Um solche Flächen wird verhandelt: Die Bahn braucht die Grundstücke entlang der Linie A. Und zwar dringend, denn ohne sie kann mit der Elektrifizierung nicht begonnen werden. Doch einige Eigentümer haben noch nicht verkauft. foto: hab

Das Pokern hat begonnen

Dachau - Der Plan ist fertig: Ende April soll es losgehen mit dem Bau der Linie A. Doch nun kommt er wieder mal ins Wanken. Weil einige Grundstückseigentümer noch nicht verkauft haben - und die Vogelbrutzeit droht.

Das Jahr 2013 war ein Jahr der positiven Meldungen - zumindest, was den Ausbau der Linie A betrifft. Das Planfeststellungsverfahren ist durch, hieß es, die einzelnen Schritte des Ausbaus sind geplant, hieß es, der Schienenersatzfahrplan durchgerechnet, nichts stehe mehr im Weg - hieß es. Doch nun: Geht es wieder los mit den Problemen. Und zwar mit den Grundstückseigentümern. „35 Verfahren sind noch nicht unterzeichnet“, sagt Bernd Honerkamp, Sprecher der Deutschen Bahn. Das sind „einzelne“, sagt Honerkamp, etwa 70 Prozent der Eigentümer haben schon unterschrieben. Doch diesen einzelnen geht es laut Honerkamp nur um Geld. Darum, „zu pokern“: „Aus unserer Sicht verlangen sie überhöhte Preise.“

Oder umgekehrt: Die Bahn zahlt niedrigere Preise als die Eigentümer verlangen. „Das liegt in der Natur der Sache“, sagt Petra Düring, Geschäftsführerin des Bayerischen Bauernverbands Dachau (BBV). „Die Landwirte sind sich einig, dass die A-Linie ausgebaut werden soll - aber sie wollen für ihre Flächen angemessen entschädigt werden.“ Das geht nicht nur den Bauern so, auch andere Eigentümer sehen das ähnlich: In Schwabhausen ist auch Gewerbegrund betroffen, berichtet Schwabhausens Bürgermeister Josef Baumgartner. Dort gab es ein Hin und Her, weil diese Flächen zunächst als Grünland behandelt wurden.

Es scheint also in einigen Fällen schwierig zu werden mit einer Einigung. Und das jetzt, wo es zeitlich kritisch wird. Zwar soll der Ausbau erst Ende April beginnen, doch schon davor muss der Gehölzschnitt gemacht werden - vor der Vogelbrutzeit. Denn wenn die begonnen hat, braucht die Bahn eine Ausnahmegenehmigung von der Naturschutzbehörde. Was wiederum schwierig werden könnte. Sollte also bis Ende Februar nicht alles in Sachen Grundstücken geregelt sein, könnte wegen der Vögel alles so verquer laufen, dass erst im November der Gehölzschnitt gemacht werden könnte. Und damit wäre der Ausbau dieses Jahr gegessen.

Ein Horrorszenario. Deshalb hat die Bahn Anträge zur Besitzeinweisung gestellt - eine Art Enteignung, erklärt Honerkamp. Die Anträge werden beim Landratsamt Dachau eingereicht, das wiederum vor Ort Verhandlungstermine ausmacht und anschließend einen Beschluss verhängt.

Doch ob es überhaupt so weit kommen wird, bezweifelt Baumgartner. „Ich sehe das nicht so dramatisch“, betont er. „Man muss halt noch ein wenig hin und her verhandeln.“ Die Bahn sei auch ein bisschen spät dran und deshalb bei einigen Eigentümern auf Widerstand gestoßen. Ähnliches erzählt BBV-Bezirkspräsident Anton Kreitmair: Viele Betroffene seien erst im Dezember benachrichtigt worden. Doch davon will die Bahn nichts wissen: „Das kann nicht sein“, betont Honerkamp. „Das war nur das finale Angebot.“ Alle Betroffenen seien zuvor mindestens einmal, wenn nicht zweimal angeschrieben worden, und die meisten zudem telefonisch kontaktiert worden.

Trotz allen Missverständnissen betont Honerkamp, dass die Bahn davon ausgeht, „dass alles klappt“. Und auch Kreitmair stellt klar: „Es wäre schlimm, wenn der Ausbau jetzt in Frage gestellt würde.“

Nina Praun

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