Pilotprojekt in Indersdorf

Endlich eine Arbeit für Asylbewerber

Indersdorf - Vielleicht hat das quälende Warten bald ein Ende. Die Flüchtlinge im Landkreis wollten sich engagieren, in den Gemeinde arbeiten, etwas zurückgeben. Doch bisher gab es dafür zu viele bürokratische Hürden. Nach monatelanger Tüftelei kann in Indersdorf nun bald ein Pilotprojekt starten.

Essen. Ein Schlafplatz. Warme Kleidung. Natürlich sind das die Dinge, an die Flüchtlinge als erstes denken, wenn sie hier Zuflucht gefunden haben. Aber da ist noch etwas. Es war eines der ersten Dinge, die die jungen Afrikaner, die derzeit in der Indersdorfer Tennishalle leben, tun wollten: arbeiten.

Georg Weigl vom Helferkreis weiß das. Seit September betreut er mit seinem Team die Flüchtlinge, die in der Gemeinde leben. „Ständig haben mich die Männer gefragt, ob sie nicht irgendwas tun können“, so Weigl. „Zum einen wollten viele etwas zurückgeben, zum anderen wollten sie sich nützlich machen.“ Aber dabei gab es ein großes Problem. Anfangs sah es so aus, als gäbe es keine Möglichkeit, die Flüchtlinge irgendwie beschäftigen zu dürfen, denn: Die Hürden der Behörden sind extrem hoch.

Es gibt nur einen sehr engen Spielraum, innerhalb dem Asylbewerber arbeiten dürfen. Monatelang versuchten Gemeinde, Helferkreis und Caritas eine Lösung zu finden.

Die Regierung von Oberbayern erklärt nun in einer Stellungnahme, dass es sehr wohl eine Möglichkeit gibt, Flüchtlinge zu beschäftigen. „Die Schaffung einer gemeinnützigen Tätigkeit im Rahmen des Paragrafen fünf des Asylbewerberleistungsgesetzes wie beispielsweise Säuberungsarbeiten bei öffentlichen Flächen, Laub rechen, Schnee räumen oder die Unterstützung bei öffentlichen Projekten erscheint aus unserer Sicht möglich.“ Für die Gemeinde Indersdorf ein Segen. Sie hat sich prompt ein Konzept überlegt, wie sie die Flüchtlinge in einem ersten Projekt einbinden kann.

Die Gräben, Regenrückhaltebecken und Straßen im Gewerbegebiet sind öfter verschmutzt, bisher kümmern sich die Indersdorfer nur beim Ramadama darum. „Da kommt immer einiges zusammen“, sagt Weigl. „Deshalb wäre es eine gute Sache, wenn sich die Flüchtlinge regelmäßig darum kümmern könnten.“ Geschäftsleiter Klaus Mayershofer erklärt die Idee: „Wir statten die Männer mit Equipment und einer Art Uniform aus, ähnlich wie unsere Bauhofmitarbeiter.“ Für ihre Arbeit bekommen sie 1,05 Euro pro Stunde, gedacht sind grob vier Stunden in der Woche. „Wenn das gut klappt, können die Asylbewerber auch an anderen Gemeindeprojekten mitarbeiten.“ Möglich wäre eine Mitarbeit am geplanten Jugendfreizeitgelände oder bei der Sanierung des alten Lehrerhauses in Niederroth.

Das Konzept wird in der Hauptausschusssitzung am Montag, 3. Februar, vorgestellt und muss noch von den Gemeinderäten abgesegnet werden. Auch das Landratsamt unterstützt die Initiative.

Agnes Weidig von der Caritas Dachau kümmert sich um die Asylbewerber und weiß, wie wichtig es gerade für junge Männer ist, endlich wieder eine Beschäftigung zu haben. „Es verletzt sie in ihrem Stolz, wenn sie nur herumsitzen sollten und nichts zurückgeben können.“ Zudem sei es dringend notwendig, dass die Männer einen geregelten Alltag bekommen. „So kann man ganz viel präventiv abfangen – wie Depressionen oder Aggressionen“. Arbeit, egal ob auf der Basis von 1,05 Euro pro Stunde oder als Ehrenamtlicher, sei extrem wichtig für die psychologische Gesundheit und ist optimal für die Integration. Deshalb ist Weidig auch begeistert vom Engagement der Indersdorfer, für die Flüchtlinge Arbeit zu finden.

Auch in Erdweg haben sich die dortigen Asylbewerber bereits nach Arbeit erkundigt. Der Helferkreis will sie in Gemeindeprojekte einbeziehen. Ehrenamtliche arbeiten dort an der Wirtshaussanierung mit.

von Christiane Breitenberger

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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