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Janet Bens als Tochter Mirna im pinkfarbenen Outfit

Premiere im Hoftheater Bergkirchen

Ein Stück von Müttern und Töchtern

One-Woman-Show im Hoftheater Bergkirchen: Bei dem Stück „Und dann kam Mirna“ steht Janet Bens in einer Doppelrolle als Mutter und Tochter alleine auf der Bühne - und vollzieht einen wahren Kraftakt.

Bergkirchen – Ein starker Auftritt in einem aktuellen Stück mit krassen Bildern und politischem Hintergrund: In dem bissigen und zugleich witzigen Theaterstück „Und dann kam Mirna“ der deutsch-schweizerischen Autorin Sybille Berg, das 2015 in Berlin uraufgeführt wurde, steht Janet Bens im Hoftheater Bergkirchen in einer Doppelrolle als Hippie-Mutter und Tochter Mirna eine Stunde lang allein auf der Bühne. Sie vollzieht einen Kraftakt, ist ständig in Bewegung, schlüpft blitzschnell von der schwarzen Lederjacke in das pinkfarbene Outfit der Tochter und tanzt sich bei Discomusik nach der Choreografie von Annalena Lipp den Frust von der Seele.

In dem Stück geht es um den Mutter-Tochter-Konflikt, die Rolle der Frau und Mutter in der Gesellschaft und die nicht zu erfüllenden Erwartungen. Mit Ende 30 erstickt diese Frau in ihrer Mittelmäßigkeit – bei einer „schwachen Biografie, ohne interessante Vorgeschichte, wie Migrationshintergrund oder einem Großvater bei der Waffen-SS“, die große Karriere ist ausgeblieben. Und dann kam Mirna, einen Partner gibt es nicht, und als Vorbild ist die alleinerziehende Mutter vollkommen überfordert.

Die Facebook-Freunde sind keine Hilfe. Nach zehn Jahren sind die Koffer gepackt, der Umzug aus dem gentrifizierten Stadtviertel mit überteuerten Wohnungen ins öde, engstirnige Hinterland mit Fremdenhass verspricht „den Aufbruch in ein neues Leben“.

In dem treffenden Bühnenbild von Ulrike Beckers mit dem Chaos zwischen Kartons und Wäsche auf der Leine behält Mirna, die ihre Mutter kritisch beäugt, den Überblick und signalisiert warmherzig, dass sie es zusammen schaffen werden: „Du und ich“, verspricht sie.

Inszeniert hat das scharfzüngige Generationenduell die junge Wiener Regisseurin Martina Gredler, die erstmals zu Gast in Bergkirchen war und wie Janet Bens berichtet, fast vier Wochen lang täglich mit ihr geprobt hat: „Das war eine sehr anstrengende, intensive und auch beglückende Zeit.“ Gereizt hat die Schauspielerin und Sängerin an der Rolle, die „eine hohe Konzentration, Kondition und Genauigkeit erfordert, aber auch großen Spaß macht“, dass es um ganz andere Themen geht als in den bisherigen, mit ihr besetzten Stücken im Hoftheater. „So etwas spielen zu dürfen, ist ein großes Geschenk für mich, gerade auf unserer Hoftheaterbühne, für die so ein Stück nicht alltäglich ist. Es ist auch ein kleines Wagnis.“

Die Gastregisseurin, mit der sie befreundet ist und mit der sie „das Stück erarbeiten durfte“, habe aus ihr „neue unbekannte Seiten herausgekitzelt“. Für diese Erfahrungen sei sie „ sehr dankbar“. Ihr Dank gelte aber auch den Theaterleitern Herbert Müller und Ulrike Beckers, die sich mit Martina Gredler einig wurden. Denn, wie Bens sagt: „Allein aus finanziellen Gründen haben wir nicht allzu oft die Möglichkeit einen Gastregisseur oder -regisseurin einzuladen“. Für das von Janet Bens packend dargestellte Wechselbad der Gefühle wurde die Schauspielerin vom mitgerissenen Premierenpublikum mit Riesenbeifall belohnt.

Vorhang auf

Die nächsten Aufführungen des Damensolos finden am kommenden Sonntag, 24. März, um 17 Uhr und am Freitag, 5. April, um 20 Uhr statt.

Ingrid Koch

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