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Das ist der Beweis: Seit einem halben Jahrhundert ist Johann John aus Karlsfeld Raumausstatter-Meister. Auch seine eigene Coach hat er selbst hergestellt.

Ein Mann, der nähen kann

Goldener Meisterbrief für Johann John

Karlsfeld -  Johann John aus Karlsfeld ist einer der Besten seiner Zunft, der Raumausstatter. Und einer, der jetzt schon 50 Jahren den Meisterbrief in Händen halten darf.

Mächtig stolz und selbstbewusst hält der 86-jährige Johann John seinen Goldenen Meisterbrief in den großen Händen. Dabei sitzt der Karlsfelder auf seiner eigenen Couch – also eine, die er selbst gezimmert und gepolstert hat. Auch die Sofagarnitur daneben, den gleichfarbigen Sessel, die hölzernen Stühle mit gemütlichen Sitz und sogar die leuchtend roten Kissen hat er selbst hergestellt: „Ja freilich kann ich nähen“, grinst der gut gelaunte Raumausstatter.

Sein Wohnzimmer ist sozusagen ein Spiegelbild für seinen Beruf, der gleichzeitig auch seine Leidenschaft ist. Denn der gebürtige Sudetendeutsche hat über 50 Jahre als Raumausstatter gearbeitet. Aber was macht eigentlich ein Raumausstatter? „Darunter fällt Malen, Tapezieren, Polstern, Vorhänge und Teppiche aussuchen, Fliesen- oder Parkettleger beauftragen und mit Architekten zusammenarbeiten. Alles rund um die innere Ausstattung eines Raumes“, erklärt der leidenschaftliche Handwerker, seine hellblauen Augen funkeln.

Im Jahr 1957 machte er sich in Karlsfeld selbstständig und war gleichzeitig auch im Vorstand der Raumausstatter- und Sattler-Innung in München: „Da hatte ich die schwerste Arbeit“, lacht der rüstige Rentner: „Ich musste über 20 Jahre die Bilanzen der angehenden Meister prüfen. Aber eigentlich haben sie es immer gut gemacht.“ Neben den Meisterprüfungen musste er sich als Vorstandsmitglied der Innung auch um die Personalarbeit, Beschwerden und „andere Unzufriedenheiten“ kümmern.

Dass er selbst ein Meister der Raumausstattung wurde, war eigentlich kompletter Zufall. Denn nach dem Zweiten Weltkrieg flüchtete er als Sudetendeutscher aus seiner böhmischen Heimat Petersdorf nach Bayern. Nach einer kurzen Zeit in Franken hat er im oberbayerischen Burghausen einen angehenden Pfarrer kennengelernt, der ihm die Ausbildung zum Raumausstatter nahelegte: „Ich habe den Beruf ab 1947 gelernt und wusste am Anfang gar nicht, was das ist“, gibt Johann John lächelnd zu. „Aber damals gab es keine andere Chance als das Handwerk. Da war eine Speckseite mehr wert als gute Noten.“

Da er als Bauernbub schon immer handwerklich begabt war, entschloss er sich zum Beruf des Raumausstatters und legte gleich eine „steile Karriere“ hin. Denn weil Johann John so talentiert war, musste er statt drei Jahren nur halb so lang lernen und stieg in seinem Ausbildungsbetrieb nach kürzester Zeit zum zweiten Meister auf.

Als Lehrling hatte er „einen der besten Ausbilder“, der zuvor fünf Jahre in Paris gelernt hatte. Paris war schon damals das Zentrum für hochwertige und klassische Möbelherstellung.

Johann John denkt zurück an über 50 Jahre als Raumausstatter. „Damals, da haben wir noch richtige Qualitätsarbeit gemacht. Heute geht’s vor allem darum, dass es billig ist, denn niemand will mehr Geld ausgeben“, kritisiert John ein wenig wehmütig.

Trotzdem freute er sich riesig über den Goldenen Meisterbrief, den er für 50 Jahre „Meister des Deutschen Handwerks“ bekam. Denn mit seiner rein zufälligen Berufswahl hat er genau ins Schwarze getroffen.

ans

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