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Die Unglücksstelle: In gemieteten Schlauchbooten war die Dachauer Gruppe auf der Loisach unterwegs. An dem quer liegenden Baum kenterten zwei Boote. Ein Großaufgebot an Rettungskräften kam, da zunächst noch Personen vermisst wurden.

Rafting-Unfall einer Dachauer Gruppe  auf der Loisach

Verena: "Ich hatte Todesangst"

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Farchant/Dachau – Verena steht immer noch unter Schock. Die 17-Jährige aus Stetten saß in einem der Schlauchboote, die am Samstag auf der Loisach kenterten. Sie befand sich plötzlich im Fluss unter dem Boot, hatte Todesangst. 

Farchant/Dachau – Es sollte eine gemütliche Schlauchboot-Fahrt auf der Loisach werden. Doch der Ausflug der 39 Freunde und Bekannte aus Dachau und Umgebung endete fast in einer Katastrophe (wir berichteten). 

Organisiert hat die Tour eine Clique, die sich aus der Kneipe „Bierhäusl“ in Dachau kennt. Fünf Schlauchboote hatte die Gruppe gemietet, um von Farchant (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) zum Kochelsee zu fahren. Zwei der Boote kamen nicht an. Sie kenterten, weil ein Baum in der Loisach quer lag. 16 Personen stürzten in die reißende Strömung der Loisach. „Wenn wir keine Schwimmwesten angehabt hätten, wären wir wohl gestorben“, sagt die 17-jährige Verena aus Stetten. 

Eine Freundin hatte sie gebeten mitzukommen. „Ihr Vater war auch dabei, aber alleine wollte sie nicht mitfahren“, erzählt Verena. So sagten sie und noch eine Freundin zu: ein lustiger Tag, so war es geplant. Lustig war es zunächst auch. Die Freundinnen stiegen in Farchant, Landkreis Garmisch-Partenkirchen, ins dritte Schlauchboot ein. „Zwei Boote sind schon vor uns losgefahren, in größerem Abstand, eines war hinter uns.“ Zu acht saßen sie im Boot, mit einer Familie mit einem Sohn und ein Vater mit seinem Buben – alle mit Schwimmwesten. Außerdem mit dabei: „eine Kühltasche mit Proviant, Brezn, Wiener, Bier, Limo“, berichtet Verena. 

Am Start schaute noch ein Guide vorbei, der Leiter einer anderen Rafting-Gruppe, der die Schlauchbootfahrer warnte: „dass wir heute ein bisschen kräftiger paddeln müssen, weil der Strom ein bisschen stärker ist als sonst“, sagt Verena. „Das haben wir dann auch gleich gemerkt, als wir ins Wasser sind.“ Aber alles kein Problem: Die Freundinnen und die Erwachsenen im Boot waren zwar schon sehr mit Paddeln beschäftigt hatten aber alles Griff.

 „Nach 15 Minuten sind wir an einem Stein hängengeblieben, aber auch da haben wir noch gelacht“, sagt Verena. Allerdings sei das Boot dadurch relativ weit nach rechts geraten. „Dann kam eine Kurve, und plötzlich haben wir den Baum gesehen, auch auf der rechten Seite des Flusses.“ Die Gruppe versuchten auf die Schnelle eine Lösung zu finden: „Doch es hat so ausgesehen, als wäre das Wasser links so flach, außerdem wären wir da wegen der Strömung nicht mehr rübergekommen.“ Auf der rechten Seite eine Lücke, „dann haben wir darauf zu gepaddelt.“ 

Das Schlauchboot trieb in der Strömung auf den Baum zu – eine Lücke gab es keine. Und plötzlich ging alles ganz schnell, sagt Verena: „Die beiden Jungs haben Äste ins Gesicht bekommen, das Boot kollidierte mit dem massiven Stamm, der ganze Proviant ist auf eine Seite gerutscht. Innerhalb von Sekunden ist das Boot voll Wasser gelaufen.“ Auf einmal war das vierte Boot hinter ihnen, fuhr in sie hinein. „Ich war schon im Wasser, aber das hab’ ich erst gemerkt, als das Boot über mir war. Ich hab’ echt Todesangst bekommen.“ 

Die Strömung riss Verena weg von den Booten und unter Wasser unter dem Baum durch. „Ich bin wieder aufgetaucht und hab keine Luft mehr bekommen vor lauter Panik.“ Sie hielt sich an den Wurzeln am Ufer fest und zog sich an Land. Auch ihre Freundinnen und einige der Insassen aus den zwei gekenterten Booten konnten sich retten. Ein Mann alarmierte die Rettungskräfte. „Einer der kleinen Jungen war zunächst noch weg, aber wir fanden ihn dann.“ 

Ohne Schwimmweste, ist sich Verena sicher, hätten sie keine Chance gehabt. Und auch die Strömung hat den Verunglückten geholfen: „Sie hat uns unter dem Baum durchgezogen.“ Glücklicherweise war das Wasser unter dem Baumstamm tief genug, so dass niemand hängenblieb. Bei den Rettungskräften wurde Großalarm ausgelöst: „Feuerwehr, Hubschrauber, Polizei, Wasserwacht kamen“, sagt die 17-Jährige. Zwei Männer aus Dachau, 50 und 67 Jahre alt, mussten mit Unterkühlung ins Krankenhaus. „Die Jungs haben so gezittert und haben Decken bekommen, die Feuerwehrleute haben uns ihre Jacken und Decken gegeben.“ 

Bis die Personalien aufgenommen waren, dauerte es nochmal zwei Stunden. „Und dann hat uns die Feuerwehr in ihr Feuerwehrhaus gebracht, zum Aufwärmen.“ Die Gekenterten wurden mit Tee, Keksen und sogar Nudeln versorgt. Außerdem sprachen zwei Helferinnen von der Krisenintervention mit den Dachauern. „Das alles tat so gut.“ 

Gut versorgt wurden die 16 Verunglückten vom Busfahrer abgeholt und zum Kochelsee gefahren. „Dort haben wir auf die anderen gewartet.“ Denn drei Boote sind bis zum Ziel gefahren. „Die vorderen zwei haben erst gar nichts mitbekommen, und das letzte Boot hat gesehen, was passiert ist, und fuhr links am Baum vorbei“, erklärt Verena. Um 20 Uhr kam der Bus mit den drei Freundinnen wieder am „Bierhäusl“ an. „Wir stehen immer noch unter Schock.

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