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Seit dem Umzug von Edeka im November steht der Laden leer.

Petershausen

Den Ortskern nicht sterben lassen

  • Petra Schafflik
    vonPetra Schafflik
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Tristesse pur: Verlassen hinter einem Bauzaun liegt jetzt der Laden, in dem bis Ende November noch das Geschäft brummte. Edeka ist bekanntlich in einen großzügigen Neubau an den Ortsrand umgezogen, als designierter Nachfolger für den alten Standort im Dorfkern hat Penny kurzfristig wieder abgesagt.

Zurück bleibt Leerstand. Kein Zustand auf Dauer, das dürfte in Petershausen unumstritten sein. Die Fraktionen von CSU und Grünen sowie die Gemeinderäte Bernhard Franke (SPD), Martin Seemüller (ÜBP) und Jürgen Junghans (FDP) wollen es genauer wissen. Gemeinsam starten sie eine Unterschriftenaktion für den „Erhalt der Nahversorgung im Zentrum von Petershausen“. Wer unterschreibt, appelliert an die Sparkasse als Eigentümerin des Gebäudes und bittet die Gemeinde Petershausen, „die Nahversorgung am jetzigen Standort mit einem nachfolgenden Pächter weiterhin zu gewährleisten.“

Die Sorge sei, „dass nach und nach noch andere Geschäfte schließen, dass nichts mehr bleibt von der Aufenthaltsqualität unserer Gemeinde und unser Ortszentrum zur Durchgangsstraße wird“, erklärt Grünen-Gemeinderätin Lydia Thiel als Sprecherin. Mit den Listen, die in der Apotheke, bei Bäckern und in Banken aufliegen, soll eruiert werden, ob sich die Petershauser tatsächlich einen Lebensmittelladen im Dorfzentrum wünschen. Oder ob ihnen dieses Thema gar nicht auf den Nägeln brennt, weil sie vielleicht rundum zufrieden sind mit dem „neuen“ Edeka und den anderen Lebensmittelgeschäften im Ort. Wenn kaum jemand unterschreibe, „dann müssten wir etwas anderes verfolgen, nach Ideen und Lösungen suchen“, sagt Thiel. „Denn das Schlimmste wäre jahrelanger Leerstand.“

Die Grünen stehen hinter der Unterschriftenaktion, wie Fraktionssprecher Alexander Heisler betont, „weil wir den Ortskern nicht aussterben lassen wollen“. Vor allem für Senioren wäre eine fußläufige Versorgung im Dorf wichtig, denkt Heisler. Die CSU hatte den Edeka-Neubauplänen an der Jetzendorfer Straße nur zugestimmt, weil mit der Zusage von Penny die Versorgung im Ort gesichert schien, erinnert Fraktionssprecher Günter Fuchs. „Meine persönliche Einstellung war noch extremer, nach meiner Ansicht sollte Edeka gar nicht raus.“    Nun wolle man von den Bürgern erfahren, wie sie die Sache sehen. „Vielleicht bin ich ja auf dem Holzweg“, sagt Fuchs.

Nicht hinter die Unterschriftensammlung stellen sich die Freien Wähler. Weil es um die klare Forderung nach einem Lebensmittelladen gehe, kein Stimmungsbild abgefragt werde, so Fraktionssprecherin Margarete Scherbaum. „Es ist nicht vorgesehen, dass Bürger ihre Ideen einbringen.“ Und aktuell sei kein Nahversorger interessiert, das hätten Gespräche des Bürgermeisters ergeben. Was die Zukunft des leerstehenden Supermarktgebäudes angeht, sagt Scherbaum, „ist der Gemeinderat gefordert, sich Gedanken zu machen.“

Als „Schaufensteraktion“ bezeichnet SPD-Fraktionssprecher Wolfgang Stadler die Unterschriftenlisten, weil aktuell gar nicht klar sei, was die Sparkasse als Eigentümerin überhaupt mit dem Gebäude vorhabe. „Da geht jede Forderung ins Leere.“

Ganz unabhängig von der Aktion betont Bürgermeister Marcel Fath (FW) die zentrale Bedeutung des nun leerstehenden, ehemaligen Supermarkt-Gebäudes direkt am Marktplatz. „Das ist die letzte Gelegenheit, um in unserer Gemeinde ein zentrales Platzgeschehen hinzubekommen.“ Damit Petershausen einen lebendigen Dorfkern bewahre, „brauchen wir dort Frequenz“. Allerdings sieht Fath dort kein Lebensmittelgeschäft. Discounter forderten größere Verkaufsflächen und mehr Parkplätze als vorhanden, einen Bioladen gebe es im Ort bereits. Angesichts der Defizite in der Gesundheitsversorgung könnte sich Fath ein Ärztehaus vorstellen. „Da hoffe ich auf eine gemeinsame Stoßrichtung mit dem Gemeinderat.“

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