozent hinter dem Amtsinhaber. Am Ende hatte Fath 61,2 Prozent der Stimmen bekommen. Er gewann damit deutlicher als bei der Stichwahl 2014: 54,1 zu 45,9 Prozent.

+++ Stichwahl im Landkreis Dachau - Alle Ergebnisse, News und Reaktionen zu Petershausen und Schabhausen in unserem Live-Ticker +++

4969 Frauen und Männer waren wahlberechtigt, 3594 gaben ihre Stimme ab. Fath erhielt 2188 Stimmen, Fuchs 1390.

Fath gelang es als erstem Bürgermeister nach Josef Götz (CSU), sein Amt zu verteidigen. Bei vier Gegenkandidaten erzielte er schon im ersten Wahldurchgang mit 48,5 Prozent gegen Fuchs (32,0), Bernhard Franke (SPD, 11,4), Georg Franz Seitz (ÜBP, 5,1) und Jürgen Junghans (FDP, 3,0) ein herausragendes Ergebnis.

Überglücklich strahlt Marcel Fath zusammen mit seiner Frau Karina und Tochter Klara nach dem Wahlsieg. Sein Sohn Dominik sitzt gerade im Prüfungsstress bei den Vorbereitungen für das Fachabitur. „Es ist ein wunderbares, klares Mandat“, freut sich der Amtsinhaber. Er werde „genauso wohlwollend und unvoreingenommen wie bisher weiterarbeiten“. Es freue ihn, „dass man mit einem fairen und konstruktiven Umgang eine Wahl gewinnen kann. Diese Wette habe ich gewonnen.“ Hatte doch die CSU in ihrer Wahlwerbung für „eine bessere Zukunft“ mit dem Titel „So geht es nicht weiter! Wer will schon so einen Bürgermeister“ 14 Negativpunkte nach Ansicht vieler in reißerischer Manier gegen Fath aufgeführt.

+++ 

Dachau-Newsletter: Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Dachau-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus dem Landkreis Dachau - inklusive aller Entwicklungen rund um die Kommunalwahlen auf Gemeinde- und Kreisebene. Melden Sie sich hier an.

+++

Auch SPD-Vertreter hatten gegen die CSU-Vorwürfe Stellung bezogen. Dass die SPD entgegen der Stichwahl 2014 jetzt nicht offiziell Fath unterstützte, enttäusche ihn nicht, so Fath. Und auch die Grünen sprachen sich für keinen der beiden Kandidaten aus. „Ich weiß, dass viele bei der SPD und den Grünen sich für mich ausgesprochen haben. Aber da ist die Macht der Einzelnen stärker.“ So zählte bei der Abfrage der SPD zur Stichwahl nicht die Mehrheit der Mitglieder und parteilosen Gemeinderatskandidaten, die sich für Fath aussprachen, sondern die Mehrheit der Mitglieder, die sich für eine Enthaltung aussprachen. Offen bekannte sich zum Beispiel zweiter Bürgermeister Wolfgang Stadler (SPD) zu Fath.

Spekuliert werden kann, welche Rolle die langjährige CSU-Gemeinderätin Lydia Thiel, die jetzt für die Grünen in den Gemeinderat kam und mit Fath wegen ihrer Teilnahme an einer internen Besprechung zum Thema „Rosensiedlung“ im Clinch lag, bei den Grünen spielte.

Er hoffe, so Fath gestern, „dass die jungen Ratsmitglieder der CSU einen eigenen Stil finden und nicht so weitermachen wie bisher und dass es gelingt, dass jeder das Gute in dem Anderen sieht.“

Mehrheitsbeschlüsse werden künftig schwieriger werden. Im 20-köpfigen Gemeinderat haben die Freien Wähler mit Fath nur sieben Stimmen, die SPD drei, die CSU sechs, die Grünen drei und die FDP und ÜBP je eine. Martin Seemüller von der ÜBP, die Fuchs bei der Stichwahl unterstütze, will sich der CSU anschließen, war zu hören.

Als erste Themen will Fath die Digitalisierung im Gemeinderat vorantreiben und die neuen Mitglieder in Klausuren einarbeiten. Ein Problem sieht er bei der Erweiterung der Grundschule, die im Herbst fertig sein sollte. Wegen der Corona-Krise fehlt es an Materialnachschub, etliche Arbeitskräfte aus dem Osten sind weggefallen.

Günter Fuchs verbarg seine Enttäuschung nicht. „Das habe ich so deutlich nicht erwartet“, sagte er gestern. „Der Bürger hat entschieden. Damit muss ich mich abfinden.“ Erklären könne er sich die große Niederlage nicht, zumal die Wahlbeteiligung sehr hoch war. Für die künftige Zusammenarbeit im Gemeinderat wünscht er sich ein sachliches Miteinander zum Wohle der Gemeinde. „Wir werden das Beste für Petershausen machen.“

Cornelia Hartmuth

Kommentar

Der Wunsch nach Kontinuität

Die Petershauser wünschen sich Kontinuität – und Ruhe. Das haben sie mit ihrem deutlichen Votum am gestrigen Sonntag zum Ausdruck gebracht. Marcel Fath hat souverän gegen Günter Fuchs gewonnen – mit einem wesentlich deutlicheren Vorsprung im Vergleich zur Stichwahl vor sechs Jahren. Die Wahlkampf-Taktik von Günter Fuchs ist nicht aufgegangen – im Gegenteil: Der Versuch, den amtierenden Bürgermeister schlecht zu machen, kam bei den Wählern nicht gut an. Die Menschen wollen keine Vorwürfe, Schuldzuweisungen und persönliche Angriffe mehr. Deshalb ist das Wahlergebnis auch ein Denkzettel für die CSU – die sich dringend neu aufstellen sollte. Marcel Fath hat nun die Chance, in den nächsten sechs Jahren mehr Ruhe in die Arbeit des Gemeinderats hineinzubringen. Fath ist immerhin der erste Bürgermeister Petershausens seit dem Ausscheiden des langjährigen Bürgermeister Götz, der eine zweite Amtsperiode antreten darf. Es wäre nun wünschenswert, dass sich das Klima unter den Fraktionen im Gemeinderat verbessert, dass der Umgang miteinander freundlicher wird – was vielleicht auch gemeinsam mit den drei neuen Grupierungen gelingen kann.

Nikola Obermeier

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Umweltfrevel in Biotop bei Erdweg: Unbekannter vergiftet Pflanzen
Ein unbekannter Täter hat vergangene Woche auf wunderschönen Wiesen bei Kleinberghofen sein Unwesen getrieben: Er vergiftete die dortigen Pflanzen!
Umweltfrevel in Biotop bei Erdweg: Unbekannter vergiftet Pflanzen
Hinterm Lenkrad war keiner so gut wie Werner Seifert!
Werner Seifert, eine Institution bei der Freiwilligen Feuerwehr Dachau, hat jetzt, nach 48 Jahren,offiziell seinen Dienst beendet.
Hinterm Lenkrad war keiner so gut wie Werner Seifert!
Die Sucht kann jeden treffen
Vor 30 Jahren konnten sich Alkoholkranke und andere Suchterkrankte nur stationär behandeln lassen. Dann gründete der bereits verstorbene Eduard Löhnert die …
Die Sucht kann jeden treffen
In Dachau-Ost: Mann fährt Radlerum und flüchtet
Zu einem Zusammenstoß zwischen einem 22-jährigen Radler und einem noch unbekannten Fahrer eines Geländewagens kam es am Pfingstmontag gegen 18.55 Uhr an der Einmündung …
In Dachau-Ost: Mann fährt Radlerum und flüchtet

Kommentare