Strafe für Busunternehmen

Schon wieder Kinder stehen gelassen

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Kommen wir pünktlich in die Schule oder nicht? Für einige Kinder jeden Tag aufs Neue eine spannende Frage. Denn bei der Buslinie 708 gibt es seit Mitte Dezember immer wieder Schwierigkeiten. Jetzt hagelt es für das Unternehmen eine Strafe.

Zum Fahrplanwechsel hat das Unternehmen Geldhauser die Linien 708, 723, 725 und 727 übernommen. Zu Beginn gab es bei allen Linien Problemen (wir haben berichtet). In den Weihnachtsferien wollte die Firma Geldhauser ihre Fahrer schulen, danach sollte alles passen. Eigentlich.

Am ersten Schultag sah es tatsächlich gut aus. „Da hat es geklappt“, sagt die zweifache Mutter Susanne Heinzinger. „Wir waren sehr zuversichtlich“, sagt auch Albert Herbst vom Landratsamt Dachau. Alle Schüler sind rechtzeitig zur Schule gekommen.

Doch nur einen Tag später musste sich Herbst wieder um Elternbeschwerden kümmern. Geschätzt zwischen 100 und 150 haben sich seit Dezember beim Landratsamt beschwert. „Jetzt konzentrieren sich die Beschwerden auf die Linie 708, bei den anderen Linien schaut es besser aus“, sagt Herbst.

Susanne Heinzinger hat zwei Töchter, die jeden Tag von Rettenbach bei Vierkirchen aus mit dem Bus in die Schule fahren. Am ersten Tag nach den Weihnachtsferien sind die beiden gut zur Schule gekommen. Am zweiten Tag wieder zehn bis 15 Minuten zu spät. „Ein Bus fuhr an der Haltestelle Rettenbach vorbei“, sagt Heinzinger. Auch an anderen Haltestellen seien ungewöhnlich viele Kinder gestanden, hier hätte der Bus ebenfalls nicht angehalten. „Der letzte Bus hat versucht, alle Kinder mitzunehmen“, sagt sie. Natürlich sei er dementsprechend voll gewesen.

Ein Vertreter des Busunternehmens Geldhauser bestreitet, dass die Fahrer etwas falsch gemacht haben: „Wir sind nach Fahrplan gefahren.“ Im MVV-Fahrplan vom 13. Dezember steht tatsächlich, dass nur ein Bus an der Haltestelle Rettenbach hält und der andere ohne Stopp durchfährt.

„Das Landratsamt hat aber mündlich zugesichert, dass auch der andere Bus halten soll“, sagt Heinzinger. Das Busunternehmen Heigl, das die Linien vorher bedient hatte, hatte das so gehandhabt. Am ersten Tag nach den Weihnachtsferien hat auch Geldhauser angehalten. Die neuen Busfahrer wussten wohl zunächst nichts von der inoffiziellen Regelung: „Das sind Feinheiten, die praktisch und sinnvoll waren. Das muss sich erst einspielen“, sagt Albert Herbst.

Er will das Thema nächste Woche „noch einmal verstärkt in Augenschein nehmen. Wir müssen die Unregelmäßigkeiten schnell abstellen.“ Dazu will er Druck auf das Busunternehmen ausüben: „Wir haben ganz klare Qualitätsstandards und werden alle Möglichkeiten ausschöpfen, um diese durchzusetzen.“ Nicht erbrachte Leistungen will das Landratsamt nicht vergüten. „Es wird Vertragsstrafen geben“, sagt Herbst. Geldhauser muss wohl zahlen, weil neue Busse nicht rechtzeitig in Betrieb genommen worden sind und weil es Probleme mit der Zielanzeige gab. Eine Auflösung des Vertrags steht jedoch nicht zur Debatte, so Herbst: „Das wäre weder vertraglich noch konzessionsrechtlich möglich. Und bei einem anderen Unternehmen würde es vielleicht nochmal Anlaufschwierigkeiten geben.“

Herbst und die Eltern hoffen, dass die Mängel auch bei der Linie 708 bald abgestellt sind. Zum Wohle der Kinder. „Die Lehrer können ja nicht immer auf einzelne Kinder, die zu spät kommen, Rücksicht nehmen“, sagt Susanne Heinzinger.

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