Eine lebhafte, aber entspannte Diskussion leitete Stadtrat Wolfgang Moll (stehend) mit (von links) Stefan Januschkowetz (Stadt), Richard Wacht (Polizeiinspektion) und Karl-Heinz Krem (Landratsamt). Foto: Kramer

Wie Radeln nicht zum Risiko wird

Dachau - Auf öffentlichen Straßen sind Radfahrer stärker als andere Verkehrsteilnehmer Gefahren ausgesetzt. Wie das Unfallrisiko für sie vermindert werden könnte, darüber gingen die Meinungen bei einer Podiumsdiskussion der Soli Dachau allerdings auseinander

Radwege und Wettkampfbestimmungen beschäftigten die rund 40 Radsportler, die sich im Ludwig-Thoma-Haus zu einer Diskussionsveranstaltung der Soli Dachau eingefunden hatten. Auf dem Podium saßen Richard Wacht (Polizeiinspektion Dachau), Karl-Heinz Krem (Landratsamt Dachau) und Stefan Januschkowetz (Stadt Dachau). Die Leitung des Abends hatte Soli-Vorstand und Stadtrat Wolfgang Moll übernommen.

„Wir Radler haben keine Knautschzone, daher müssen wir gefährliche Situationen vermeiden“, gab er gleich zu Anfang zu bedenken. Der mehrfache oberbayerische Meister Jörg Bucher (Soli Dachau) brachte die Sprache auf die Radwege-Benutzungspflicht. Er wies darauf hin, dass die Straßenverkehrsordnung das Radfahren auf der Fahrbahn bereits seit dem 1. September 1997 als Regel vorsieht. Mit den vielen Radwegen, die im Dachauer Land mit dem blauen Radwegeschild gekennzeichnet sind, würde diese Bestimmung jedoch wieder ausgehebelt.

Der Dachauer Ordnungsamtsleiter Stefan Januschkowetz berichtete, dass die Große Kreisstadt angefangen habe, ihre Radwege systematisch zu überprüfen und über jeden Einzelfall zu entscheiden. Die tragischen Unfälle dieses Jahres hätten erneut deutlich gemacht, dass die Abtrennung der Radspur vom Straßenverkehr gefährliche Situationen nicht verhindere. Bucher plädierte dafür, den Radfahrer selber entscheiden zu lassen, ob er auf der Fahrbahn oder auf einem gekennzeichneten Radweg am Verkehr teilnehmen wolle.

Karl-Heinz Krem, der im Landratsamt für die Landkreis-Straßen zuständig ist, widersprach so einer Optionslösung deutlich und beharrte auf der Pflicht, Radspuren zu benutzen, wenn diese mit einem blauen Schild gekennzeichnet sind: „Ich kann einem Elf- oder Zwölfjährigen nicht die Entscheidung überlassen, wo er fahren will.“

Für Radsportler, die einzeln oder in einer Gruppe von zehn oder mehr Fahrern trainieren wollen, ist es andererseits ein Ding der Unmöglichkeit, auf einem Radweg die erforderlichen Geschwindigkeiten zu erzielen - noch dazu, wenn sich an den Wochenenden viele Erholungssuchende auf ihre Drahtesel schwingen. Eine Lösung dieses Konflikts konnte in der Veranstaltung nicht gefunden werden.

Ein weiteres Problem für die Radsportvereine stellen die Auflagen öffentlicher Institutionen bei Wettkampfveranstaltungen dar. Die Forice-Jugendleiter Klaus Weber und Elena Eggl, die aktuelle Oberbayerische Zeitfahrmeisterin, schilderten die Schwierigkeiten bei der Genehmigung eines Zeitfahrens rund um Machtenstein, das sie für das nächste Jahr planen. Die Forice-Organisatoren schlagen eine Einbahn-Regelung für die Zeit des Rennens vor, damit die Machtensteiner während der Veranstaltung nicht von der Außenwelt abgeschnitten sind.

Hauptkommissar Wacht argumentierte hingegen, dass dann jede Einmündung am Streckenverlauf, selbst Feldwege, gekennzeichnet oder überwacht werden müssten: „Und das ist kaum zu schaffen.“ Die Entscheidung über die Genehmigung der Veranstaltung und die Auflagen hat im Landratsamt Karl-Heinz Krem zu treffen. Moll wirkte auf beide Seiten ein, eine einvernehmliche und praktikable Lösung zu finden. Weber und Eggl warten nun erst einmal den Bescheid des Landratsamts ab.

Wolfgang Moll zeigte sich insgesamt mit dem Diskussionsabend sehr zufrieden: „Ich hoffe, wir konnten alle Beteiligten miteinander ins Gespräch bringen. Nur so kann man Verständnis für die Sorgen und Nöte des anderen entwickeln.“

(kra)

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