Zu Gast auf dem Roten Sofa war Max Mannheimer (links) im SPD-Bürgerbüro von Martin Güll (rechts). Anja Güll moderierte die Veranstaltung. foto: kn

Postkarte mit üblen Hetzparolen

Dachau - In einer anonymen Postkarte sind der Auschwitz-Überlebende Max Mannheimer und der Landtagsabgeordnete Martin Güll mit üblen Hetzparolen beleidigt worden. Die Kripo ermittelt.

Nur einen Tag, nachdem der SPD-Landtagsabgeordnete Martin Güll in der intimen Atmosphäre des Bürgerbüros in Indersdorf auf Max Mannheimer getroffen war, erhielt er eine Postkarte mit diffamierenden Hetzparolen gegen den Zeitzeugen und sich selbst. Güll war tief betroffen und schaltete die Kripo ein, die sofort Ermittlungen aufnahm.

In schöner Handschrift ist auf der Postkarte zu lesen: „Am 23. Januar treffen sich die ,Schmarotzer‘, der dumme, faule und blöde Schuldienst-Verweigerer und der 91-jährige kerngesunde KZ-Urlauber Mannheimer, die sich mit unseren Steuergeldern ein schönes Leben machen und gemacht haben, und nie richtig gearbeitet haben.“ Unterzeichnet ist die Karte mit „Ein fleißiger Steuerzahler“.

Die Karte wurde bereits am 21. Januar im Post-Briefzentrum Freising abgestempelt und sollte vermutlich schon am Samstag vor der Veranstaltung „Treffpunkt Landtag“, zu der Max Mannheimer eingeladen war, in Gülls Büro eintreffen. Weil auf der Karte keine Straße eingetragen war, ging die Karte erst am Montag ein. „Gerade angesichts des starken Eindrucks vom Vortag hat mich die Karte vom Hocker gehauen“, sagt Güll.

Es geht dem Dachauer Landtagsabgeordneten weniger um sich selbst als vielmehr um Max Mannheimer, der laut Güll auf die Menschen zugeht, der nur Zeugnis ablegt und keinesfalls anklagend spricht. Vor dem Hintergrund der anonymen Postkarte werde die Bedeutung der hingebungsvollen Arbeit des Zeitzeugen Dr. h.c. Max Mannheimer umso deutlicher, sagt Güll nach der Holocaust-Gedenkfeier am gestrigen Donnerstag. Nicht, dass Güll dem Verfasser der anonymen Postkarte ein Forum geben will - „aber man kann das nicht unter den Teppich kehren“. Im Gegenteil: „Es ist dringend notwendig, dass wir unsere Stimme erheben.“ Erschreckend daran sei vor allem die Tatsache, „dass es mitten unter uns immer noch Menschen gibt, die aus der Geschichte nichts gelernt haben und unserer Demokratie ganz offensichtlich feindlich gegenüberstehen“.

Auf dem Roten Sofa im Bürgerbüro hatte Max Mannheimer rund 50 Besuchern über sein Leben berichtet, von seinen Erlebnissen während der Nazizeit, aber auch wie er es schaffte, aus diesem Albtraum heraus danach doch wieder ein geregeltes Leben zu führen. Die Moderation der Veranstaltung übernahm die Tochter von Martin Güll, die 18-jährige Abiturientin Anja.

Die Abteilung Staatsschutz der Kripo befasst sich nun mit der Postkarte, es liegt der Verdacht der Volksverhetzung vor. Ein Erfolg der Ermittlungen sei nicht auszuschließen, sagt Güll. „Als Politiker bekommt man öfters mal handgeschriebene Briefe.“ Weil die Karte auch handschriftlich verfasst ist, könne man die Schrift mit anderen vergleichen. Außerdem erstattete Güll Strafanzeige gegen Unbekannt wegen Beleidigung.

(no)

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