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Nach Unfall auf A8: Ersthelferin meldet sich bei Unfallopfern

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Von: Verena Möckl

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Andreas Henkel und seine Tochter suchen eine Ärztin, die ihnen bei einem Autounfall zur Seite stand.
Andreas Henkel und seine Tochter suchen eine Ärztin, die ihnen bei einem Autounfall zur Seite stand. © privat

Sie hat sich gemeldet! Jene unbekannte Ersthelferin, die Andreas Henkel aus Pfaffenhofen und seine Tochter (10) gesucht hatten. Nach Henkels Unfall auf der Autobahn 8 wollte sich die Familie bei der Frau bedanken. Das hat nun geklappt.

Pfaffenhofen – Im Gespräch mit der Heimatzeitung schilderte die Ärztin, was bei einem Unfall zu tun ist, und warum Laien keine Angst haben müssen.

Als sie die Trümmer auf der Straße und das verbeulte Auto am Standstreifen sieht, ist für die junge Assistenzärztin aus München sofort klar: Sie will anhalten und helfen! Der Pfaffenhofener Familienvater Andreas Henkel ist mit seinem Wagen auf der A8 zwischen Holzkirchen und Weyarn frontal in die Leitplanke gekracht. Ohne zu zögern, schlängelt sich die Müncherin zur Unfallstelle vor. Dort kümmert sie sich rührig um die zehnjährige Tochter von Andreas Henkel, wie der Vater später erzählt (wir haben berichtet).

Aufruf in der Heimatzeitung erfolgreich

Das ist nun gut zwei Wochen her. Familie Henkel machte sich nach dem Unfall auf die Suche nach der unbekannten Ersthelferin – mit Erfolg. Die Ärztin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, meldete sich kurz nachdem der Aufruf in der Heimatzeitung erschien. Die Dachauer Nachrichten konnten den Kontakt herstellen. „Wir haben uns tausendmal bei der Ersthelferin bedankt“, sagt Ehefrau und Mutter Sarah Henkel. Die zehnjährige Tochter bastelte sogar ein kleines Geschenk. Sarah Henkel hofft, dass sich andere Menschen ein Vorbild an der Ersthelferin nehmen und es ihr gleichtun.

„Helfen ist doch selbstverständlich“

„Für mich ist das selbstverständlich“, sagt die Ersthelferin den Dachauer Nachrichten. Die 31-Jährige aus München ist bereits routiniert. Sie habe schon häufig Erste Hilfe nach Verkehrsunfällen geleistet, sagt sie.„Ich halte immer an, wenn ich sehe, dass noch keine Rettungskräfte da sind“, sagt sie. „Wir behalten einen bisschen kühleren Kopf.“

Mit „wir“ meint die Münchnerin Menschen mit medizinischen Kenntnissen. Die Ersthelferin hat ihr Medizinstudium abgeschlossen und steckt mitten in der Ausbildung zur Fachärztin für Gynäkologie. Als Assistenzärztin arbeitet sie derzeit in einer Münchner Klinik. „Bei einem Unfall kann ich ohne Krankenwagen und medizinische Ausstattung vor Ort aber auch nur so viel machen wie ein Laie“, sagt sie. Konkret bedeutet das: nach den Unfallopfern sehen (Kasten).

Die Münchnerin sprach also an der Unfallstelle vor zwei Wochen mit Andreas Henkel und seiner Tochter, prüfte, ob bei der Kleinen alles okay ist. „Einen Schock sieht man Menschen oft nicht an“, sagt die Assiszentärztin. Daher sei es wichtig, mit den Unfallopfern zu reden, sie abzulenken. Oft käme es vor, dass Menschen unter Schock verwirrt sind, auf die Straße laufen und kopflos Autoteile einsammeln, erklärt sie. „Es geht nicht darum, auf der Straße notzuoperieren, sondern darum aufzupassen, dass nicht noch mehr passiert.“

Geschenk ist angekommen

Das Geschenk von Familie Henkel ist mittlerweile bei der Ersthelferin angekommen. Es ist ein Bilderrahmen, der mit bunten Papier-Schmetterlingen verziert ist. Dazu eine Karte mit dem Spruch: „Wer einen Engel zum Freund hat, braucht die Welt nicht zu fürchten.“

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Als Ersthelfer am Unfallort

Die Münchner Ersthelferin und Ärztin gibt Tipps für das richtige Verhalten am Unfallort:

1. Langsam an den Seitenstreifen fahren. So anhalten, dass kein anderer Verkehrsteilnehmer gefährdet wird.

2. Sich und sein Fahrzeug absichern: Warndreieck aufstellen und Warnweste anziehen.

3. Vorsichtig (am besten hinter der Leitplanke) zur Unfallstelle gehen.

4. Unfallstelle sichern mit Warndreieck und sich einen Überblick verschaffen: Was ist passiert? Wer ist alles betroffen? Wie viele Ersthelfer sind schon da? Wie viele Menschen sind leicht und schwer verletzte?

5. Notruf absetzen und wenn möglich erste Hilfe leisten.

6. Sind viele Menschen beteiligt am Unfall, noch mehr Ersthelfer suchen, gegebenenfalls Autos anhalten.

vm

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