Philipp Pescosta (links) und Carsten Schmid.
+
Bei der Präsentation: Philipp Pescosta (links) und Carsten Schmid.

Pfaffenhofener Gemeinderat beeindruckt

Eine der modernsten in Europa: Zwei Ebersrieder stellen innovative Biogasanlage vor

Zwei Ebersrieder wollen eine neue Art von Biogasanlage in Europa etablieren. Erst eine Anlage dieser Art gibt es, die zweite könnte in der Gemeinde Pfaffenhofen entstehen. Jetzt gab es eine Projektvorstellung im Gemeinderat.

Pfaffenhofen – Die Vision ist: Kein Müll, kein Ammoniak, keine Geruchsbelästigung. Stattdessen: CO2-Reduzierung, Verringerung der Nitrat- und Ammoniakbelastung, Produktion von sauberem Wasser und Bio-LNG, also Flüssiggas, Produktion von Flüssig- und Festdünger, der die Böden und das Grundwasser nicht belastet – so kann die Biogasanlage der Zukunft aussehen. Dass das alles funktionieren kann, zeigt die Anlage der Firma „Biogas Wipptal GmbH“ in Sterzing in Südtirol. Pfaffenhofens Bürgermeister Helmut Zech hat sich diese vor Ort angeschaut und berichtete in der jüngsten Gemeinderatssitzung angetan von dem momentan europaweit einmaligen Projekt. Die zweite Anlage könnte jetzt im Gemeindegebiet entstehen.

Carsten Schmid und sein Geschäftspartner, der gebürtige Südtiroler Philipp Pescosta, die beide in Ebersried wohnen, sind Gesellschafter bei der „Biogas Wipptal GmbH“ und wollen die innovativen Anlagen langfristig in ganz Europa etablieren. Sie stellten ihr Projekt „Bio Energy Glonntal“ daher dem Gemeinderat vor. Die Resonanz war durchweg positiv.

Ihr Hauptanliegen neben dem Umweltschutz: eine gute Zusammenarbeit mit den Landwirten und positives Feedback aus der Bevölkerung. „Ohne Landwirte funktioniert das Ganze nicht“, betonten Schmid und Pescosta, dessen Schwiegervater der kreative Kopf der Wipptal-Anlage ist. Hauptknackpunkt, den einige Gemeinderäte ansprachen, ist die Anlieferung der Rohstoffe, also Pferde- und Rindermist sowie Gülle durch die Landwirte. „Wo sollen diese Mengen herkommen?“, fragten sich einige. Die Referenten wiesen darauf hin, dass die Biomasse – je 73 000 Tonnen Mist und Gülle pro Jahr sowie 10 000 Tonnen Stroh – auch aus den Nachbarlandkreisen Fürstenfeldbruck und Aichach angeliefert werden soll, also nicht nur aus dem Landkreis Dachau. Für den Betrieb benötigt man insgesamt etwa 7350 Vieheinheiten, wie es im Fachjargon heißt. „Vor allem Pferdemist ist dafür am besten geeignet“, erklärte Referent Carsten Schmid.

Die Anlage soll langfristig mittels künstlicher Intelligenz gesteuert werden, rund zwölf Arbeitsplätze würden entstehen. Als mögliche Fläche für die zwei Hektar Anlage mit eigenem Blockheizkraftwerk, hat Bürgermeister Zech eine Fläche bei Unterumbach im Auge, nahe der Staatsstraße 2051, mit Zufahrtsmöglichkeiten zur A8 durch die Auffahrten Adelzhausen und Odelzhausen. „Die Ortschaften sind dadurch komplett raus“, betonte Zech im Hinblick auf die Verkehrsbelastung durch einen möglichen Anlieferverkehr aus einem Umkreis von etwa 25 Kilometern. Die Gemeinde überlegt sogar eine Beteiligung an dem Projekt, wofür sich die Referenten und Gesellschafter offen zeigten.

Doch was ist nun der Vorteil dieser innovativen Technik? Vereinfacht zusammengefasst lässt sich sagen, dass bei der Verarbeitung der Biomasse geruchloser und veganer Flüssig- und Kunstdünger entsteht, der wetterunabhängig auf die Felder ausgebracht werden kann. Ammoniak, Stickstoff- und Nitratbelastungen werden erheblich reduziert, so die Referenten. Es entstehe das bei Spediteuren heiß begehrte Flüssiggas LNG in Bioqualität, da es CO2-neutralen Transport ermöglicht. Zudem werde Trockeneis produziert, mit dem auch gereinigt werden kann – sogar im Lebensmittelbereich. Der enorme Vorteil sei auch, dass sauberes Wasser entsteht, das dann unbedenklich in nahe Gewässer abgeleitet werden könne. Und dafür müsse kein Rohstoff, wie beispielsweise Mais, extra angebaut werden. Die Anlage funktioniere ausschließlich mit Mist und Gülle.

Trotzdem gebe es „keine Geruchtsbelastung außerhalb der Anlage“, wovon sich Zech beim Vor-Ort-Termin in Südtirol überzeugen konnte. Auf Anregung von Gemeinderat Dieter Stoll soll nun eine Busfahrt nach Sterzing organisiert werden, bei dem sich Interessierte von der Anlage selbst ein Bild machen können. Der Gemeinderat steht dem Vorhaben einstimmig positiv gegenüber, wie die abschließende Abstimmung ergab. Der Standort soll geprüft, die Öffentlichkeit informiert werden. Simone Wester

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare