Maulwurfshügel statt Spielbetrieb. Indersdorfer Fußballexperten wünschen sich auf dem Platz hinter der Grundschule ein Kunstrasenspielfeld – doch die Gemeinderäte halten den Standort für ungeeignet. foto: map

Standort für Kunstrasenprojekt gestorben

Indersdorf - Sie haben ein Ziel. Drei Vereinschefs wünschen sich einen Kunstrasenplatz für ihre Fußballer. Jetzt hat der Gemeinderat eifrig über das teure Projekt diskutiert - und dabei fast bis zum Ende das zentrale Problem übersehen: Der Wunschstandort an der Grundschule eignet sich scheinbar überhaupt nicht.

Sie haben diskutiert und diskutiert und diskutiert. Über eine Stunde lang ging es im Indersdorfer Gemeinderat um das Thema Kunstrasenplatz. Über Kosten, über Rasenpflege und über fallende Blätter im Herbst. Nötig war diese Ewigkeitsdiskussion allerdings nicht. Das, was die Gemeinderäte am Ende beschlossen haben, hätten sie auch ganz schnell regeln können.

Bereits im Februar haben drei Vorsitzende einen großen Wunsch an die Gemeinde gerichtet: Andreas Leuze (SV Niederroth), Bernhard Wetzstein (TSV Indersdorf) und Siegfried Frost (JFG TaF Glonntal) setzen sich für einen Kunstrasenplatz ein (wir haben berichtet). Hinter dem Wunsch der drei Fußballexperten steht ein zentrales Problem: Ihnen gehen die Trainingsmöglichkeiten aus - vor allem bei schlechtem Wetter.

Bernhard Wetzstein erklärte nochmal in der Sitzung: „Unser Gelände ist völlig ausgelastet. Neuen Bedarf wie neue Mädchenmannschaften können wir aus Platzgründen gar nicht bedienen.“ Und Siegfried Frost ergänzte: „Wenn das Wetter schlecht ist, kann man nicht richtig trainieren, oder das Training fällt aus und unsere Mannschaften können sich nicht richtig auf die Saison vorbereiten.“ Ein Kunstrasenspielfeld würde diese Probleme lösen. Bleiben also nur zwei Fragen zu klären: Will die Gemeinde dieses Projekt unterstützen, und wenn ja, wo kann es realisiert werden?

Ginge es nach den Vereinen, wäre der alte Sportplatz an der Grund- und Mittelschule der perfekte Ort. Der Sportplatz, der ohnehin in einem schlechten Zustand ist, könne so künftig nicht nur von den Vereinskickern genutzt werden, sondern auch noch von allen Schulkindern - so zumindest die Idee.

Und die wurde auch bereits im März im Gemeinderat und im Juli im Schulverband vorgestellt - da ja die Schüler aus allen Gemeinden von dem Projekt profitieren würden. Der Tenor im Juli war: „Klar finden wir den Kunstrasenplatz gut, wenn er mal da ist - mitzahlen wollen wir allerdings nicht.“ Bereits damals hatte der Landschaftsarchitekt und Planer Frank Karrer vehement betont: „Die Kostenschätzungen sind sehr sehr grob.“ Ein Kunstrasenplatz in der gleichen Größe wie das bisherige Spielfeld könnte an der Schule 600 000 Euro kosten, ein Spielfeld in der klassischen Größe, das sich auch für Punktspiele eignet, etwa eine Million. Karrer warnte eindringlich: „Um eine seriöse Planung machen zu können, müssen Sie unbedingt die nötigen Gutachten einholen“. Altlastenuntersuchung, Kampfmitteluntersuchung, Lärmgutachten. Das volle Programm. „Nur so kommt man zu einer verlässlichen Kostenschätzung.“

Doch nicht nur die Finanzierung des Kunstrasenprojekts erweist sich als Problem, sondern vor allem der Lärmschutz an dieser Stelle. Denn die Vereine wollen den Platz immer nach 16 Uhr nutzen - zudem am Wochenende. Fakt ist: Hinterhalb der Schule könnte in den nächsten Jahren ein neues Wohngebiet entstehen - den Flächennutzungsplan haben die Gemeinderäte bereits angepasst. Und auch nach einer einstündigen Diskussion bleibt dieser Fakt derselbe: Es wird laut. „Das Lärmgutachten wird ergeben: Wir brauchen ganz enorme Schutzvorrichtungen. So enorm, dass das da oben gestorben ist. Die Anwohner steigen uns sowas von aufs Dach“, sagte Hans Lachner (CSU) irgendwann resigniert.

Bereits vor ihm hatten diese Aussage einige Gemeinderäte gemacht, und auch nach ihm kam der Einwand: „Wir können uns das Gutachten schenken, wir wissen, dass es zu laut ist“, immer wieder. Auch Florian Ebner (EHW) dachte an die Anwohner: „Wenn ich dort wohnen würde, würde ich mich strikt dagegen wehren, dass das da oben passiert. Die Anwohner brauchen auch mal Ruhe.“

Peter Keller (FW) fasste zusammen: „So ist das unmachbar. Wir können noch drei Stunden reden - wir brauchen einen anderen Platz.“ Auch Hubert Böck (SPD) war die Diskussion irgendwann leid und warf eine Alternative ein: „An der Schule ist es, wie wir jetzt oft gehört haben, schwierig. Dann brauchen wir eben einen anderen Standort - wie zum Beispiel den ungenutzten Platz in Langenpettenbach.“ Am Ende beschlossen die Gemeinderäte, dass Bürgermeister Franz Obesser mit den drei Vereinen Kontakt wegen alternativer Standorte aufnimmt.

Auch wenn Siegfried Frost (TaF Glonntal) bedauert, dass die Schüler nicht mehr von dem Projekt profitieren, ist er zufrieden mit der Entwicklung. „Derzeit sind etwa vier Standorte in der Diskussion.“ Frost denkt beispielsweise an einen Ort in Niederroth, der nicht vom Hochwasser gefährdet ist - auch Langenpettenbach hält er für denkbar.

Christiane Breitenberger

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