+
Viele Biker kamen zur Beerdigung von Gerhard Selch nach Egenburg.

Trauer um verstorbenen Bandido  in Egenburg

„Schmutzi“ ist jetzt im „Forever-Chapter“

  • schließen

Eine solche Trauerfeier dürfte es im Dachauer Land noch nicht gegeben haben. Gerhard Selch ist im Beisein von rund 600 Bikern des Bandidos Motorcycle Clubs in Egenburg zu Grabe getragen worden.

Egenburg – Dutzende schwere Motorräder bildeten am Freitagnachmittag entlang des Wegs zum Sportheim des VfL Egenburg ein metallenes Spalier für die eintreffende Trauergemeinde. Gut 600 Gäste waren gekommen, die meisten im Lederoutfit, um Gerhard Selch in dessen Wohnort die letzte Ehre zu erweisen (wir berichteten). Selch, den sie alle nur „Schmutzi“ nannten, hatte im Alter von nur 58 Jahren einen Herzinfarkt erlitten.

„Unser Brother verbrachte noch die letzten Minuten vor seinem Tod auf seiner Harley-Davidson und starb in seinen Clubfarben“, meinte Sascha A. Roßmüller, Präsident des Bandidos Chapters Bogen, bei dem Selch seit acht Jahren Mitglied war. Anzufügen ist, dass Gerhard „Schmutzi“ Selch kurz vor seinem Tod in Augsburg seine neue Harley in Empfang genommen hatte und mit der Maschine zum Bandidos-Clubhaus Tutzing gefahren war. Als er gerade vom Motorrad abgestiegen war, ereilte ihn der tödliche Herzinfarkt.

„Es gibt Leute im Ort, die haben Angst vor den Bandidos. Aber die sind normale Leute“, befand Diakon Michael Popfinger, der die Trauerrede hielt, vor der Zeremonie am Egenburger Sportheim über die nach den Hells Angels zweitgrößte Rockergruppe weltweit. Der Geistliche sollte recht behalten. Sollten unter den Gästen – wie vermutet – Polizeibeamte in Zivil gewesen sein, hatten diese einen ruhigen Job.

Die Mitglieder der Bandidos, die aus allen Ecken Deutschlands sowie aus Italien, Skandinavien, England, Irland oder Holland angereist waren, lauschten andächtig der Feier. Polizei und Trauergäste bekamen während der Veranstaltung vieles über das bewegte Leben von Gerhard Selch zu hören. In Regensburg geboren, machte er dort sein Abitur. Lange Zeit bei den Großeltern aufwachsend, zog er später zu seiner Mutter Waldtraud nach München. Als diese Bernd Kiemer in zweiter Ehe heiratete, zog Gerhard Selch mit zum Stiefvater nach Egenburg.

Nach einer Ausbildung zum Lkw-Mechaniker zog es Selch zur Bundeswehr. Seine Ausbildung zum Seemann absolvierte er auf der Gorch Fock, dem berühmten Segelschulschiff der Marine. „Er war danach auf allen Weltmeeren in U-Booten unterwegs“, so Popfinger. 20 Jahre lang arbeitete Selch als Seemann, danach als Lkw-Fahrer sowie in einer Sicherheitsfirma. Schließlich gründete er eine Reinigungsfirma – daher sein Spitzname „Schmutzi“.  

Privat engagierte sich Selch in zahlreichen Vereinen, war leidenschaftlicher Thaiboxer, Auto- und Motorradsportler. Auf einer Geländemaschine nahm er sogar an der deutschen Meisterschaft teil. „Und er war ein hilfsbereiter Mensch vor dem Herrn“, sagte Mike Petzold, ein enger Freund des Toten.

Ungewöhnlich wie das Leben von „Schmutzi“ Selch lief auch die Trauerfeier ab. So trank Diakon Popfinger während seiner Rede eine Tasse Kaffee, das erste Lieblingsgetränk des Verstorbenen. Danach gab es Haselnussschnaps für alle – Selchs zweite flüssige Vorliebe.

Schließlich schwang sich Popfinger auf den Sozius einer Harley. Im Motorradkorso ging es zum Egenburger Friedhof. Dort wurde die Asche Selchs in einer Urne in Form eines Harley-Benzintanks bestattet. Laut Bandidos-Präsident Roßmüller befindet sich der Verstorbene nun im „Forever-Chapter“, wo er „in alle Ewigkeit unsere Farben trägt“.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

„Probieren wir’s doch einfach!“
Vom 24. bis 27. Oktober findet erstmals eine Familienmesse auf dem Siedlerfestgelände direkt am Karlsfelder See statt. Sie ist die offizielle Landkreisausstellung und …
„Probieren wir’s doch einfach!“
Täglicher Schulbus-Wahnsinn in Ebersbach
Der MVV-Regionalbus 729 ist jeden Morgen überfüllt. An der Bushaltestelle in Ebersbach haben sich schon mehrere Kinder nicht getraut, zuzusteigen, und mussten von den …
Täglicher Schulbus-Wahnsinn in Ebersbach
„Eine der teuersten Alternativen“
Eigentlich will die Stadt Dachau sparen, wo es nur geht. Vor allem bei Hochbauten. Das wird beim Umbau des Zieglerbräu zum Rathaus nicht gelingen
„Eine der teuersten Alternativen“
Seine Familien stehen geschlossen hinter Löwl
Stefan Löwl bringt so leicht nichts aus der Fassung. Doch in seiner Rede bei der Kreisdelegiertenversammlung der CSU versagt ihm die Stimme. Tief bewegt, mit Tränen in …
Seine Familien stehen geschlossen hinter Löwl

Kommentare