Polizeistreife direkt in die Arme gefahren

Dachau - Das Richtige gewollt, doch das Falsche getan hat ein 18-jähriger Dachauer Besucher des Volksfests in Freising. Jetzt bekam er dafür die Quittung präsentiert.

Nach drei Mass Bier hatte der in Dachau lebende Student dafür entschieden, besser mit der S-Bahn heimzufahren. „Mein Auto“, dachte er bei sich, „stelle ich noch schnell auf dem Parkplatz ab“. In Freising freilich bedeutet das eine halbe Stadtrundfahrt.

Obwohl schon spät am Abend, fuhr er mit 1,2 Promille direkt einer Polizeistreife in die Arme. Wegen einer Trunkenheitsfahrt musste sich der Student jetzt vor dem Amtsgericht Freising verantworten.

Vor dem Bahnhof hatte der 18-Jährige im vergangenen Herbst seinen Wagen geparkt, ist dann mit den Kumpels zu Fuß zum Volksfestplatz weiter. Drei Mass ließ er sich den Abend über schmecken. Als der Festwirt sein Zelt absperrte, fiel dem 18-Jährigen wie Schuppen von den Augen, dass sein Auto in einer Kurzparkzone stand.

„Da habe ich mir in meinem Schwachsinn gedacht, ach komm’, stellst den Wagen schnell noch auf den Park & Ride-Platz um“, erklärte der Angeklagte dem Gericht. „Ich war in Sorge, einen Strafzettel zu kassieren.“ Dass der Park & Ride in Freising auf der anderen Seite des Bahnhofs und eine ganze Ecke entfernt ist, bemerkte der Student erst während der Fahrt.

Den Strafzettel hätte er im Nachhinein wohl besser in Kauf genommen. So viel ist ihm heute klar. „Wären Sie auch deutlich billiger gekommen“, pflichtete Jugendrichter Boris Schätz bei.

Das galt auch für eine zurückliegenden Missetat des 18-Jährigen. Vor drei Jahren stand der Angeklagte wegen Sachbeschädigung in Mittäterschaft vor Gericht. Richter Schätz ließ er auf Nachfrage wissen, dabei erwischt worden zu sein, als er mit Bekannten versucht hatte, einen Kaugummiautomaten zu knacken. „Den Kaugummi hätten Sie sich wohl besser gekauft“, so der Vorsitzende. „Manche Dinge wiederholen sich.“

Ansonsten ist die Weste des Dachauers bislang weiß geblieben. Um so mehr schien Schätz die folgende Frage geradezu auf der Zunge gebrannt zu haben. Schließlich vermochte er nicht länger an sich zu halten und erkundigte sich beim Angeklagten nach dem Fortgang seines Jura-Studiums, was vor allem den Vater des 18-Jährigen erheiterte, der den Prozess im Publikum verfolgte.

Die heute gewonnenen Erfahrungen sollten sich im späteren Berufsleben gewinnbringend verwerten lassen, tröstete Schätz den nunmehr sichtlich geknickten Studenten, bevor er sich daran machte, ein Urteil zu sprechen. Das Gericht entschied schließlich, den Angeklagten trotz seiner 18 Jahre nach Erwachsenenstrafrecht zu verurteilen. „Wer wie ein Erwachsener am Straßenverkehr teilnimmt, muss die Konsequenzen tragen“, begründete der Staatsanwalt diese Haltung.

Schätz verurteilte den Studenten zu einer Geldstrafe in Höhe von 450 Euro und einer elfmonatigen Führerscheinsperre. Seitens der Führerscheinstelle muss er außerdem mit einem ebenfalls nicht billigen so genannten „Depperltest“ rechnen, will er seine Fahrerlaubnis zurückbekommen. (an)

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