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Schnell tanken, dann auf die Autobahn flüchten, ohne zu bezahlen : Im Gewerbegebiet Gada häufen sich Tankbetrügereien. Doch die Kamera filmt alles – darum werden die meisten Fälle aufgeklärt.

 Tatort Zapfsäule

Bergkirchen führt die Kriminalitätsstatistik an

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Die Dachauer Polizei hat ihre Kriminalitätsbilanz für 2017 vorgelegt. Wenig überraschendes Ergebnis: Im Landkreis lebt es sich vergleichsweise sicher. Dennoch enthält die Bilanz auch einige erstaunliche Fakten.

Dachau/Landkreis – Wer denkt, dass die Landkreisgemeinden mit den meisten Straftaten Dachau oder Karlsfeld wären, denkt eindeutig falsch. Tatsächlich ist es das kleine Bergkirchen, das – im Verhältnis zur Einwohnerzahl – die Kriminalitätsstatistik eindeutig anführt. Pro 1000 Einwohner registrierte die Polizei dort im vergangenen Jahr 58 Straftaten; in Dachau waren es 50, in Karlsfeld gar nur 32.

Allerdings, so erklärt es Polizeihauptkommissar Günther Findl, finden diese Straftaten in einem sehr begrenzten Bereich von Bergkirchen statt: „Der größte Teil der Delikte sind Tankbetrügereien im Gewerbegebiet Gada.“ Findl zufolge würden Kriminelle tanken und ohne zu bezahlen einfach sofort auf die nahe Autobahn verschwinden. „Allerdings vergessen sie dabei die Videoüberwachung. Daher können wir hier auch ziemliche viele Fälle aufklären“, so Findl.

Apropos Aufklärung: Von den insgesamt 5033 Straftaten, die die Polizei im vergangenen Jahr im Landkreis zählte, konnten 66,1 Prozent geklärt werden. Während die absolute Zahl der Delikte im Vergleich zum Vorjahr laut Findl um 6,1 Prozent zurückging, sei die Aufklärungsquote um 3,7 Prozent gesteigert worden. Wenn man die Dachauer Zahlen in Bezug zu Bayern setzt, wird deutlich: Im Landkreis lebt es sich sicher: Pro 100 000 Einwohner beträgt die sogenannte Kriminalitätsbelastung in Bayern 4533 Delikte; im Landkreis Dachau sind es nur 3337.

Weitere positive Aspekte der jüngsten Bilanz: Die Wohnungseinbruchsdelikte gingen um 48,9 Prozent auf nur noch 67 Fälle zurück. Findl zufolge liegt dies eindeutig an der Aufklärungsarbeit der Polizei, die in jedem Herbst mittels Flyern und Klingelaktionen die Hausbesitzer um verstärkte Aufmerksamkeit bittet, und zugleich an einer Festnahme: „Wir konnten einen Serientäter fassen.“ Polizeiarbeit sei oft langwierig, „erst mal haben wir keinen Täter“, erklärt Findl. Doch die Ermittler würden „Spuren sichern und auswerten“ – und am Ende erfolge dann der Zugriff.

Auch die Zahl der Fahrraddiebstähle sank rapide um 27,5 Prozent auf 295 registrierte Fälle. Auch hier kann der Polizeihauptkommissar Gründe nennen: „Wir führen, vor allem in der Nacht, immer häufiger Kontrollen durch.“ Zudem würden immer mehr Radlbesitzer ihre Drahtesel registrieren lassen.

Die Tatsache, dass Petershausen mit 36 Delikten im Gemeindevergleich relativ weit vorn liegt und auch die Zahl der Sachbeschädigungen in 2017 auf 109 Fälle anstieg, ist auf zwei Graffiti-Sprayer zurückzuführen. Die gute Nachricht: Die Polizei konnte das Treiben der Sprayer, die vorwiegend in und um Petershausen aktiv waren, mittlerweile beenden.

Ebenfalls angestiegen ist die Zahl der Sexualdelikte um über 18 Prozent auf 52 Delikte. Allerdings hat diese Entwicklung eher bürokratische Ursachen. Findl erklärt: „Der Tatbestand der sexuellen Belästigung wurde erst 2017 eingeführt – in der Folge der Übergriffe während der Silvesternacht in Köln.“ Körperliche Berührungen hätten früher nur als „Beleidigung auf sexueller Basis“ gegolten. Ein Großteil der 52, ausschließlich von Frauen angezeigten Belästigungen seien „Tatschereien“ gewesen, so Findl.

Der Ausländeranteil an den ermittelten Straftätern ist mit 39,4 Prozent stabil. Asylbewerber und Flüchtlinge sind in dieser Zahl mit 11,4 Prozent vertreten. Allerdings hält Findl in diesem Zusammenhang fest: „Die Straftaten bei Flüchtlingen finden fast ausschließlich untereinander in den Unterkünften statt.“ Wer jedoch monatelang auf engstem Raum ohne Beschäftigung zusammenlebe, für den müsse man Findl zufolge doch auch „ein gewisses Verständnis“ aufbringen.

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