„Zentrum der Subkulturen“: Petra Tuttas, Fraktionschefin der Grünen im Bezirkstag (links), und Bezirksrat Johannes Becher (rechts) mit Lukas Höglmüller und Anna Dietze vom Freiraum e.V.

Preisträger in Feierlaune

Dachau - Der Grüne Wanninger ging in diesem Jahr in den Dachauer Landkreis - und das in zweifacher Ausführung: Der Freiraum e.V. und die integrative Band „Das grüne Klapprad“ wurden für ihr kulturelles Engagement belohnt. Beiden war zum Feiern zumute.

So eine Preisverleihung kann ganz schön zäh sein. Lange Begrüßungen, noch längere Reden und dann noch eine unmotivierte Laudatio hinterher. Dann ein wenig freundlicher Applaus und ab zum Buffet. Nicht so beim Grünen Wanninger. Neben emotionalen Laudationes erleben die Gäste im Dachauer Schloss mit dem grünen Klapprad und dem Dachauer Freiraum zwei Preisträger in absoluter Feierlaune.

Seit 1988 vergibt die Bezirkstagsfraktion der Grünen den Kulturpreis „Der Grüne Wanninger“ an engagierte Kulturschaffende. Vorbild ist Karls Valentins Buchbinder Wanninger, der sich mit seiner einfachen Frage, ob denn die Rechnung gleich mitgeschickt werden soll, in den Mühlen der Verwaltung verliert und schließlich entnervt aufgeben muss. Der mit 1000 Euro dotierte Preis soll Kulturschaffende aller Art dazu motivieren, nicht aufzugeben und weiter Akzente zu setzen.

In diesem Jahr kommen beide Preisträger aus dem Dachauer Landkreis. Der erste Scheck geht an den Freiraum e.V., den Verein, der das selbstverwaltete Jugendzentrum in der Brunngartenstraße betreibt. Laudatorin und Stadträtin Luise Krispenz (Grüne) hat die Entwicklung des Freiraums seit Jahren mitverfolgt und outet sich sogleich als Fan.

Seit 2005 bietet der Freiraum ein buntes Programm von Jugendlichen für Jugendliche - jenseits der gängigen Konsum- und Vergnügungsmöglichkeiten. Musikcafés, Kunstausstellungen oder Konzertabende sind nur ein Ausschnitt davon. Und nicht zuletzt beziehen die Jugendlichen Position: Antifaschismus, Gemeinsinn und Toleranz sind die von ihnen vertretenen Werte. So boten sie etwa den gegen die Residenzpflicht demonstrierenden Asylbewerbern im September auf deren Weg nach München in Dachau ein Dach über dem Kopf.

Dass der Freiraum, ein „Zentrum der Subkulturen“, wie Krispenz es formuliert, den Preis im Dachauer Schloss, einem Ort des Adels, überreicht bekam, ist die besondere Pointe dieses Abends. In Mannschaftsstärke waren die Mitglieder erschienen. Anna Dietze dankte stellvertretend für alle gleichberechtigten Mitglieder des Freiraums: „Das bestärkt uns in unserem Engagement. Wir bleiben bunt, laut und wild!“ Die Lautstärke bewies sogleich der folgende Jubel.

Der zweite Preisträger sorgte auch für die musikalische Untermalung des Abends. Das grüne Klapprad, 1998 als integrative Band von Florian Fischer ins Leben gerufen, hat sich bereits in die Herzen viele Dachauer gespielt. Mit scheinbar grenzenlos guter Laune musiziert die Band, die sich mittlerweile dem 200. Auftritt nähert. Diese gute Stimmung ist ansteckend, wie auch Laudatorin und MdL Margarete Bause (Grüne) feststellt: „Ihr erreicht Herz und Seele, weil Ihr mit Herz und Seele dabei seid.“ Jubel unter den Bandmitgliedern. Als Bause jedes einzelne der anwesenden Mitglieder mit Namen vorstellt, brechen alle Dämme, und die Musiker mit Handicap feiern ausgelassener als der FC Bayern auf dem Rathausbalkon. Die rund 150 Gäste im Schloss sind längst infiziert und jubeln mit, bevor einige noch zur After-Party in den Freiraum weiterziehen.

(Dominik Göttler)

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