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Die afghanischen Asylbewerber vom Heimweg, Ahmad Navid (links), ein Student des Bauingenieurwesens, und Oneeb Faqirazada informierten über ihr Heimatland und fragten, warum man bei 5266 Toten und Verletzten in einem halben Jahr dorthin wieder abschiebe. Rechts: Dr. Joachim Jacob.

Helferkreis Asyl in Petershausen

Drangvolle Enge in der Unterkunft

In der Asylbewerberunterkunft in Petershausen herrscht drangvolle Enge. Nach der Auflösung der Traglufthallen im Landkreis ist das kein Wunder. Doch sei eine Entspannung in Sicht, bekamen die Mitglieder des Helferkreises Asyl von Bürgermeister Marcel Fath zu hören.

Petershausen – 104 Leute hatten sich beim Helferkreis Asyl Petershausen gemeldet, doch wirklich aktiv sei leider nur eine einstellige Zahl, bedauerte Barbara Jacob anlässlich der Mitgliederversammlung des gleichnamigen Vereins im Café Landleben in der Kirchstraße. Weitere Aktive wären also nötig.

Betreut werden derzeit 101 Asylbewerber. Gedacht war die Anlage am Heimweg ursprünglich für 80 bis 90 Personen, wie ihr Mann Dr. Joachim Jacob, der Vorsitzende des Vereins, betonte. Der Grund für die Dreifachbelegung der Zimmer: Die Traglufthallen im Landkreis wurden aufgelöst und deren Bewohner auf andere Unterkünfte aufgeteilt.

Bürgermeister Marcel Fath erklärte dazu, Landrat Stefan Löwl habe ihm zugesichert, die Überbelegung der Zimmer wieder zurückzuführen. Außerdem gebe es entgegen anderslautender Gerüchte bislang keinen nachgewiesenen Fall infektiöser TBC. Ein Verdachtsfall sei sicherheitshalber ins Lungensanatorium Gauting zur Überwachung eingewiesen worden, und seine Kontaktpersonen werden untersucht.

Neu geregelt wurden laut Dr. Jacob die Deutschkurse des Helferkreises: „Der Schwerpunkt liegt jetzt auf der Nachhilfe am Abend und am Wochenende.“ Er bemängelte, dass der Landkreis die früher monatlichen Treffen der Helferkreise im vergangenen halben Jahr nur ein einziges Mal abgehalten habe. Erfreut zeigte er sich dagegen, dass der Gartenbauverein auch Asylbewerber zu seinem Ausflug nach Kloster Weltenburg einlädt und Jugendliche mit Flüchtlingen in die Allianz-Arena fahren.

Breiten Raum nahm die Frage der Abschiebung von afghanischen Flüchtlingen in ihr Heimatland ein, nachdem es schon zu Kurzschlusshandlungen unter Afghanen gekommen ist, die glücklicherweise glimpflich ausgingen. Ahmad Navid aus der Anlage und sein Landsmann Oneeb Faqirazada informierten über das Land am Hindukusch mit seinen 32,5 Millionen Einwohnern, dessen Geschichte, Bevölkerungsgruppen, Sprachen und den seit Ende 1979 andauernden Krieg im Land. Laut Navid gab es seit 1980 zwei Millionen Tote und über sechs Millionen Flüchtlinge. Allein zwischen Januar und Juni 2016 fanden 1601 Menschen den Tod, 3665 wurden verletzt.

Es gebe keine sichere Region, weder in der Hauptstadt Kabul noch anderswo. Im vergangenen Jahr habe die Zentralregierung noch 74 Prozent des Landes kontrolliert, doch heuer sei diese Zahl dramatisch auf nur noch 50 Prozent gesunken. „Ich weiß nicht, warum Bundesinnenminister Thomas de Maizière in so ein Land abschieben lässt.“

Dr. Jacob und Bürgermeister Fath wiesen darauf hin, dass betroffene Flüchtlinge in unserem Rechtsstaat gegen einen abgelehnten Asylantrag innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegen können und innerhalb von vier Wochen eine Begründung nachliefern müssen. Dr. Joachim Werner mahnte, das von einem Rechtsanwalt machen lassen, da es hier um die Existenz gehe. Allerdings kostet das bis zu 1000 Euro.

rds

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