Prozess wegen Attacke auf Putzfrau

Angeklagter: "Ich wollte wieder in den Knast"

Karlsfeld - Wider Erwarten wurden am Freitag im Prozess um den möglicherweise sexuell motivierten Überfall auf eine 60-jährige Putzfrau in Regensburg noch nicht die Plädoyers gehalten und kein Urteil gefällt.

Wie berichtet, sitzt ein 51-Jähriger auf der Anklagebank, der aus Karlsfeld stammt. Der Mann beging in der Vergangenheit schwere Sexual- und Gewaltstraftaten. 23 Jahre seines Lebens verbrachte er im Gefängnis, in der Forensik und in Sicherungsverwahrung.

Die 7. Strafkammer des Landgerichts Regensburg unter Vorsitz von Richterin Dr. Bettina Mielke trat stattdessen am Freitag erneut in die Beweisaufnahme ein. Der psychiatrische Sachverständige Prof. Michael Osterheider sollte noch einmal aussagen.

Seit seiner letzten Haftentlassung im Juni 2015 lebte der heute 51-Jährige in einem Übergangsheim in Regensburg mit 24-Stunden-Betreuung. Er musste eine elektronische Fußfessel zur Überwachung tragen. Am Abend des 20. Dezember letzten Jahres griff er eine Reinigungskraft von hinten an, die zu Fuß in der Regensburger Altstadt unterwegs war. Er soll die 60-Jährige umklammert und zu Boden gebracht haben, „in der Absicht, unter Anwendung von Gewalt sexuelle Handlungen an ihr vorzunehmen“, heißt es in der Anklageschrift.

Zu sexuellen Übergriffen kam es nicht, aufgrund der Gegenwehr des Opfers und da zwei Wachmänner Schlimmeres verhinderten – so die Überzeugung der Staatsanwaltschaft.

Der Angeklagte beteuerte jedoch gegenüber dem Gutachter, er habe die Frau nur angegriffen, weil er in Freiheit nicht zurechtkam und wieder hinter Gitter wollte. Sexuelle Motive verneinte er. Der Polizei und Prof. Osterheider hatte der Mann zuvor aber andere Versionen des Vorfalls aufgetischt: Zunächst sagte er, er habe die Putzfrau nur beim Vorbeigehen versehentlich angerempelt. Dabei sei sie gestürzt. Später sagte er, er habe die Frau für eine Bekannte gehalten, da er seine Brille nicht aufhatte, und sie daher von hinten umklammert.

Trotz intensiver Nachfragen des Gerichts konnte der Gutachter jedoch nicht endgültig klären, was den Mann tatsächlich zur Tat trieb. In den 90er Jahren hatte er zwei Frauen brutal vergewaltigt, eine davon sogar stundenlang gequält. Es sei „naheliegend“, so Osterheider, dass bei der Tat sexuelle Motive zumindest mit eine Rolle spielten. Es sei plausibel, dass der Angreifer „Frust abbauen“ wollte und schon allein dadurch sexuelle Befriedigung erlangte, dass er Macht und Kontrolle über sie erlangte. Sicher sei dies aber nicht. „Eine klassische Sexualstraftat war das nicht“, sagte Osterheider.

Zur Frage, ob von dem Angeklagten künftig schwere Sexual- und Gewalttaten zu erwarten seien, antwortete der Sachverständige ebenfalls nicht mit einem klaren Ja oder Nein. „In der aktuellen Situation sehe ich keine unmittelbare Gefahr“, sagte er. „Aber ausschließen kann ich es nicht.“ Wenn der Angeklagte, der bei früheren Taten meist angetrunken war, alkoholabstinent lebe und sich weiterhin Therapie- und Betreuungsangeboten aufgeschlossen zeige, sei die Prognose relativ günstig. Wenn er jedoch in Freiheit wieder Alkohol tränke und es vielleicht zu Konflikten, etwa in einer Partnerschaft komme, „ist es durchaus möglich, dass das Ganze außer Kontrolle gerät“, so der Gutachter. „Ein Restrisiko bleibt.“

Die Plädoyers sollen nun am 12. Oktober gehalten und vielleicht auch das Urteil gesprochen werden

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