Prozess gegen 33-jährigen Dachauer wegen Ausspähen von Daten

Kriminell oder dumm?

Dachau - Ein Dachauer hat sich illegale Software besorgt, um fremde Computer auszuspähen. Er muss nun 2000 Euro Strafe bezahlen.

Er hat mit einer verbotenen Trojaner-Software die Kontrolle über anderen Computer erlangt und Daten ausgespäht: Das wirft die Staatsanwalltschaft einem 33-jährigen Dachauer vor. Vor dem Amtsgericht Dachau wurde ihm der Prozess gemacht. 

Die US-amerikanische Sicherheitsbehörde FBI (Federal Bureau of Investigation) hatte dem deutschen Bundeskriminalamt (BKA) Datensätze geschickt, die zu hunderten Durchsuchungen führten. Die Datensätze stammen vom Vertreiber der Trojaner-Software „Blackshade“, die der Lagerist im Jahr 2012 im Internet gekauft hatte. Mit der Software, bei deren Erwerb man sich schon straffällig macht, erlangt man die Kontrolle über fremde Computern, so können Daten ausgespäht, die Tastatur kontrolliert und Dateien des Opfersystems verschlüsselt werden. In fünf Fällen habe der Angeklagte, wie ihm die Staatsanwaltschaft auf Grundlage der Datensätze vorwarf, eine Kontrollnahme über fremde Computer eingeleitet und sich unbefugt Zugriff zu Daten verschafft. 

Der Dachauer stritt das ab: Er habe lediglich von anderen Computern aus auf seinen eigenen PC zugreifen wollen – um herauszufinden, ob seine damalige Freundin mit anderen Männern Kontakt hatte. Weil er jedoch mit dem Programm „nicht klar gekommen“ sei, habe er einen Kundenservice kontaktiert und diesem seine Zugriffsdaten gegeben – „weiß der Geier, was der damit gemacht hat“. Möglich sei also, dass der Kundenservice die fünf Computer angezapft habe. 

Dagegen spricht, dass die Polizei bei der Durchsuchung auf dem verschlüsselten Rechner des 33-Jährigen zahlreiche Hinweise auf Ausspähaktivitäten fand, wie zum Beispiel selbst erstellte Trojaner. Auch gebe es, so der zuständige IT-Forensiker der Polizei, für den vom Angeklagten beschriebenen Zweck zahlreiche legale und kostenlose Alternativen. „Blackshade“ ist laut BKA nur für kriminelle Aktivitäten einsetzbar – was der Angeklagte vehement bestritt. Wer jedoch vom Internetauftritt des Vertreibers der Software nicht darauf schloss, dass die Software im Kern kriminell ist, „der muss einen IQ haben, der gerade mal zum Ein- und Ausatmen reicht“, merkte der IT-Forensiker an.

Von nicht besonders großer Intelligenz zeugte tatsächlich die Aussage des Angeklagten: Er habe nicht gewusst, dass er sich mit dem Kauf der Software straffällig gemacht hat. Er habe zwar früher als Buchbinder einmal ein Strafgesetzbuch in der Hand gehabt, zum Hineinsehen sei es ihm aber zu dick gewesen. Zudem hatte er das Programm mit seinem Paypal-Konto und unter eigenem Namen gekauft hat – was für den Dachauer spricht. Wer kriminelle Absichten hat, wird seinen Namen „nicht brettlbreit reinschreiben“, sinnierte Richter Bauer. Auch, dass der Dachauer den Kundenservice tatsächlich kontaktiert hat, scheint wahrscheinlich, da die Polizeibeamten auf seinem Handy einen Email-Entwurf fanden, in dem es um Probleme mit der Software ging. Allerdings enthielt die E-Mail das Wort „Opfer“ – und somit wurde klar, dass die Absichten des Angeklagten doch nicht so harmlos gewesen sein konnten.

Verurteilt wurde der Dachauer schließlich wegen der Vorbereitung des Ausspähens zu einer Strafe von 2000 Euro – der Richter war derselben Meinung wie die Staatsanwältin, dass es „lebensfremd“ sei, anzunehmen, jemand habe einen Trojaner zu einem anderen Zweck erworben. Auf den Rat des Richters, einfach keine Trojaner-Programme mehr zu kaufen, antwortete Sebastian N.: „Ich habe jetzt eh keine Freundin mehr, da brauche ich das auch nicht."

Eva Lang

Rubriklistenbild: © picture-alliance/ dpa

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