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Helferkreis kritisiert Landratsamt

Tyrannischer Kümmerer bedroht Flüchtlinge

Er bedrohte und erpresste Flüchtlinge – und sollte doch eigentlich für ihr Wohl sorgen. Der „Kümmerer“ der Petershauser Unterkunft wurde jetzt entlassen – fast zwei Monate später.

Adriano T. (Name geändert) war in der Petershauser Asylunterkunft seit der Einweihung vor rund zwei Jahren als sogenannter „Kümmerer“ angestellt. Er sollte also als Unterkunftsverwalter und Ansprechpartner vor Ort das Zusammenleben in der Unterkunft organisieren. Jedoch erpresste und tyrannisierte er die Asylbewerber. Nun kritisierte der Petershauser Helferkreis das Landratsamt, dass es so lange gedauert hat, bis T. entlassen wurde.

Der Fall über die Fehlbesetzung wurde jetzt auf dem Treffen zwischen Landratsamt und Asyl-Helferkreisen im Karlsfelder Bürgerhaus öffentlich. Joachim Jacob vom Helferkreis Petershausen meldete sich zu Wort, um sich über den weiteren Einsatz des Kümmerers zu erkundigen. Denn trotz mehrerer Beschwerden seitens des Helferkreises dauerte es rund zwei Monate, bis das Landratsamt Adriano T. jetzt entließ.

„Er hat eine Stimmung der Kontrolle vermittelt“, sagt Jacob. Beispielsweise habe er die Asylbewerber beim Rauchen fotografiert und „dann gedroht, diese Bilder ans Landratsamt zu schicken“. Auch drohte Adriano T. den Flüchtlingen, sie in die Traglufthalle verlegen zu lassen.

Außerdem erstellte der Kümmerer im Internet eine Facebook-Gruppe, in der er mit den Asylbewerbern kommunizierte. Das Titelbild zeigte eine leicht bekleidete, weiße Frau mit einem schwarzen Mann und Personen drumherum, die filmen. Außerdem änderte T. zeitweise seinen eigenen Namen im sozialen Netzwerk auf „Mussolini“ um.

Doch die Spitze des Eisbergs: „Er hat auch selbst eine Kamera in seinem Büro angebracht“, erzählt Jacob. Wie lange die Filmkamera dort hing, kann er nicht einschätzen. T. drohte an, die interne Wahl mitzufilmen, bei der die Asylbewerber einen Containersprecher bestimmten. Dabei mahnte er, dass die Teilnehmer der Containervollversammlungen „mit Nachteilen zu rechnen hätten“, wenn sie nicht so abstimmten, wie es Adriano T. passte.

Bereits Anfang Februar ging der Helferkreis laut Jacob auf das Landratsamt zu und legte eine Entlassung nahe. Auch Anfang März wies der Helferkreis auf den tyrannischen „Kümmerer“ hin. „Wir haben vom Landratsamt immer gehört, dass die Personalabteilung den Fall prüft“, so Joachim Jacob beim Helferkreistreffen. Bis dahin wussten weder Asylbewerber noch Helferkreise, ob der Kümmerer wieder in die Unterkunft zurückkommen würde. Zeitweise tauchte Adriano T. angeblich immer wieder dort auf. Schließlich bestätigte Landrat Stefan Löwl an diesem Dienstagabend erstmals die Auflösung des Arbeitsvertrages: „Er kommt nicht wieder.“

Eine Strafanzeige gegen den Kümmerer liege derzeit nicht vor, so Polizeisprecher Michael Richter. Denn grundsätzlich dürfe jeder Film- oder Tonbandaufnahmen eines anderen machen. Problematisch werde es nur, wenn die Aufnahmen veröffentlicht werden.

Wolfgang Reichelt, Pressesprecher des Landrats, spricht im Fall des Kümmerers in der Peterhauser Unterkunft von „Auffälligkeiten, die bei der unmittelbar erfolgten internen Bewertung durch die Personalstelle jedoch keine arbeits- und strafrechtlich relevanten Punkte enthielten.“ Doch blieb für Joachim Jacob noch eine Frage offen: „Warum hat die Auflösung des Arbeitsvertrages so lange gedauert?"

Anna Schwarz

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