Informationsaustausch zum Thema Asyl

Problem Wohnungsnot

Landkreis - Asyl – was dann? Diese Frage wurde bei einem Informationsaustausch im Landratsamt erörtert. Das wenig überraschende Fazit: Es gibt vor allem zu wenig Wohnungen und zu wenig Arbeitsplätze.

1822 Asylsuchende leben derzeit im Landkreis: Davon sind 80 Prozent, also 1534 Männer, 92 Frauen und 102 Kinder, einige sind ohne Geschlecht registriert. Doch Landrat Stefan Löwl betont aber, es gebe keinen Grund, Angst vor Überfremdung zu haben: „Denn derzeit machen die Asylbewerber rund ein Prozent der Gesamtbevölkerung aus“, so Löwl. Ein Drittel davon bekommen einen „Aufenthaltstitel auf Zeit“ und kann für drei Jahre in Deutschland bleiben. Genau um sie drehte sich die Diskussion „Asyl – was dann?“, die nun zum zweiten Mal im Sitzungssaal des Landratsamtes stattfand. Dort sammelten rund 60 Vertreter der Gemeinden, des Landkreises, von Schulamt, Arbeitsamt, Arbeitsagentur, Polizei und der Sozial- und der Bildungsverbände sowie von Vereinen und der Wirtschaft im Landkreis Ideen für die Zukunft der anerkannten Flüchtlinge im Landkreis. Ziel war auch, dass sich die verschiedenen Gruppen, wie Caritas, Volkshochschule, Helferkreise, Arbeitsagentur, Freizeitvereine und die Berufsschule miteinander vernetzen und sich gegenseitig über ihr Vorgehen austauschen. 

Bei der letzten Diskussion, die schon im Oktober 2015 stattgefunden hatte, stand vor allem das Ziel, mehr Sprachkurse zu schaffen, im Vordergrund. Doch auch jetzt fehlt es noch an Möglichkeiten für die Asylbewerber, Deutsch zu lernen, erklärte Detlev Wiese vom Helferkreis Haimhausen: „Wir haben 98 Asylbewerber, 50 davon sind Analphabeten. Ich frage mich, wann sie in die Kurse kommen können?“ Landrat Löwl rechnete die verschiedenen Deutschkurse der Volkshochschulen und der Arbeitsagentur zusammen: Bis zum Ende des Jahres sollen 1200 Plätze zur Verfügung stehen – gleichzeitig rechne er heuer zum Jahresende mit rund 3200 Asylbewerbern. 

Im Bereich Bildung gebe es noch einiges zu tun, erklärte auch der Leiter der Berufsschule Johannes Sommerer. An der Berufsschule gibt es derzeit sechs Berufsintegrationsklassen, neben dem Deutschunterricht machen die Flüchtlinge zwischen 16 und 21 Jahren dort auch ein Praktikum. Ab September werde es sogar doppelt so viele Klassen geben, aber: „Heuer haben wir deutlich weniger Praktikumsplätze.“ Sommerer rüttelte auch seinen Sitznachbarn, Anton Kreitmair, Bezirkspräsident des Oberbayerischen Bauernverbandes, auf: „Herr Kreitmair, dafür gäbe es doch auch in der Landwirtschaft ein Feld.“ 

Insgesamt werde die Suche nach Arbeits- und Ausbildungsplätzen in Zukunft eine große Rolle spielen und Berufserfahrung sei immer ein wichtiger Schritt, sagte Peter Barth vom Helferkreis Hebertshausen: „In der Optik ist es egal, ob jemand hier bleibt oder nicht“, denn das Gelernte könnte er auch in seiner Heimat wieder anwenden. 

Außerdem sprachen Irmgard Wirthmüller und Christine Torghele-Rüf von der Caritas das Problem der akuten Wohnungsnot im Landkreis an. Landrat Löwl antwortete: „An den sozialen Wohnungsbau müssen wir heran.“ Er rief auf: „Wer jemanden kennt, der eine leerstehende Wohnung hat, soll ihn überzeugen, dass er sie vermietet.“ Als Fazit aus der über zweistündigen Diskussion fasste Löwl zusammen: „Wohnen, Wohnen, Wohnen wird in Zukunft ein wichtiger Punkt sein – und Arbeits- und Ausbildungsplätze finden.“ Zuletzt fügte er hinzu: „Im Bereich Sprache tun wir zwar schon viel, aber es kann noch mehr werden.“ Am 14. Juni möchte Landrat Löwl auch einen Dialog mit den Bürgern über die Integration der Asylbewerber im Landkreis führen.

Anna Schwarz

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