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Prominent besetzt: Staatsminister Marcel Huber war zu Gast in Dachau.

Podiumsdiskussion

Das war nichts für Schüler

Dachau - Viele Mittelschüler kamen zu der Podiumsdiskussion über den Wert der Ausbildung in der Berufsschule. Doch sie wurden enttäuscht. Minister Marcel Huber sprach vom Bedeutungsverlust der Ausbildung. Indersdorfs Mittelschulrektor Thomas Frey ist aufgebracht.

Vertreter aus Politik und Wirtschaft diskutierten beim Ausbildungs-Erlebnistag in der Berufsschule über den Wert der Ausbildung. Überwiegend Mittelschüler sollten ihnen zuhören. Nicht nur, dass die Diskussion im Lärmpegel völlig unterging: Zentrale Begriffe haben laut Thomas Frey, Indersdorfer Mittelschul-Rektor, gefehlt. Wirklich informieren konnten sich die Schüler immerhin danach an den Ständen der Aussteller.

Fast schon verzweifelt vergrub ein Schüler sein Gesicht in beiden Händen. Zusammen mit seinen Klassenkameraden aus der Mittelschule Indersdorf saß der Achtklässler in der Aula der Berufsschule Dachau beim „Ausbildungs-Erlebnistag“ – und das am Freitagnachmittag. „Wir bekommen am nächsten Freitag dafür frei“, erklärte der Schüler. Doch dafür mussten sie es erst einmal durch eine Podiumsdiskussion zum Auftakt der bayernweiten Woche der Aus- und Weiterbildung schaffen.

Geladen waren „Spitzenvertreter aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Arbeitsverwaltung sowie junge Erwachsene aus dem Raum Dachau“: Der bayerische Staatskanzleiminister Marcel Huber (CSU), MdL Bernhard Seidenath (CSU), MdL Martin Güll (SPD) und Landrat Stefan Löwl (CSU) sowie Vertreter von Handwerkskammer, IHK und MAN. Immer wieder wurden Einspieler mit Straßenumfragen zum Thema „Ausbildung oder Studium“ abgespielt, zu denen die Diskutanten Stellung nehmen sollten.

Ein Achtklässler fand die ganze Podiumsdiskussion „eher gewöhnungsbedürftig“. Sein Klassenkamerad meinte: „Ich höre ja nicht einmal etwas.“ Im Publikum herrschte ein konstant hoher Lärmpegel. Die beiden Achtklässler waren sich einig, dass die anschließende Rallye quer durch die Schule vorbei an den verschiedenen Aussteller der einzelnen Unternehmen und Gewerben „mehr bringen“ würde. Schließlich wussten beide noch nicht genau, was „sie werden wollen“.

Doch erst mussten sie Marcel Huber zuhören, der zum Auftakt seiner Kampagne „Ausbildung? Bringt dich groß raus“ Bayerns duales Bildungssystem als einen „weltweiten Markenbegriff“ lobte. Auch Landrat Löwl forderte ein „klares Bekenntnis zur dualen Ausbildung“. Martin Güll (SPD), Vorsitzender des Bildungsausschusses im Landtag, forderte von der Landesregierung, Studium und duale Ausbildung gleichwertig zu fördern.

Den beiden „jungen Erwachsenen aus dem Raum Dachau“, die erst gegen Ende der Diskussion das Podium betreten durften, war eines gemein: Für Sparkassen-Ausbildungsleiter Lukas Brunner und Konditormeister Stefan Geisenhofer war die Ausbildung der richtige Weg. „Ich konnte mir mit dem Ausbildungsgehalt früher etwas leisten als andere, die studierten“, erklärte Lukas Brunner. Dennoch konstatierte Marcel Huber heutzutage eine „fast verlogenen Einstellung“: „Einerseits loben alle die tollen Fähigkeiten der Facharbeiter, andererseits sehen die Eltern nach der vierten Klasse nur das Gymnasium und anschließend ein Studium für das Kind als einzigen Weg“, so Huber.

Mittelschul-Rektor Thomas Frey fand nach der Diskussion klare Worte: „Es macht fassungslos, wenn Marcel Huber den Bedeutungsverlust der Ausbildung bedauert.“ Denn dessen Partei sei mitverantwortlich. Frey: „Offensichtlich wird hier nur über Kampagnen gearbeitet. Ich bin aber wenig hoffnungsvoll, dass das funktioniert.“ Zudem haben ihm „zentrale Begriffe wie Schule“ in der Podiumsdiskussion gefehlt. „Die Mittelschulen unternehmen große Anstrengungen, um die Schüler in die Ausbildung zu bringen“, monierte der Rektor.

Eine andere Mittelschulrektorin, die anonym bleiben will, beklagte, dass zu 90 Prozent Mittelschüler die Veranstaltung besuchten. „Die Schüler gehen sowieso in eine Ausbildung“, erklärte die Rektorin. Ausgelegt war das Event ihrer Meinung nach aber eher für Realschüler und Gymnasiasten. Rektor Frey kündigte an, sich bei den Schülern geschlossen für die Podiumsdiskussion zu entschuldigen.

Die Aussteller der Unternehmen sowie die Rallye durch das Schulgebäude seien jedoch „super organisiert gewesen“, lobte Frey. Vom einem Fitnessstudio über Friseur-, Dachdecker-, und Metall-Innung bis hin zur Volksbank waren mehrere Dutzend Ausbilder vertreten. Auch die Berufsintegration der Berufsschule präsentierte sich mit Info-Broschüren. Viele Asylbewerber informierten sich über die Ausbildungsberufe.

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