Hans-Peter Posch

Der Power-Posch zieht vom Leder

Dachau - Nicht der Wirtschaftsminister Martin Zeil, sondern der Kreisvorsitzende Hans-Peter Posch war der eigentliche Star beim FDP-Neujahrsempfang - und das vor allem dank starker Sprüche.

Viel Prominenz war zum Neujahrsempfang in der Dachauer Schranne erschienen: Neben Zeil kamen auch die FDP-Landtagsabgeordneten Tobias Thalhammer, Dr. Otto Bertermann und Julika Sandt. Claus Weber (FW) war ebenso vor Ort wie Bernhard Seidenath (CSU) und einige potente Gönner der kleinen Partei, wie der Firmengruppenchef Hans Rapp und der Gutsbesitzer Florian Breitling.

Eine große Bühne für Posch, die er nutzen wollte. Statt der angekündigten 20 Minuten nahm er sich fast die doppelte Zeit - und füllte sie vor allem mit Leidenschaft. Der Internetunternehmer möchte sich im anstehenden Landtagswahlkampf als Anwalt der Landwirte positionieren: Er beklagte leidenschaftlich den Rückgang der Agrar- zugunsten von Energieflächen, redete von Nebel- und Saatkrähen und bedauerte das Verschwinden von Bienenvölkern und Singvögeln. Schuld daran sind seiner Meinung nach vor allem die Umweltschützer - und natürlich die Grünen, die Hauptgegner der Liberalen. Schnell landete Posch bei seinem Lieblingsthema: der dritten Startbahn. „Wenn die Flughafengesellschaft sagt, wir brauchen eine neue Startbahn, dann bin ich dafür“, erklärte er seine Position. Die Startbahngegner bezeichnete der Langenpettenbacher als „Leute, die mit dem Hörgerät am Schlafzimmerfenster“ sitzen. Ein schiefes Bild, dafür aber deftig. Zeil klatschte demonstrativ, auch Thalhammer lobte den „Power-Posch“. Der ehemalige Schlagersänger („Toby“) verteidigte in seinem Redebeitrag vehement die Studiengebühren: „Natürlich muss man als Student nebenher arbeiten, sonst hat man später keine Chance im Arbeitsleben.“ Zur Verkehrsproblematik rund um Markt Indersdorf und Dachau meinte Thalhammer, der den Landkreis von München-Nord aus betreut: „Die FDP steht hier wie Mann und Maus zur Umgehungsstraße.“

Wirtschaftsminister Zeil war als letzter an der Reihe. Er klopfte Posch nochmals auf die Schulter: „Man sieht, dass die FDP nicht nur wenige Themen, sondern alle Lebensbereiche besetzt.“ Wer wollte, konnte leise Ironie heraushören, als Zeil meinte: „Von den Krähen hatte ich noch nie etwas gehört.“ Dann lobte der stellvertretende Ministerpräsident ausgiebig den guten Zustand des Freistaats - für den er natürlich vor allem die Landtags-Liberalen verantwortlich sieht. Zum Ausbau der Linie A meinte der Minister: „Bis Ende Januar ist mit einer Entscheidung im Planfeststellungsverfahren zu rechnen.“ Über die Kostensteigerung der zweiten Stammstrecke von 2,047 auf 2,433 Milliarden Euro, regte sich Zeil zwar mächtig auf, räumte dann aber ein: „Wir wussten, dass die zwei Milliarden möglicherweise nicht reichen.“ Die Flughafenerweiterung hält der Wirtschaftsminister indes für unerlässlich. Zum Beweis zitierte er ein südindisches Softwareunternehmen, das nur nach München ziehen will, wenn es Direktflüge nach Bangalore gäbe. Seidenath klatschte bei diesen Ausführungen nicht.

Ein Name fiel während der ganzen Veranstaltung übrigens kein einziges Mal: Philipp Rösler. Jemand anders muss allerdings noch erwähnt werden: die Arnzeller Sänger, die die Veranstaltung witzig und harmonisch begleiteten.

(kra)

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