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Will künftig mehr Zeit der Kunst widmen – Ulrike Schneider-Güll freut sich auf einen neuen Lebensabschnitt.

Bereit für einen Neuanfang

Ulrike Schneider-Güll geht nach 14 Jahren als Schulleiterin in Petershausen in den Ruhestand

  • Petra Schafflik
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An der Grundschule Petershausen endet in diesen Tagen eine Ära. Nach 14 Jahren als Rektorin verabschiedet sich Ulrike Schneider-Güll in den Ruhestand.

Kaum war Ulrike Schneider-Güll 2006 als neue Schulleiterin an die Grundschule Petershausen gekommen, engagierte sie sich bald für die Einrichtung eines Ganztagszugs. Dieses Bildungsangebot, zu dieser Zeit noch neu im bayerischen Bildungssystem, entspricht mit dem rhythmisierten Wechsel von Unterricht, Üben, Entspannung und kreativ-sportlichen Aktivitäten viel mehr den Bedürfnissen der Kinder, ist die engagierte Pädagogin überzeugt. Die Gemeinde zog mit, unterstützte auch das Ziel, ein qualitativ wertvolles Angebot in passenden Räumen zu schaffen. Viel Energie hat Schneider-Güll mit dem Lehrerteam in dieses Thema gesteckt, immer wieder Überzeugungsarbeit geleistet. Jetzt, wo mit der fertigen Schulerweiterung endlich die Grundlage geschaffen ist und der Starttermin im September steht, verabschiedet sich Schneider-Güll nach 14 Jahren als Rektorin in den Ruhestand.

Dass sie dieses von ihr mit so viel Herzblut vorangetriebene Projekt Ganztag nun nicht mehr selbst in der Praxis begleiten kann, „das ist schon schade“, räumt sie ein. Aber wichtig sei doch, „dass es jetzt tatsächlich zustande kommt und alles so geworden ist, wie wir es entwickelt haben. Ich freue mich für Petershausen!“

Neben dem Langzeitziel Ganztag hat Ulrike Schneider-Güll als Rektorin gemeinsam mit einem engagierten Lehrerteam den Wandel begleitet, den Schulen in den vergangenen Jahren durchlaufen haben. Als sie von der kleineren Grundschule im noch ländlicher geprägten Hilgertshausen nach Petershausen kam, sei sie hier auf anspruchsvollere, aber auch aktive und engagierte Eltern getroffen. Sie erinnert sich an so manche intensive Diskussion, „ganz toll!“

Gemeinsam mit Elternbeirat und Förderverein wurde im Innenhof der bunte Keramikdrache gebaut, „Mianschu“, das Symbol für den Leitspruch „Miteinander an der Schule“. Ein Schulsong wurde kreiert, ein Musical inszeniert, eine gemeinsame Identität aufgebaut. Auch im Schulalltag hat sich seitdem vieles getan. „Die Lehrerrolle musste eine andere werden“, sagt Schneider-Güll. Es gebe nicht mehr die eine Unterrichtsstunde für alle, sondern differenzierte Angebote, ausgerichtet am Bedarf der Kinder. Der Kontakt zur Familie, zu den Eltern sei deutlich wichtiger geworden, „sonst funktioniert es nicht“.

Für entscheidend hält es Schneider-Güll, möglichst viele Kompetenzen zusätzlich ins Haus zu holen. Als erste Grundschule im Landkreis bekam Petershausen eine Stelle für Schulsozialarbeit. Die Sozialpädagogen organisieren Projekte, sind geschätzte Ansprechpartner für Kinder, Eltern und Lehrerinnen.

Gerade weil gesellschaftliche Veränderungen, „nicht vor der Schule halt machen, sondern dort eher noch deutlicher sichtbar werden“, gibt es eine Kooperation mit der Akademie für Heilpädagogik. Aus dieser Zusammenarbeit erwachsen Projekte, die einen anderen Blickwinkel auf die Schüler richteten, die gerade Kinder stärkten, „die im Notenbereich Probleme haben“. Etwa ein Spieletag, der die Mädchen und Buben anregt, „aus dem Nichts“ etwas zu entwickeln, der Kreativität freien Lauf zu lassen.

Nicht Noten, sondern Phantasie und Geschick sind auch gefragt bei den Zirkuswochen, die alle zwei Jahre stattfinden. Die Liste der Projekte ist lang, reicht von vielfältigen Veranstaltungen mit dem Elternbeirat über Schultheater, ein seit zwei Jahren schon laufendes Schulentwicklungsthema mit Anti-Stress-Kursen für Kinder, Lehrerinnen und Eltern über die die Lernwerkstatt bis zum Pedibus, wo Schulkinder in Begleitung zu Fuß zur Schule marschieren, statt im Eltern-Taxi chauffiert zu werden.

Ausgerechnet in ihrem letzten Schuljahr wurde nun aus der Schulleiterin eine Krisenmanagerin. „Es ging nur noch um Verwaltung, nicht mehr um Menschen und Kinder, das war kein schönes Schuljahr“, sagt Schneider-Güll.

Auch ihren Abschied hatte die Rektorin als kreative Aktion der ganzen Schule schon geplant. Eine Trommelwoche war vorgesehen, als krönender Abschluss dann ein afrikanisches Theater mit allen 250 Kindern und deren Eltern. Aus diesem heiteren Abschlussfest wird in Corona-Zeiten nichts, es gibt nur einen Abschied im kleinen Kreis des Lehrerinnenteams. Von ihren Schülern wird sich die Rektorin bei einem Rundgang verabschieden, Klasse für Klasse.

Trotzdem freut sich Ulrike Schneider-Güll auf den neuen Lebensabschnitt, der mit einem Umzug zur Tochter nach Unterfranken startet. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem ehemaligen Rektor, Landtagsabgeordneten und SPD-Kreisvorsitzenden Martin Güll, will sie mit einem Kastenwagen durch Europa fahren, mehr Zeit der Kunst widmen, malen und töpfern. Das, sagt Schneider-Güll lachend, „wird spannend, ein Neuanfang“.

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